Wie Coaching den Melo-Chef verändert hat

04.06.2019
 

Die Melo Group verdiente einst als Pressevertrieb ihr Geld. CEO Holger Bingmann hat neue Geschäftsfelder gefunden. Im "kress pro"-Interview erklärt er, wie er durch Coaching zu einem anderen Menschen wurde und was in seinem Unternehmen seitdem ganz anders läuft.

"kress pro": Der Mensch neigt dazu, an Routinen festzuhalten. In einer so traditionellen Branche wie dem Pressegroßhandel dürfte das umso ausgeprägter sein.

Holger Bingmann: Deswegen muss man dicke Bretter bohren, um weiterzukommen. Die Melo Group ist kräftig gewachsen, sie war und ist wirtschaftlich erfolgreich. Aber vor vier, fünf Jahren haben wir gemerkt, irgendwas stimmt nicht. Mir war klar, dass wir etwas grundlegend verändern müssen. Dazu haben wir uns Hilfe geholt und einen Coach engagiert.

"kress pro": Auf Empfehlung oder nach einem längeren Casting?

Holger Bingmann: Ich wusste, dass unsere Schweizer Tochterfirma mit Philipp Johner und Beate Junginger, so heißen die Coaches, gearbeitet und sehr gute Erfahrungen gemacht hatte. Dort haben sich Betriebsklima und Arbeitsabläufe bemerkenswert zum Positiven verändert.

"kres pro": Das hat Philipp Johner bei Ihnen auch geschafft?

Holger Bingmann: Ich kann mich genau erinnern, wie wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Wir saßen in meinem alten Büro, eingerichtet im typischen 1980er-Jahre-Stil, und ich habe ihn gefragt: "Herr Johner, wie bringen Sie meinen Führungskräften das moderne Arbeiten bei, wie gelingt der kulturelle Wandel in unserem Unternehmen?" Dann sagte er etwas für mich völlig Frappierendes: "Das Training fängt mit Ihnen an. Ich ziehe Ihnen die Krawatte aus und werde Ihnen beibringen, anderen besser zuzuhören, Demut zu lernen, die Komfortzone zu verlassen. Erst wenn wir damit fertig sind, geht es mit Ihren Kollegen weiter."

"kress pro": Sie haben das einfach abgenickt?

Holger Bingmann: Ich musste erst mal schlucken. Aber ich habe verstanden, was dahintersteckt. Dass ich mich auf diese Situation und das Coaching eingelassen habe, war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben.

"kress pro": Wie ging es konkret weiter?

Holger Bingmann: Wir haben uns alle zwei Wochen für einen halben Tag getroffen. Und dann wurde trainiert. Das war kein pures Vergnügen, im Gegenteil. Philipp stellte unter anderem solche Fragen: Wie wichtig ist dir Kleiderordnung? Was bedeutet dir dein Chefbüro? Wie findest du es, wenn dir Mitarbeiter widersprechen? Darüber musste ich intensiv nachdenken, Antworten geben. Teilweise haben wir stundenlang darüber gesprochen. Das hat etwas mit mir gemacht und in der Folge auch mit unserem Unternehmen.

"kress pro": Das Einzelcoaching war der Schlüssel?

Holger Bingmann: Ja. Ich habe vor allem zu Beginn - und manchmal bis heute - gemerkt, wie schnell man wieder in alte Muster zurückfallen kann. Zum Beispiel, wenn etwas nicht rundläuft, eine Geschäftsführersitzung einberufen zu wollen, um als Chef zu sagen, wo es langgeht. Oder wenn die Zahlen nicht so erfreulich ausfallen, das Alpha-Tier rauszulassen: "Macht mal 10  Prozent mehr Umsatz!" Diese Zeiten sind bei uns hoffentlich vorbei.

"kress pro": Wie lange haben Sie zusammengearbeitet, bis es gefruchtet hat?

Holger Bingmann: Etwa ein halbes Jahr. Dann hat Philipp gesagt: "Holger, jetzt strahlst du wirklich Veränderung aus." Ohne Coach hätte das nicht funktioniert, denn es braucht einen Profi, um Widerstände zu überwinden und sich gegen Rückfälle zu wappnen.

"kress pro": Sind Sie heute ein anderer Mensch und Unternehmer?

Holger Bingmann: Ich habe tatsächlich vieles in Frage gestellt und einiges verändert. Nicht auf Befehl, sondern aus Überzeugung. Zum Beispiel versuche ich, im Beruf so privat wie möglich zu sein, auch was den Dresscode angeht. Früher waren Anzug und Krawatte selbstverständlich, heute trage ich meistens Jeans, weil ich mich darin am wohlsten fühle - und im Sommer komme ich auch mal in Bermudas. Wir haben das Firmengebäude umgestaltet, mit neuer Cafeteria und Rückzugsecken, alles ist heller und freundlicher ohne Wände. Es wird oft unterschätzt, wie wichtig das räumliche Umfeld ist. Es gibt offene Büros, ich habe keinen exklusiven Arbeitsplatz und seit drei Jahren auch keine Sekretärin mehr. Meinen Kaffee hole ich selbst; Flüge und Hotels buche ich per App, das geht schneller. Das handhabt aber jede Führungskraft nach eigenem Gusto. Auch das ist ein Ergebnis unseres Wandels: Entscheidungen werden so autonom wie möglich getroffen, mit wenig Hierarchie.

"kress pro": Spüren Sie keinen Phantomschmerz, weil Sie weniger Kontrolle ausüben?

Holger Bingmann: Es ist umgekehrt: Es wird mehr delegiert, wirtschaftliche Verantwortung auf mehrere Köpfe verteilt. Dadurch habe ich größere unternehmerische Freiheiten, auch im Alltag. Ich war zum Beispiel kürzlich zu einem Geschäftstermin in Stockholm. Dann habe ich noch einen Tag drangehängt, den ich unter anderem genutzt habe, um einige Start-ups zu besuchen. Das hätte ich früher nicht gemacht, denn, so die alte Denke, ich wurde ja zu Hause gebraucht. Heute fühlt sich das richtig an, es inspiriert, bringt mich und uns auf neue Gedanken.

Wie haben sich Management und Mitarbeiter auf den Change eingelassen? Verändert es die Atmosphäre im Unternehmen, wenn man sich duzt? Sind auch Beschäftigte auf der Strecke geblieben? Was tun Sie über den Arbeitsalltag hinaus, um den Teamgeist im Unternehmen zu beleben?

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