Was macht eigentlich Marcus Schwarze?

 

Vor rund zwei Jahren verließ Digital-Chef Marcus Schwarze die "Rhein-Zeitung". Über seinen Abgang wurde viel geschrieben. Seitdem hießen seine Stationen "Heute-Show", "Berliner Morgenpost" und "Storymachine". Warum er auf seine Familie hört und warum er den Westerwald Berlin vorzieht, verriet er "kress pro.

"kress pro": Marcus Schwarze, was machen Sie im Moment?

Marcus Schwarze: Ich bin seit einem halben Jahr selbständig als Journalist und Berater. Ich helfe Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und manchmal auch VIPs bei ihren nächsten Schritten im Digitalen. Zu meinen Kunden zählt u. a. die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, eine Art Landesbehörde, die Kommunen bei Projekten wie der Bundesgartenschau 2029 unterstützt. Oder bei der Einrichtung sogenannter Dorfbüros, das sind Coworking-Spaces im ländlichen Raum. Außerdem habe ich Cordt Schnibbens Reporterfabrik bei Social Media unterstützt und für eine Werbeagentur aus Koblenz ein komplettes Magazin erstellt über Corporate Newsrooms. Das war eine ganz schöne Herausforderung ...

"kress pro": Über Ihren Abgang bei der "Rhein-Zeitung" wurde viel geschrieben. War es wirklich dieser eine Facebook-Post über den geschassten Chefredakteur Christian Lindner, der auch Ihre Demission zur Folge hatte?

Marcus Schwarze: Nein. Ich wollte mich mit dem Eintrag bei Christian Lindner für die Zusammenarbeit bedanken. Nicht mehr und nicht weniger. Leider wurden nach seinem Weggang die beruflichen Möglichkeiten für mich geringer. Daraus musste ich Konsequenzen ziehen.

"kress pro": Zunächst sind Sie als Redaktionsleiter Online zur "Heute-Show" gegangen. Warum haben Sie dieses Engagement nach wenigen Wochen wieder beendet?

Marcus Schwarze: Die "Heute-Show" wird in Köln produziert, sehr nahe bei Koblenz. Ich habe aus Sympathie gegenüber der Sendung relativ schnell zugesagt, ohne zu ahnen, wie Auftragnehmer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks arbeiten. Nun weiß ich es: mit sehr viel Aufwand und Kontrolle.

"kress pro": Auch Ihre nächste Aufgabe als Online-Chef der "Berliner Morgenpost" ging nicht über die Probezeit hinaus ...

Marcus Schwarze: Ich habe die anstrengenden Reisen zwischen Berlin und Koblenz unterschätzt. Egal ob mit Zug oder Flugzeug: Es sind immer fünf bis sechs Stunden. Das geht nicht zweimal pro Woche, das geht auf Dauer nicht. Wir haben in der Familie entschieden, dass wir nicht komplett nach Berlin übersiedeln werden. Unsere beiden Kinder haben bereits einen Umzug mitgemacht, von Hannover nach Koblenz. Damals ging das gut - mittlerweile sind sie im Teenager-Alter, das wollten wir ihnen nicht noch einmal zumuten.

"kress pro": Trotzdem gaben Sie dann noch ein kurzes Gastspiel bei Storymachine, ebenfalls in Berlin.

Marcus Schwarze: Aus reiner Neugierde. Über Twitter habe ich Philipp Jessen gefragt. Ich habe mich dort im Wesentlichen um das Onlinemagazin "Zaster" gekümmert und viel gelernt. Berlin ist schrill, scharf, stinkt, ein brodelnder Durchlauferhitzer. Mit weniger Aufgeregtheit machst du aber auch aus dem Westerwald im Digitalen keine schlechtere Arbeit.

"kress pro": Storymachine hat sich auf die Inszenierung von Marken und Persönlichkeiten in den sozialen Netzwerken spezialisiert. Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Voraussetzung, um dort erfolgreich zu sein?

Marcus Schwarze: Persönlichkeit. Eine Marke kann noch so toll kommunizieren - wenn nicht der Chef oder wenigstens ein Markenbotschafter selbst in den Ring steigen, verschenkt man wertvolles Potenzial. Ein gutes Beispiel ist Siemens-CEO Joe Kaeser. Wenn der mal wieder aus dem hohlen Bauch twittert, gerne auch politisch, wird davon zwar der ganze Siemens-Newsroom aufgeschreckt. Doch am Ende erreicht der Konzern mehr Menschen, als es ein normaler Unternehmens-Account jemals könnte. Oder nehmen Sie Jörg Kachelmann, für mich einer der erfolgreichsten Unternehmer, die im Netz unterwegs sind. Manchmal schießt er übers Ziel hinaus, aber er hat damit großen Erfolg. Ein Jammer, wir hätten ihn schon vor Jahren für die "Rhein-Zeitung" gewinnen können, aber da fehlte der Mut.

kress.de-Tipp! Das Interview mit Marcus Schwarze ist in "kress pro" 4/2019 erschienen. Die Ausgabe können Sie in unserem Shop kaufen.

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