Einstellung der Regionalteile? Wie zwei taz-Redaktionen jetzt Alarm schlagen

28.05.2019
 

Die Redaktionen der taz-Regionalteile Berlin und Nord machen sich ihrem Ärger über die Geschäftsführung Luft. Diese soll über die Einstellung der Regionalteile nachdenken. 

kress.de liegt das Schreiben der Redaktionen Regionalteile Nord und Berlin aus dem Intranet der taz vor, das wir an dieser Stelle in voller Länge veröffentlichen:

"Liebe KollegInnen, alle hier im Haus treibt gerade die Strukturreform um - und nun müssen wir, die Redaktionen der Regionalteile Berlin und Nord, noch einen drauf packen: Wir möchten euch mit dieser Mail darüber informieren, warum die Stimmung in unseren Redaktionen vielleicht noch eisiger ist als bei euch. 

Jörg Kohn hat uns vor kurzem in seiner Funktion als Produktenwickler Wochenende mitgeteilt, dass die Geschäftsführung einen "einheitlichen Auftritt" der Wochenausgabe nach Wegfall der täglichen Printausgabe wünscht. Im ganzen Bundesgebiet soll möglichst ein und dieselbe taz erscheinen, am besten sogar an einem Standort gedruckt werden.

Hintergrund seien Sparpläne, die Jörg allerdings nicht weiter transparent gemacht hat. Nun gebe es laut Jörg drei Optionen, wobei die Geschäftsführung die erste favorisiere: 

1. Die Streichung der Regionalteile Nord und Berlin als eigene Bücher.

2. Eine bundesweit gleiche Beilage mit 4 Seiten Berlin, 4 Seiten Nordund 4 Seiten Kontext. Soll heißen: Jeder in dieser Republik bekommt alle Regionalteile in reduzierter Form. 

3. Eine noch nicht weiter definierte "Metropolen"-Beilage mit Geschichten aus Nord, Berlin und Kontext in einem Buch. 

Wir wurden von Jörg aufgefordert uns dazu zu positionieren und - wenn wir mögen - Vorschläge zu machen. Er wies aber darauf hin, dass ihn der publizistische Aspekt dabei nicht interessiert. 

Liebe KollegInnen, es geht hier um eine grundsätzliche Weichenstellung, die nicht nur die Regionalteile betrifft sondern - und davon sind wir überzeugt - auch das Gesamtprodukt taz. Den LeserInnen wird ab 2022 unter der Woche bereits die Print-Ausgabe genommen. Anstatt ihnen aber, wie bisher kommuniziert, dafür eine tolle Wochentaz zugeben, sollen ihnen zusätzlich - ganz oder teilweise - die Regionalteile genommen werden. Gleichzeitig müssen mehr zahlende LeserInnen gewonnen werden. Diese Rechnung der Geschäftsführung wird nicht aufgehen. 

Wir sind entsetzt und empört über diese Art von Produktentwicklung und auch darüber, wie in diesem Haus mit uns kommuniziert wird. Die taz sollte sich sehr genau überlegen, ob eine Schwächung und Abwicklung der Lokalteile dem entspricht, wofür diese Zeitung steht: die Anbindung an die Bewegung vor Ort, die Möglichkeit, politisch Einfluss zu nehmen, der Blick im Kleinen auf die großen Entwicklungen unserer Zeit."

kress.de hat Andreas Marggraf und Karl-Heinz Ruch, die Geschäftsführer der "taz", um eine Stellungnahme zu dem Schreiben gebeten.

Hintergrund: "kress pro" hat in seiner Ausgabe 10/2018 berichtet, wie die "taz" um Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch plant, als erste Tageszeitung Deutschlands nicht mehr täglich auf Papier zu erscheinen. Sie können die Ausgabe sowie das aktuelle Heft 4/2019 in unserem Shop kaufen.

Ein "kress pro"-Abo können Sie in unserem Shop ebenfalls abschließen. Sie sind bereits Abonnent? Dann loggen Sie sich bitte unter Mein kress ein und lesen das aktuelle E-Paper.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.