Dirk Ippen und sein außergewöhnliches Gespür fürs Geschäft

 

Dirk Ippen startete klein in Hamm, heute besitzt er die viertgrößte Zeitungsgruppe des Landes. Wie hat er das gemacht?

Die ersten Geschäfte machte Dirk Ippen (78) noch vor der Währungsreform, da war er keine acht Jahre alt. Der großzügige Vermieter der Familie hatte dem Jungen ein kleines Stück Land zugeteilt. Der kleine Dirk baute in seiner Parzelle Tabak an. Der wuchs nicht sehr gut, Ippen musste ihn grün ernten. Viele sagten: "Junge, das ist doch kein Tabak." Aber mancher kaufte ihn dennoch für 1 Groschen, weil es nichts anderes gab.

In den folgenden sieben Jahrzehnten sollte Ippen noch mehr als einmal zeigen, dass er über ein außergewöhnliches Gespür fürs Geschäft verfügt. Er startete 1968 beim "Westfälischen Anzeiger" in Hamm mit 7 Millionen Mark Umsatz. Heute zählen etwa 100 Titel zu seiner Gruppe. Er ist im Zeitungsgeschäft die Nummer 4 in Deutschland. Allein in diesem Bereich dürfte die verschachtelte Gruppe auf eine halbe Milliarde Euro Umsatz zusteuern. Mit Digitalgeschäft und Radiobeteiligungen sind es vermutlich noch mal fast 100 Mio. Euro mehr. Welche Prinzipien haben Ippens Aufstieg möglich gemacht?

Ippen dachte bei seinen Publikationen zuerst immer an die Leser. In seinen ersten Jahren unterhielt sich Ippen gerne mit den Zustellern. Die kassierten damals noch persönlich an der Haustür und wussten, was wie gut ankam. Auch heute treibt Ippen der Journalismus am meisten um. Während des Mittagessens vor dem Interview nahm im Gespräch am meisten Raum ein, welche Inhalte Menschen heute begeistern und wie Zeitungen sie liefern können.

Ippen hat zwar über Jahrzehnte wie wild expandiert. Aber er ist dafür keine großen Risiken eingegangen. Er musste sich für seine Zukäufe nie verschulden, sagte er. Selbst den Kauf des "Merkur" und der "tz" in München Anfang der 80er-Jahre stemmte er mit eigenen Mitteln. (Immerhin 20 Millionen Mark, wenn die Erinnerung nicht trügt.) Wäre die Sache schiefgegangen, hätte Ippen immer noch die anderen Titel gehabt, so seine kühle Überlegung. 

Ippen gehörte zu den Ersten, die im Druck auf Lichtsatz umstellten. Das ermöglichte es, kostengünstig Kleinanzeigen in den Zeitungen anzubieten. In Spitzenzeiten produzierten seine Blätter davon Dutzende Seiten in einer einzigen Ausgabe. Mit dem Aufkommen des Internets erkannte Ippen, dass sich die Kleinanzeigen ins Netz verlagern würden. Als einer der wenigen Zeitungsverleger hat er heute "wenigstens einen Finger" im Geschäft mit den lukrativen digitalen Rubrikenmärkten, wie er selbst sagt.

Alfred Neven DuMont ist am Schluss vor allem daran gescheitert, dass er mehr sein wollte als ein Regionalverleger: Er wollte die nationale Bühne mit Zeitungen in den Metropolen. Ippen dagegen hatte immer ein Herz für die Provinz. Dort können Zeitungen auch heute noch besser Communitys bilden als in richtig großen Städten. Wegen der kleineren Konkurrenz sind sie auch wirtschaftlich meistens interessanter. Jahrelang unterschätzten viele in der Branche, wie lukrativ die Ansammlung des KleinKlein-Geschäfts etlicher Mini-Zeitungen wirklich war.

Viele Familienunternehmen scheitern an der Nachfolgefrage, die Ippen versucht durch Vernunft statt Emotionen zu regeln. Er hat bereits fast die Hälfte des Unternehmens verschenkt: an seinen Neffen Daniel Schöningh, seinen Sohn Jan Ippen und Führungskraft Harald Brenner. Aber Ippen denkt offenbar schon eine Generation weiter. Wenn er über die Brüder Max und Jan  Eric Rempel (u. a. "Gießener Allgemeine Zeitung") spricht, die inzwischen am hessischen Geschäft der Gruppe beteiligt sind, gerät er regelrecht ins Schwärmen.

kress.de-Tipp: Der Text von Chefredakteur Markus Wiegand ist das Editorial zur aktuellen "kress pro"-Ausgabe mit der Titelgeschichte über Verleger Dirk Ippen. Sie können das Heft in unserem Shop kaufen.

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