Agenturchefin Fränzi Kühne: Warum es wegen ihrer Schwangerschaft ein Drama gab

08.07.2019
 

Fränzi Kühne hat eine der erfolgreichsten Agenturen der letzten Jahre mit aufgebaut: Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr. Als Deutschlands jüngste Aufsichtsrätin avancierte sie zum Vorbild. Warum es bei TLGG ein großes Drama gab, als sie schwanger wurde. Ein Interview des "PR Report".

"PR Report": Frau Kühne, mehrere Mitglieder unserer Nachwuchsinitiative #30u30 haben Sie als Vorbild genannt. Ein Magazin hat Sie als "Ikone für junge Frauen, die Karriere machen wollen" bezeichnet. Ist das Last oder Lust für Sie?

Fränzi Kühne
: Totale Lust, deshalb mache ich es ja. Ich will unbedingt ein Vorbild für junge Frauen sein. Ich will zeigen, dass sie sich nicht verbiegen oder verstellen müssen, wenn sie etwas erreichen wollen. Das war auch ein Grund, warum ich die Aufsichtsrats-Position bei Freenet angenommen habe. Formal betrachtet habe ich ja nur Abitur und irgendwann mal aus einer Idee heraus eine Firma gegründet. Es macht keinen Sinn, Aufsichtsräte und Vorstände ausschließlich  nach Seniorität, Konzernerfahrung und Kontakten auszuwählen. Auch Faktoren wie Geschlecht, Alter oder Kultur müssen zählen. Nur so können wir progressive Veränderungen in Unternehmen gewährleisten.

"PR Report"
: Fehlen weibliche Vorbilder?

Kühne: Das ist schwierig für mich zu beantworten, weil ich selbst nicht Vorbild-orientiert bin. Ich gucke nicht auf andere Menschen, um mich inspirieren zu lassen. Viele junge Frauen schreiben mir, wie inspirierend sie meine Geschichte finden. Das freut mich. Solange wir in einer Welt leben, in der junge Frauen weibliche Vorbilder brauchen, um sich Dinge zuzutrauen, bin ich das gern. Hoffentlich muss ich es irgendwann nicht mehr sein.
 
"PR Report": Suchen junge Frauen aktiv Ihren Rat?

Kühne: Ja. Ich helfe auch in Mentoren-Programmen und coache ein paar Mädels, die an bestimmten Punkten ihrer Laufbahn stehen und wissen wollen, wie sie weiterkommen. Karriereberater oder Leitfäden halte ich persönlich für Schwachsinn. Formale Abschlüsse zählen in der heutigen Zeit nicht mehr. Man braucht praktische Erfahrung, ein positives, authentisches Auftreten und eine gewisse Leichtigkeit.

"PR Report": Es gibt diverse Frauen-Netzwerke. Sind Sie auch in einem Mitglied?

Kühne: Ich bin da zwiegespalten. "Edition F" finde ich am interessantesten, weil die Veranstaltungen und Treffen echten Austausch fördern. Deshalb bin ich dort auch finanziell beteiligt. Einfach in irgendwelchen Frauen-Zirkeln zu sein, um sich unter Frauen über frauen-spezifische Themen auszutauschen, ergibt für mich keinen Sinn. Mein Ziel ist es, für mehr Geschlechterdiversität in der Wirtschaft zu sorgen. Das funktioniert nicht, wenn man sich nur mit Frauen austauscht. Das ändert gar nichts.
 
"PR Report": Was muss sich in deutschen Unternehmen verändern?

Kühne: Wir reden immer von der Vorstandsebene, auf der es nach wie vor mehr Männer namens "Michael" und "Thomas" gibt als Frauen insgesamt. Aber das eigentliche Problem ist das mittlere Management. Dort müssen wir an der Kultur arbeiten, damit genug Frauen als potenzielle Kandidaten für die Vorstandsebene nachwachsen. Bei der Arbeit im Aufsichtsrat denke ich oft an meine Tochter: Ich will nicht, dass sie später die gleichen Probleme in Unternehmen hat, mit denen junge Frauen heute kämpfen müssen. 

"PR Report": Sind Sie für die Quote?

Kühne: Ja, auch wenn sie nur eine Krücke ist, ohne die sich leider nichts ändern wird. Aber dadurch heißt es eben oft, eine Frau habe es nur wegen der Quote geschafft, nicht wegen ihrer Leistung. 

"PR Report": Bekommen Sie das auch selbst zu hören?

Kühne: Ja, manchmal. Das ist einfach unangebracht. 

"PR Report": Was muss sich bei den Frauen verändern?

Kühne: Gar nicht so viel. Man muss sich selbst kennen und selbstbewusst handeln.

"PR Report"
: Wie fördert Ihre Agentur Frauen?

Kühne: Bei uns müssen Frauen nicht aktiv gefördert werden. Das Geschlechterverhältnis war von Anfang an ausgeglichen. Und so ist es noch immer. 

"PR Report": Aber als Sie Ihren beiden Partnern gesagt haben, dass Sie ein Kind bekommen, war deren Reaktion schwierig, oder?

Kühne: "Willst Du uns ruinieren?", war die Reaktion. Großes Drama! Sie hielten das damals für unvorstellbar, dass ich als Führungskraft und Gründerin ersetzbar sei. Es braucht offensichtlich eine Frau in der Führung, die beweist, dass ein Kind kein Problem ist. Selbst bei meinen sehr fortschrittlich denkenden Partnern.

"PR Report": Und wie haben Sie dann den Ruin von TLGG verhindert?

Kühne: Diese Angst vor dem Ruin war unbegründet, das konnte ich zum Glück beweisen. Zudem hatte ich neun Monate Zeit, um mich darum zu kümmern und meine Aufgaben zu verteilen. Nach zwei Wochen war ich ab und zu wieder im Büro, nach drei Monaten in Vollzeit. Deshalb war das nicht so spürbar und die beiden haben gesehen, dass es geht. Damit habe ich auch intern eine Vorbildfunktion, weil Mitarbeiter sehen, dass es funktioniert und man auch nicht ein ganzes Jahr Elternzeit nehmen muss, wenn man das nicht will.
 
"PR Report": In Ihrem Umfeld hieß es, Sie seien eine Rabenmutter, weil Sie so schnell wieder im Job waren.

Kühne: Genau, das war die andere Seite.

"PR Report": Das Problem sind also nicht nur die "alten, weißen Männer", wie es mitunter heißt.

Kühne: Nein, es sind die ganzen Vorurteile. Die werden nicht abgebaut, solange wir blaue und rosa Überraschungseier im Supermarkt kaufen können.

Warum Anzugträger sich bei Fränzi Kühne entschuldigen müssen, wieso sie sich bei einem früheren FBI-Experten Tipps holt und wie sich TLGG von der einstigen Social-Media-Bude zur Consulting-Firma wandelt.

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Der PR Report erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Daniel Neuen.

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