Warum Primosch Edelman nach nur einem Jahr verlässt

28.06.2019
 

Abgang nach nur einem Jahr: Ernst Primosch, seit Juli 2018 Deutschland-Chef von Edelman, scheidet bereits Ende dieser Woche bei dem globalen Agenturriesen aus. Der "PR Report" berichtet exklusiv über die Top-Personalie.

Entsprechende Informationen des "PR Reports" über Primoschs sofortigen Abgang bestätigten der Manager und Edelman auf Anfrage. Er wolle sich künftig neuen Projekten widmen, hieß es. 

Primosch gab an, dass die Neustrukturierung von Edelman in Deutschland schneller gelungen sei als gedacht. "So wurde das Management komplett umgebaut und eine Client Centric Organisation eingeführt. Edelman ist wieder am Standort München vertreten, eine Startup-Unit in Berlin wurde gegründet", sagte der 59-Jährige. "Das Unternehmen wächst, ist modern aufgestellt, profitabel und zukunftssicher. Ich erachte meine Mission als abgeschlossen." 

In einem Statement von Edelman hieß es, dass man Primosch für seine Arbeit in den vergangenen zwölf Monaten danke und ihm alles Gute für seine nächste Herausforderung wünsche. Die Suche nach einem Nachfolger laufe. In der Zwischenzeit kümmern sich Europa-Chefin Carol Potter und das Managementteam um das deutsche Geschäft. 

Primosch kam im vergangenen Sommer von Hill+Knowlton als Nachfolger von Susanne Marell, die die Agentur Ende März 2018 Knall auf Fall verlassen hatte. Zeitgleich mit dem Marell-Abgang machte Edelman sein München-Büro dicht. 

Die hohen Erwartungen an die Ende 2015 vollzogene Übernahme von Ergo hatten sich von Anfang an wohl höchstens zum Teil erfüllt. Die Integration war schwierig, die Agentur viel mit sich selbst beschäftigt. Vor einigen Monaten sprach Richard Edelman gegenüber dem Branchendienst "Holmes Report" mit Blick auf den Ergo-Kauf von einem "enttäuschenden" Ergebnis. In Folge der Übernahme verließen zahlreiche bekannte und renommierte Köpfe die Agentur. 

Auch unter Primosch gab es Abgänge, zuletzt wechselte Björn-Christian Hasse zu BCW. Primosch holte aber auch einige Neuzugänge, allen voran Rüdiger Assion, lange Jahre Kommunikationschef der Deutschen Börse. 

Das Pfeffer-Ranking verzeichnete für Edelman im letzten Jahr von Marell ein Minus von 3,1 Prozent auf knapp unter 30 Millionen Euro Honorar-Umsatz. Im vergangenen Jahr wurde aus dem Rückgang ein ganz leichtes Plus: 0,5 Prozent betrug der Zuwachs. Die Mitarbeiterzahl sank von 316 auf 300. Nach Informationen des PR Reports sollen weitere Mitarbeiter die Agentur verlassen. Die Rede ist von mindestens zehn. Edelman wollte die Zahl nicht kommentieren.

Mit Primoschs Abgang bei Edelman bleibt das Personalkarussell bei den internationalen Agentur-Riesen in Schwung: 

- Im April hat Christiane Schulz Weber Shandwick verlassen.

- Im vergangenen Jahr hat WPP seine beiden PR-Töchter Burson-Marsteller und Cohn & Wolfe (C&W) fusioniert, an der BCW-Spitze steht seitdem der bisherige C&W-Frontmann Wolfgang Lünenbürger.

- Bei Ketchum Pleon ersetzte vor mehr als einem Jahr Sabine Hückmann ihre Vorgängerin Victoria Wagner. 

Gerüchten zufolge soll Primosch, ein gebürtiger Österreicher, im Rahmen der österreichischen Nationalratswahlen im Herbst als Berater tätig werden. Dazu sagte er, dass alle Demokraten heute aufgefordert seien, sich politisch besonders zu engagieren. 

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