Job-Kolumne: Ganz entspannt zum Vorstellungsgespräch

 

Ein Vorstellungsgespräch muss nicht nervenaufreibend sein, sondern kann auch ganz entspannt ablaufen und sogar Spaß machen. Wichtig sind vor allem drei Faktoren. Neue Kolumne von Mediencoach Attila Albert.

Es ist oft anstrengend genug, überhaupt passende Stellenausschreibungen für eine neue Bewerbung zu finden. Doch sind die Unterlagen versandt und kommt tatsächlich eine Einladung für ein Vorstellungsgespräch, beginnt für viele erst der Stress: Wie soll ich mich präsentieren, was kann da nicht alles schiefgehen?! Andere hingegen gehen ganz entspannt hin, freuen sich sogar darauf. Bewerbungsgespräche müssen nicht nervenaufreibend sein. Hier einige Anregungen, die Ihnen dabei helfen können.

Bewerben Sie sich während eines Karriere-Hochs

Die angenehmste Situation ist, den Job überhaupt nicht zu brauchen, weil man bereits eine gute Stelle hat, oder vom Unternehmen selbst angefragt worden zu sein, da es bisher keine passenden Bewerber gefunden hat. In diesen Fällen wird aus dem Bewerbungstermin ein entspanntes Gespräch auf Augenhöhe: Man diskutiert die eigene Karriere und die Wünsche und Herausforderungen des Unternehmens, ohne die Sache zu persönlich zu nehmen: Klappt es mit dem neuen Job, ist es wunderbar, klappt es, nicht, dann ist es auch gut.

Je mehr Sie darauf achten, sich in guten Karriere-Phasen um Ihr Netzwerk zu kümmern und sich immer einmal wieder zu bewerben, desto mehr bewegen Sie sich in diesem Bereich. Sie können aus dieser Lage auch leichter bessere Titel (z. B. "Leitender Redakteur") fordern, die in der Stellenbeschreibung nicht einmal vorgesehen waren, und das Gehalt nach oben verhandeln. Das Vorstellungsgespräch bekommt damit einen fast spielerischen Charakter - das komplette Gegenteil einer Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit oder Krise heraus.

Seien Sie über das Unternehmen informiert

Eine Selbstverständlichkeit, die immer wieder vergessen wird, ist es, über das Unternehmen informiert zu sein. Lesen Sie den Wikipedia-Artikel, die Selbstbeschreibung auf der Webseite und die letzten Presseberichte zur Firma auf Google News. Sie sollten die Geschichte und aktuelle Situation ein wenig kennen, dazu grundlegende Angaben wie Gründungsjahr, Umsatz und Mitarbeiterzahl. Mit diesen Informationen können Sie leichter über Inhalte sprechen und auch eigene Fragen stellen, was immer gewünscht wird - am besten, überlegen Sie sich einige vorab.

Spielen Sie das Bewerbungsgespräch vorab durch

Sie selbst werden gewisse Fragen immer wieder hören: Wie Ihre Karriere bisher verlief, warum Sie sich beworben haben und wechseln wollen, was Sie an der offenen Position interessiert, wie Ihr Arbeitsstil sind - fast immer auch Ihre Stärken und Schwächen sowie Ihre Langzeitpläne ("Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?"). Sie sind überhaupt nicht originell und völlig erwartbar, trotzdem sind erstaunlich viele Bewerber nicht darauf vorbereitet. Spielen Sie diese Standards deshalb einige Male vorab durch, etwa mit einem Coach oder zumindest dem Partner oder einem Freund.

Stressen Sie sich nicht wegen einer Testaufgabe

Viele Unternehmen senden ihren Bewerbern vorab eine praktische Aufgabe, die innerhalb einer gesetzten Zeit zu lösen ist. Beispiel im PR-Bereich: Eine Pressemitteilung verfassen oder ein kleines Kommunikationskonzept skizzieren. Der Chefredakteur eines Magazins bittet alle Bewerber, auch wenn sie langjährige Journalisten sind, ihm beim Vorstellungsgespräch drei verschieden lange Meldungen zu schreiben - "Ich weiß bei keinem vorgelegten Artikel, wie viel andere da redigiert haben. Hier sehe ich sofort, was jemand kann." Stressen Sie sich bei derartigen Aufgaben nicht. Keiner erwartet hier Perfektion. Sie sollen vor allem zeigen, wie Sie an ein Problem herangehen.

Probieren Sie, Insider-Informationen zu erhalten

Enorm hilfreich ist es, wenn Sie vorab erfahren können, was wirklich in dem Unternehmen los ist. Denn natürlich ist das Stellenangebot, genau wie Ihre Bewerbung, mindestens optimiert und oft sogar komplett geschönt. Vielleicht kämpfen Sie um eine Stelle, die in Wahrheit eine Katastrophe ist und ständig neu besetzt werden muss? Vielleicht sind Sie der einzige interessante Bewerber überhaupt? Einiges können Sie erfragen: Wie lange ist die Stelle schon unbesetzt, warum ging der Vorgänger, was sind die Herausforderungen im Team. Doch ein Insider, etwa ein früherer Kollege, der jetzt im Unternehmen ist, kann Ihnen komplett andere Einblicke geben und zusätzlich das Bewerbungsverfahren für Sie günstig beeinflussen, etwa Ihre Unterlagen direkt an die zuständige Führungskraft weitergeben. Schauen Sie also auf jeden Fall, ob Sie irgendjemanden in der Firma kennen.

In jedem Fall sollten Sie sich darüber klar sein, dass das Unternehmen selbst eine Menge Probleme hat, die es lösen muss - dafür sucht es Mitarbeiter. (Oft beginnt es schon im HR, das unterbesetzt und überlastet ist.) Als Profi können Sie daher immer mit einer gewissen Gelassenheit und Routine zu einem Vorstellungsgespräch gehen: Beim neuen Arbeitgeber wird nicht alles komplett anders werden, was ernüchternd und beruhigend gleichzeitig ist. Interessieren Sie sich zudem tatsächlich für die Position und ihre Themen, geht es gar nicht mehr nur um sie, sondern bereits um die interessanten Details der neuen Aufgabe.

Zum Autor: Attila Albert (46) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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