Wie ProSiebenSat.1 und RTL gemeinsam Google & Co. Werbekunden abjagen wollen

06.06.2019
 

ProSiebenSat.1 und die Mediengruppe RTL Deutschland machen im digitalen Werbemarkt gemeinsame Sache. Sie gründen ein Joint Venture, über das sie eine Plattform zur automatisierten Buchung von Addressable TV und Onlinevideo steuern werden.

Werbekunden können künftig die für sie relevanten Zielgruppen im Bereich Addressable TV und Onlinevideo im kompletten Portfolio der Vermarkter von ProSiebenSat.1 und der Mediengruppe RTL buchen - "direkt und individuell, mit nur wenigen Klicks". Das Portfolio umfasst die Digitalangebote beider Medienhäuser sowie weiterer Partner.

Das Angebot der Demand-Side-Plattform sei eine klare Antwort auf die Bedürfnisse der werbetreibenden Wirtschaft. Gleichzeitig stärke die strategische Partnerschaft die technologische Unabhängigkeit beider Medienhäuser von globalen Tech-Plattformen. Die beiden Unternehmen halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture, das Google, Facebook & Co. Werbekunden abjagen soll.

Bis 2022 soll der Markt für Addressable TV und Onlinevideo in Deutschland voraussichtlich im einstelligen Euro-Milliardenbereich liegen. Aktuell seien bereits rund 18 Millionen TV-Geräte im deutschsprachigen Raum für Addressable TV und somit individualisierte Werbung erreichbar, heißt es bei ProSiebenSat.1 und der Mediengruppe RTL Deutschland. Technologische Basis der neuen Partnerschaft ist die Demand-Side-Plattform Active Agent, die Teil der zu ProSiebenSat.1 gehörenden Virtual Minds Gruppe ist.

"Starke Partnerschaften sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor im digitalen Werbemarkt. Nach der Expansion unserer Ad Alliance gehen wir nun mit dem Joint Venture den nächsten konsequenten Schritt im Bereich der Werbetechnologie", sagt Matthias Dang, Geschäftsführer Ad Alliance und Geschäftsführer Vermarktung, Technologie und Daten der Mediengruppe RTL Deutschland. 

Für Thomas Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung SevenOne Media, ist das Joint Venture ein Meilenstein für die deutsche Vermarktungsbranche: "Wir schaffen einen neuen Standard für Addressable TV und ebnen damit den Weg für intelligente und adressierbare Reichweiten. Gleichzeitig vereinfachen wir die Buchung von kombinierten Addressable-TV- und Video-Kampagnen."

Hintergrund: Wer im Internet zum Beispiel nach einer Reise oder nach einem Mountainbike googelt, kann durch Adressable TV bald auch auf seinem Fernsehschirm plötzlich individualisierte Werbung dafür zu sehen bekommen. Denn mit dem Internet verbundene Fernsehgeräte laufen meist über denselben Router wie die Smartphones, Tablets und Computer im selben Haushalt.

Die Werbewirtschaft kann aber auch größere Zuschauer- und User-Gruppen - etwa nach Alter, Geschlecht oder Haushaltseinkommen - im TV wie online gezielt ansprechen. Bei der gleichen Sendung bekommen die Zuschauer also unterschiedliche Spots zu sehen.

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