Bewusst rote Journalismus-Linien überschritten: Wie die RTL-Manager Wulf und Pohl mit dem Manipulationsfall umgehen

14.06.2019
 

Ein langjähriger Mitarbeiter des Regionalsenders RTL Nord hat in mehreren Fällen TV-Beiträge für RTL manipuliert. Dies meldet die Mediengruppe RTL in eigener Sache. Wie die RTL-Manager Michael Wulf und Michael Pohl mit dem Fall umgehen.

"Nach entsprechenden Hinweisen einer Kollegin in einem konkreten Fall und einer umgehenden und gründlichen Prüfung des Verdachts konnten dem 39-Jährigen in diesem und in mindestens sechs weiteren Fällen bewusst verfälschende Eingriffe in seinen Beiträgen nachgewiesen werden", heißt es bei RTL.

In persönlichen Gesprächen, sowohl mit RTL-Chefredakteur Michael Wulf als auch mit RTL Nord-Geschäftsführer Michael Pohl, habe der Reporter versucht, die belegbaren Vorwürfe zu relativieren. Da die Beweislage in den geprüften Fällen laut RTL jedoch eindeutig war, sei die sofortige Trennung von dem Mitarbeiter ausgesprochen worden. Der Reporter sei in den vergangenen Jahren überwiegend für das Mittagsjournal "Punkt 12" im Einsatz gewesen.

RTL Nord und RTL prüfen nun alle Beiträge des Reporters aus den vergangenen zwölf Jahren. Die RTL-Chefredaktion klärt parallel, "wie die Anwendung der geltenden, strengen Kontrollmechanismen bei der redaktionellen Abnahme von TV-Beiträgen noch weiter verbessert werden kann".

Einen ersten Hinweis auf Unregelmäßigkeiten hatte die RTL Nord-Geschäftsführung nach eigenen Angaben am 15. Mai erhalten. Eine Mitarbeiterin zeigte demnach an, dass ein Beitrag des Reporters über Codein-Missbrauch nicht mit den Fakten aus dem ebenfalls von ihm gedrehten Rohmaterial übereinstimme.

"Wir vertrauen in die journalistische Aufrichtigkeit unserer Reporter und unsere Kontrollmechanismen bei der Abnahme von Beiträgen sind streng. Sie haben sich in der Vergangenheit bewährt. Dieser Fall zeigt uns jedoch, dass sie nicht völlig fehlerresistent sind",sagt Michael Wulf, RTL-Chefredakteur und Geschäftsführer infoNetwork. Man werde deshalb sehr konsequent daran gehen, den gesamten Prüfungsprozess rund um TV-Beiträge vor der Ausstrahlung noch weiter zu verbessern.

Für Michael Pohl, Programmchef und Geschäftsführer RTL Nord, hat der Reporter ganz bewusst rote Linien des Journalismus überschritten: "Die von uns geprüften Beiträge waren im Gesamtkontext zwar nicht erfunden, aber handwerklich und inhaltlich sehr geschickt dahingehend manipuliert, dass sie aufregender und größer wirken sollten, als es die Realität hergab", so Pohl. In logischer Konsequenz habe man mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit beendet.

Das RTL-Mittagsjournal "Punkt 12" hat in seiner heutigen Ausgabe seine Zuschauer über die aufgedeckte Manipulation von Reporterstücken informiert. Alle Beiträge des Reporters hat RTL sowohl online als auch im internen Newsarchiv gesperrt. 

Hintergrund: Nach RTL-Angaben suggerierte der Reporter zum Beispiel in einem Beitrag, er habe persönlich ein Interview mit dem Sänger Lionel Richie geführt: "Dafür fügte er sich in der Postproduktion durch Gegenschussaufnahmen nachträglich als Fragesteller ein. Tatsächlich stammte die Interviewsequenz aus einer elektronischen Pressemappe (Electronic Press Kit) und zeigte nur den Sänger", heißt es bei RTL. Die betroffenen Szenen liefen in einem "Punkt 12"-Beitrag am 17. April 2015 und bei RTL Nord am 10. September 2015. 

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