Nach KKR-Einstieg: Wer künftig Axel Springer führt

12.06.2019
 

Axel Springer hat eine Investorenvereinbarung mit dem US-Finanzinvestor KKR getroffen. Im Zuge dessen soll eine strategische Partnerschaft eingegangen werden. Wer künftig Axel Springer führt und wer das letzte Wort hat.

Das Übernahmeangebot von KKR sieht so aus: Der Investor will für sämtliche ausstehenden Aktien von Axel Springer 63,00 Euro je Aktie in bar bezahlen. Am Dienstagabend schloss die Aktie bei einem Kurs von 56 Euro. Am 29. Mai 2019, dem letzten Börsenschlusskurs, bevor Gespräche mit KKR über eine mögliche strategische Investition in Axel Springer bestätigt wurden, lag der Aktienkurs bei 45,10 Euro. Damit bietet KKR einen Aufschlag von rund 39,7% an. Das Übernahmeangebot von KKR impliziert, dass Axel Springer einen Unternehmenswert von 6,8 Mrd Euro hat. Vorstand und Aufsichtsrat von Axel Springer befürworten das Angebot und die strategische Partnerschaft.

Aus der Investorenvereinbarung gehen die wesentlichen Eckpfeiler sowie die rechtliche Struktur des Deals hervor. Außerdem sind darin zukünftige Corporate-Governance-Richtlinien für das Unternehmen im Anschluss an einen Einstieg von KKR festgehalten. So wird Axel Springer weiterhin eine Europäische Aktiengesellschaft (European Stock Corporation, SE) bleiben. Auch die journalistische Unabhängigkeit der Medienangebote von Axel Springer werde erhalten bleiben.

Die zukünftige Unternehmensführung sieht so aus: Die derzeitigen Aktionäre Friede Springer, die 42,6 Prozent der Anteile kontrolliert, und der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, der 2,8 Prozent der Anteile besitzt, haben mit dem Investor gesondert vereinbart, ihre Beteiligungen an Axel Springer zu behalten. Die Vereinbarung mit KKR sieht zudem vor, "dass keine Entscheidungen auf Gesellschafterebene ohne die Zustimmung von Friede Springer getroffen werden können". Damit sei die Kontinuität in Bezug auf die Governance und die Unternehmensführung gewährleistet, heißt es bei Axel Springer.

Die derzeitigen Vorstandsmitglieder von Axel Springer - Mathias Döpfner (Vorsitz), Julian Deutz (Finanzen & Personal), Jan Bayer (News Media International), Stephanie Caspar, (News Media National & Technology) Andreas Wiele (Classifieds Media) - werden weiterhin das Unternehmen führen. Der Aufsichtsrat wird sich auch in Zukunft unter der Führung des derzeitigen Vorsitzenden Ralph Büchi aus neun Mitgliedern zusammensetzen. Unter der Voraussetzung, dass das Angebot erfolgreich ist und alle Bedingungen erfüllt werden, wird der Investor "eine angemessene Vertretung im Aufsichtsrat von Axel Springer" anstreben.

"Unsere Wachstumspläne werden in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen in Mitarbeiter, Produkte, Technologie und Marken erfordern. Durch die strategische Partnerschaft mit KKR könnten wir erhebliche Wachstumschancen ergreifen, da wir uns zusätzliche finanzielle Ressourcen erschließen und uns zugleich von der reinen Fokussierung auf kurzfristige Finanzziele lösen", macht Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner deutlich. KKR sei ein langfristig orientierter Partner, der Springers Engagement für unabhängigen Journalismus und die Unternehmensbestimmung, zu freien Entscheidungen beizutragen, respektiere und mittrage.

Aufsichtsratschef Ralph Büchi betont, dass Axel Springer durch die geplante Partnerschaft mit KKR eine wichtige journalistische Stimme im In- und Ausland bleibe. Dies werde auch durch das langfristige Engagement von Friede Springer und die Kontinuität im Vorstand sichergestellt.

Friede Springer selbst sagt: "Unsere journalistischen Prinzipien und unsere Unternehmenskultur bleiben die Grundlage, auf die wir bauen und in die wir vertrauen. KKR wäre ein guter Partner, der dies genauso sieht und mit dem Axel Springer die nächsten bedeutenden Schritte vollziehen könnte."

Hintergrund: Axel Springer möchte ein weltweit führender Anbieter von digitalem Journalismus und digitalen Rubrikenangeboten werden. KKR verfügt nach Ansicht von Springer über erhebliche Expertise in den Bereichen Digital und Medien sowie eine beeindruckende Bilanz an erfolgreichen Investitionen in Deutschland und in ganz Europa. KKR war von 2006 bis 2013 an ProSiebenSat.1 beteiligt und stieg mit Gewinn wieder aus. Zusammen mit dem Medienmanager Fred Kogel baut KKR seit Anfang des Jahres zudem rund um Tele München eine unabhängige Fernseh- und Film-Produktions- und Vertriebsfirma in Deutschland auf.

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