Döpfner: Das Rezo-Video ist ein gutes Beispiel für digitalen politischen Journalismus

29.05.2019
 

Nach Ansicht von Mathias Döpfner ist das Video des YouTubers Rezo über die CDU "ein gutes Beispiel für digitalen politischen Journalismus". Das sei ein Phänomen, "das wir positiv begleiten sollten", so der Axel-Springer-Chef in einem Interview. Worüber sich Döpfner Sorgen macht.

"Was ist heute noch ein Verlag? Wenn Sie sich anschauen, welchen Einfluss der YouTuber Rezo mit seinem einstündigen Video Die Zerstörung der CDU vermutlich auf die Europawahl gehabt hat. Wenn einer mit solchen Botschaften über 10 Mio Menschen erreicht, dann ist das ein großes Medium und ein sehr ernstzunehmender Verlag", so Mathias Döpfner im Interview mit dem Fernsehsender phoenix in Bonn. Das sei keine negative, sondern eine schöne neue Entwicklung, die wir sehr positiv begleiten sollten.

Für den Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer hat Rezo viel mit Journalismus zu tun: "Wir müssen sehr vorsichtig sein, jetzt von oben herab zu sagen, das sei manipulativ. Natürlich sei das manipulativ, aber wie viele Leitartikel und vermeintlich objektive Reportagen haben bei der Auswahl und der Darstellung von Fakten auch manipulative Komponenten." Döpfner spricht von einer neuen Ästhetik, in der politischer Journalismus betrieben werde. Für ihn ist Rezo "wirklich ein Beispiel von gutem digitalem politischen Journalismus".

Was Döpfner "am allermeisten Sorgen macht" ist die "Erodierung eines Geschäftsmodells", das es heute für immer weniger Verlage gibt: "Printmedien werden früher oder später keine große Rolle mehr spielen, die Rolle nimmt jetzt schon dramatisch ab." Döpfner sieht "die Zukunft des Journalismus im Digitalen": "Wir brauchen klugen Online-Journalismus. Weil es aber kein wirklich überzeugendes Business-Modell gibt, gibt es heute zu wenig Anreize, um da überhaupt aktiv zu werden."

Es werde jetzt besser, gottseidank setze sich auch immer mehr die Erkenntnis durch, dass wahrheitsgetreue, verantwortungsvolle Information einen Wert habe und deswegen auch immer mehr Menschen bereit seien, dafür zu bezahlen, so Döpfner im Interview mit phoenix. Durch die jüngste EU-Urheberrechtsreform gebe es mehr wirtschaftliche Anreize für journalistische Startups und für Blogger. Und insofern hofft der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, "dass es demnächst wieder mehr Verlage gibt, die die finanziellen Ressourcen haben, sich auch wirklich kritische, unabhängige Recherche leisten zu können". Heute werde vielerorts genau daran gespart und das sei "Selbstmord aus Angst vorm Sterben".

Um der Wirkung von Fakenews im Internet entgegenzuwirken und qualitativ guten Journalismus zu fördern, müsse "mehr in Medienkompetenz investiert werden", sowohl in Schulen und Universitäten als auch in Elternhäusern, fordert Döpfner.

Hintergrund: Rezo ist einer der erfolgreichsten Musik-Videoblogger in Deutschland, aber die Schwelle von mehr als fünf Millionen Abrufen überschreitet er mit den Videos auf seinen beiden YouTube-Kanälen nur hin und wieder. Seine Generalabrechnung mit der Politik von CDU, CSU, SPD und AfD sprengt dagegen alle Rekorde. Über 13 Mio Mal wurde das 55-Minuten-Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" inzwischen abgerufen. Das ist mehr als die durchschnittliche Reichweite der "Tagesschau".

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