Warum ein Interview mit Facebook ein Erlebnis ist

 

"kress pro"-Chefredakteur Markus Wiegand hat in den vergangenen Jahren mehr als 100 Interviews in der Medienbranche geführt. Für die Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe sprach er mit Jesper Doub, der bei Facebook für die Partnerschaften mit Publishern verantwortlich ist. Was Wiegand mit Facebook erlebte, ist für ihn einmalig.

Die Ausgangslage:

Wir haben dreieinhalb Jahre gewartet, um ein Wortlaut-Interview mit Facebook zu bekommen. Inklusive Hallo und Tschüss dauerte das Gespräch in Hamburg mit Jesper Doub, der seit Oktober für die Partnerschaften mit Publishern (in Europa, Naher Osten und Afrika) verantwortlich ist, ziemlich genau 40 Minuten. Wir sagten zu Beginn, dass für einen freundlichen Wimpeltausch leider keine Zeit sei und wir jetzt die kritischen Fragen der Branche stellen möchten, die sich so angesammelt haben.

Die Botschaften von Facebook:

- Nr. 1: "Facebook hat sich deutlich gewandelt."

- Nr. 2: "Facebook kann noch mehr tun."

- Nr. 3: "Facebook will journalistische Inhalte und damit Qualität auf der Plattform."

Welche Fragen offenblieben:

- Welche größeren Verlagshäuser nennenswerte Umsätze mit Facebook erzielen: "Das kann ich Ihnen natürlich nicht sagen. Da müssen Sie die Partner schon selber fragen."

- Ob es Zeitungsverlage oder Fachverlage in Deutschland gibt, die (wie kurz zuvor behauptet) 30 Prozent ihrer Erlöse über Facebook erzielen: "Das kann ich Ihnen so aus dem Kopf weder bestätigen noch widerlegen."

- Wie viel Prozent des Umsatzes an Facebook hängen, wenn man es richtig macht: "Das kann ich für die spezifischen Partner nicht in Prozenten ausdrücken."

- Wer genau in Deutschland erfolgreich Abos über Facebook verkauft: "Es gibt in Deutschland zahlreiche Partner."

- Wie viele Menschen im Team von Jesper Doub arbeiten: "Der Grund, warum Sie bei Facebook schwer sagen können, wie viele Menschen in einem Team arbeiten, liegt an der Organisationsstruktur."

Der Moment der Wahrheit:

Es gibt in dieser abgezockten Branche in Interviews manchmal ganz seltene Momente der Wahrhaftigkeit. Im Gespräch mit Jesper Doub ereignete sich dieser Moment nach 20 Minuten. Etliche Quellen aus kleineren Häusern hatten während der Recherche für das Interview moniert, dass es sehr schwer sei, jemanden bei Facebook zu erreichen, wenn man Fragen habe. Und da wir uns ja als Anwalt der Zielgruppe verstehen, nahmen wir das Anliegen ins Interview auf und sagten: "Ganz praktisch: Wen kann ich bei Ihnen anrufen?" Das Gespräch entwickelte sich anschließend skurril: Denn Doub wollte trotz mehrmaligem Nachhaken partout keine Namen nennen. Das Ganze wirkte in der verschriftlichten Fassung reichlich merkwürdig. Daher schob Facebook bei der Autorisierung, in der es vorbildlicherweise sonst kaum Änderungen gab, einige Namen nach. Dank der Lektüre dieses Magazins (ab S. 14) haben Sie also jetzt den Namen eines lebenden Menschen, den Sie ansprechen können, wenn Sie ein Problem mit Facebook haben. Vielleicht wird daraus ja der Beginn einer wundervollen Freundschaft.

Das Fazit:

Ich habe in den vergangenen Jahren mehr als 100 Interviews in der Medienbranche geführt. Dabei ist die Wahrheitsliebe nicht immer sehr ausgeprägt. Das Klischee stimmt schon: Man haut halt in eigener Sache gerne auf die Sahne.

Ich kann mich aber an kein Interview erinnern, in dem ein Gesprächspartner auch einfachsten Fragen (Teamgröße, Ansprechpartner) derart konsequent ausgewichen ist und so wenige Belege für Behauptungen präsentierte. Ich weiß nicht, ob das Ganze Strategie oder Unvermögen ist. Beides aber ist unangemessen für einen Weltkonzern, dessen Geschäftsmodell darin besteht, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

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"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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