Köpfe-Interview: Warum Hermann Wala Philipp Welte als Markenvorbild sieht

 

Auffallen im digitalen Durcheinander - mit klaren Werten: Hermann Wala, Münchner Berater und ehemaliger Burda-Leiter für Konzernmarketing, gibt Tipps, wie man die persönliche Sichtbarkeit erhöht. Und er verrät im Köpfe-Interview, welche Medienmanager gute Markenvorbilder abgeben.

kress.de: Herr Wala, dass Sie sich gut mit Markeninszenierungen auskennen, darf man Ihnen gerne glauben. Bislang beschäftigten Sie sich oft mit Branding auf Unternehmensebene. Nun gehen Sie einen Schritt weiter und raten, auch sich selbst zur Marke zu machen. Was hat Sie zu dieser Engführung gebracht?

Hermann Wala: Wenn man international sieht, wie sich CEOs von Großkonzernen positionieren, kann man viel lernen. Es ist aus meiner Sicht sehr wichtig, dass sich jede Personen als Marke positioniert – mit Kenntnissen, Leidenschaften und Fähigkeiten.

kress.de: Wie man sich geschickt öffentlich präsentiert, ist auch für Medienmenschen sicherlich wichtig. Warum aber sollte man tatsächlich an seinem persönlichen Marken-Profil schleifen?

Hermann Wala: Als Medienschaffender darf und soll man sich in der Öffentlichkeit präsentieren. Dabei geht es im Kern um die Sprache, mit der man auftritt. Es ist wichtig, dass man sich authentisch, persönlich und echt verhält. Klare Werte sind das Elementare.

kress.de: Prominente Journalisten, aber auch Medienmanager stellen sich selbst gern als Marken da – welche Beispiele aus unseren Kreisen überzeugen Sie, welche weniger?

Hermann Wala: Wer es gut macht, ist aus meiner Sicht Philipp Welte oder Paul-Bernhard Kallen von Burda, die auch mit DLD große Plattformen geschaffen haben, in denen es wirklich um Zukunftsthemen geht. Auch Richard Brandson und Klaus Hipp sind sehr authentisch. Letzterer bürgt bekanntlich für alles, was er tut, explitzit mit seinem Namen – mehr kann man in Form von Vertrauen und Authentizität nicht erreichen.

kress.de: Das Negativbeispiel?

Hermann Wala: Das sehen wir gerade an dem, was in Österreich geschieht – und wie daraus Neuwahlen entstehen. Es geht bei allem, was man öffentlich tut, um die Werte, für die man steht.

kress.de: Ihren neuen Ausführungen zufolge sollte man stark darauf bedacht sein, wie man sich in den sozialen Medien präsentiert. Was ist für Berufskollegen Ihre goldene Regel?

Hermann Wala: Es geht um drei Schlüsselbegriffe: authentisch, persönlich, echt. Wenn man die für sich lebt, egal in welcher Funktion, befindet man sich auf einem sehr guten Weg.

"Twittern ist an sich etwas Gutes. Es darf aber nicht egoistisch sein."

kress.de: Zuletzt gab es aus prominentem Mund – etwa vom Springer-Chef Matthias Döpfner – allerdings auch immer wieder Kritik etwa an persönlich twitternden Journalisten. Wie sehen Sie das?

Hermann Wala: Twittern ist an sich etwas Gutes. Es darf aber nicht egoistisch sein. Auch im Tweet muss man einen Nutzern, eine klare Botschaft rüberbringen. Oft wird das Twittern als reine Eigenvermarktung wahrgenommen, das darf es nicht sein.

kress.de: Kann man sich als Mitglied der Medienbranche überhaupt digital abstinent halten?

Hermann Wala: Nein, das sollte man auch nicht. Darum ist man ja in der Medienbranche und steht in der Öffentlichkeit. Wichtig ist, dass man das Digitale auch als große Chance sieht. Dass man Werte und Emotionen als Selbst-Verantwortung lebt.

kress.de: Ihr neues Sachbuch "Ich endlich einzigartig" gibt praktische Handreichungen, wie man das eigene Bild, das man hinterlassen möchte, schärft. Was ist für Sie der wichtigste Grundsatz dabei?

Hermann Wala: Dafür haben wir ein Brand-Building-Modell mit acht Tools entwickelt, die alle aufeinander einzahlen. So erreicht man über verschiedene Stufen eine klare Positionierung für sich oder sein Thema.

kress.de: Sie haben erneut prominente Gewährsleute für Ihre Ausfindungen gewonnen. Was kann man für die eigene Persönlichkeitsmarke von Experten wie Wladimir Klischko, Detlef D. Soost oder der Burda-Journalistin Carolin Henseler lernen?

Hermann Wala: Sie haben im Leben ihre Leidenschaft gefunden. Ihre Werte leben sie mit Fleiß und Freude vor, verfolgen ihre beruflichen Ziele erfolgreich und sind persönlich glücklich.

kress.de: Ihr erstes großes "Marken"-Buch hat Sie schlagartig auch in breiteren Kreisen bekannt gemacht. Wie erklären Sie sich den anhaltenden Erfolg des Longsellers?

Hermann Wala: Es ist ein Zukunftsthema. In der Zukunft wird es sehr wichtig sein, weiter gezielt Markenaufbau zu betreiben, um sichtbar zu bleiben - auch unter Anbetracht der künstlichen Intelligenz und allem weiteren, was auf uns zukommen wird.

kress.de: Sie waren lange Werbe-Experte, dann auch Verlagsmanager: Ab wann haben Sie das Bedürfnis in Ihnen entdeckt, Ihr Wissen weiter zu geben?

