Was macht eigentlich Hartmut Ostrowski?

 

Hartmut Ostrowski war bis 2011 Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann. Danach saß er vier Jahre im Aufsichtsrat des Medienkonzerns. Was Ostrowkski im Moment macht und was ihn an Journalisten stört, sagt er im "kress pro"-Interview.

"kress pro": Hartmut Ostrowski, was machen Sie im Moment?

Hartmut Ostrowski: Ich nehme diverse Mandate, vor allem bei Familienunternehmen, wahr. Bei Arminia Bielefeld bin ich Aufsichtsratsvorsitzender. Daneben investiere ich in digitale Start-ups.

"kress pro": In Ihrem Kresskopf-Profil steht als Berufsbezeichnung "Privatier" ...

Hartmut Ostrowski: Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Ich privatisiere zwar, aber ich gehe immer noch jeden Tag ins Büro. In Deutschland wird der Begriff "Privatier" gerne belächelt, in Österreich ist das ein hoch angesehener Job (lacht).

"kress pro": Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Hartmut Ostrowski: Ich gehe morgens ins Büro - nicht mehr so früh wie früher, und ich komme abends auch nicht mehr so spät nach Hause. Ich spreche mit jungen Digitalunternehmern über ihre Unternehmen. Das macht mir immer noch mehr Spaß, als ins Museum oder in die Oper zu gehen. Außerdem hält es mich jung und gibt mir Einblick in eine Fülle von Geschäftsmodellen. Es gibt nur ganz wenige Menschen in meinem Alter, die sich so gut wie ich in der digitalen Welt auskennen.

"kress pro": Ihre Engagements reichen vom Online-Personaldienstleister IT-Talents über einen Übersetzungsdienst bis zum App-Vermarkter Addapptr. Nach welchen Kriterien investieren Sie?

Hartmut Ostrowski: Ich investiere überwiegend in B2B-Services, in Geschäftsmodelle, die eine Weiterentwicklung der Modelle sind, die ich kenne. Dabei habe ich gelernt, dass letztlich auch in der Start-up-Euphorie die alten Tugenden gelten: Sie brauchen vernünftige Produkte, gute Kunden und müssen am Ende des Tages auch Geld verdienen. In diesem Geschäft gibt es sehr gute junge Unternehmer, aber auch viele Blender.

"kress pro": Teilen Sie den Optimismus für die Medienbranche aus Ihrer vielbeachteten Rede beim Medienforum NRW im Juni 2010 heute noch?

Hartmut Ostrowski: Ja, denn ich sehe immer noch zu viel Pessimismus, der insbesondere von Journalisten verbreitet wird, weil sie selbst häufig betroffen sind. Mit Kreativität und Unternehmergeist hat jedes Geschäftsmodell eine Zukunft. Die Welt bleibt natürlich nicht, wie sie ist - aber in jeder Veränderung liegt eine Chance. Übrigens auch in jeder Krise; jede Krise ist ein Geschenk des Schicksals für den schaffenden Menschen.

"kress pro": Als Bertelsmann-CEO haben Sie nach vier Jahren wegen der Arbeitsbelastung und daraus resultierender gesundheitlicher Probleme aufgehört. Wie geht es Ihnen heute?

Hartmut Ostrowski: Glänzend. Ich arbeite nur noch halb so viel wie früher, und wenn ich reise, dann meistens innerhalb von Deutschland. Trotzdem möchte ich diese Zeit nicht missen. Ich war insgesamt 27 Jahre lang für Bertelsmann tätig. Ich habe viel gelernt, davon profitiere ich heute noch.

"kress pro": Wie steht Bertelsmann aus Ihrer Sicht heute da? Der Umsatz hat sich nach Ihrer Zeit nur marginal erhöht. Ihr Nachfolger Thomas Rabe setzt mit der Content Alliance nun verstärkt auf konzernweite Synergien, zahlreiche Personalrochaden inklusive.

Hartmut Ostrowski: Zu Bertelsmann äußere ich mich nicht. Meine persönliche Erfahrung ist, dass mit Kooperationen selten große Geschäfte gemacht werden.

"kress pro": Journalisten haben nach Ihrem Abgang geschrieben, dass Sie für den Vorstandsvorsitz am Ende auch zu bodenständig waren.

Hartmut Ostrowski: Bodenständigkeit ist aus meiner Sicht niemals ein Nachteil. Ich bin zehn Jahre lang mit dem Privatflugzeug geflogen, jetzt fahre ich mit dem Fahrrad zu meinen Terminen. Statt 100.000 Mitarbeitern habe ich nun eine Halbtagskraft. Mein Büro liegt zwei Kilometer von meiner Geburtsstätte entfernt. Wenn Sie so wollen, bin ich nicht weit gekommen in meinem Leben. Aber ich bin glücklich. Genau hier in Bielefeld.

kress.de-Tipp! Das Interview mit Hartmut Ostrowski ist in "kress pro" 3/2019 erschienen. Diese und die aktuelle Ausgabe können Sie in unserem Shop kaufen.

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