Hermann Wala: Ich wollte etwas Sinnvolles und Nachhaltiges für die Zukunft zu Papier bringen. Dabei möchte ich Bücher schreiben und gleichzeitig im Social-Media-Zeitalter aktiv sein.

kress.de: Wie schwer fällt Ihnen das Schreiben?

Hermann Wala: Es ist für mich eine Selbstreflektion, auch über die Vergangenheit, aus der heraus man die Zukunft angeht. Deswegen fällt es mir nicht schwer, es bereitet mir Freude.

"Ich wollte nicht mehr Zeit gegen Geld tauschen."

kress.de: Eigentlich gibt man eine Position wie die Marketing-Verantwortung bei Burda doch nicht gerne auf. Was hat Sie persönlich zum Schritt in die Selbstständigkeit motiviert?

Hermann Wala: Es hatte auch mit der Geburt unseres Sohnes zu tun. Ich wollte nicht mehr Zeit gegen Geld tauschen. Stattdessen wollte ich nachhaltiger arbeiten, das war meine Inspiration für die Zukunft.

kress.de: Welche Tipps können Sie Kollegen geben, die angesichts der veränderten Marktlage im klassischen Medienbetrieb ebenfalls mit einer unternehmerischen Tätigkeit liebäugeln?

Hermann Wala: Man muss sein persönliches Herzensthema finden, für das man wirklich brennt. Man muss zudem weg vom Ich hin zum Allgemeinen. Erfolgreiche Marken gewinnen und bewegen Kundenherzen.

kress.de: Wenn Sie auf die Stationen Ihrer Berufslaufbahn zurückblicken: Wo haben Sie am meisten gelernt und welche Persönlichkeiten haben Sie im Rückblick entscheidend geprägt?

Hermann Wala: Menschen haben mich immer fasziniert und gebildet. Es fängt an mit dem Elternhaus, geht weiter über meine Ogilvy-Kollegen oder Hubert Burda, von dem ich viel gelernt habe. Oder Walter Gunz, den Gründer, von Mediamarkt, der immer den Menschen in den Mittelpunkt gestellt hat.

kress.de: Sie scheinen viel Inspiration aus der japanischen Kultur, aber auch aus einem breit gefächerten Natur- und Sportinteresse zu ziehen. Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Hermann Wala: Auf die besten Ideen bringen mich immer Gespräche mit inspirierenden Menschen – in Kombination mit einem Glas Wein. Sich selbst zu reflektieren, zu meditieren und in sich selbst hineinzuhören, steigert meine Kreativität.

"Auf dem Bauernhof tauche ich gern ins Stallknechtleben ein und lerne immer wieder Arbeiten kennen, die man im Alltag längst verlernt hat."

kress.de: Beweglichkeit setzt voraus, dass man seinen Kopf auch immer wieder freibekommt: Wo tanken Sie Ihre Kraftreserven auf?

Hermann Wala: Wir leben seit 16 Jahren auch in Tirol auf einem Einsiedlerbauernhof. Dort tauche ich gern ins Stallknechtleben ein und lerne immer wieder Arbeiten kennen, die man im Alltag längst verlernt hat. Außerdem hole ich meine Energie auf langen Spaziergängen mit lieben Menschen.

kress.de: Wie dick muss man sich eigentlich Ihr Adressbuch vorstellen?

Hermann Wala: Mein größtes Vorbild war unter anderem Paul Sahner. Weil er Menschen geliebt hat. Als Top-Journalist hat er sich ein gutes Adressbuch aufgebaut. Meines weist mehrere 100 Adressen auf, die sind aber auch alles aktiv.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Hermann Wala: Es ist ein sehr guter Kontaktplatz, den ich gerne nutze, weil er eine für mich optimal passende Zielgruppe hat.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Hermann Wala: Mich interessieren die tagesaktuellen Marktthemen. Und dass man gut und schnell informiert ist.

kress.de-Tipp: Mehr Informationen zum aktuellen Buch "Ich endlich einzigartig" finden Sie hier.

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Ihre Kommentare
Kopf

Sabine

24.05.2019
!

WARUM muss man sich immer und in allen möglichen sozialen Medien nun auch noch selbst als Marke positionieren? - Wo bleibt die tatsächliche, authentische Uneigennützigkeit wenn Sie schreiben:
"Erfolgreiche Marken gewinnen und bewegen KUNDENherzen."
Wie viele Menschen arbeiten in sozialen Berufen, schuften dort tagtäglich und verlieren sicher kein Wort darüber? Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass vermeintlich authentische Menschen dies am Ende des Tages NICHT sind!!! Reden statt Tun!


Sabine

24.05.2019
!

Gedanke zum Wochenende:
Wenn man sich dazu entschließt, s(eine) Marke über Werte (und das kann ja nur sozial gemeint sein) zu definieren, dann sollte man sich verbieten, mindestens im Hinterstübchen auf eine Win-Win-Situation abzuzielen. Denn das wäre sicher nicht authentisch, ja, sogar extrem gefährlich für denjenigen, der dieser "Marke" sein Herz öffnet und tiefes Vertrauen entgegenbringt. Daher schließt sich für mich Marketing und Werte in 90 % der Fälle schon mal kategorisch aus.


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