Wie die Neue Westfälische Kunden der gedruckten Zeitung zurückgewinnt

09.07.2019
 

Mit einem Hybrid aus Lokalnachrichten und sozialem Netzwerk lockt die "Neue Westfälische" ehemalige Kunden der gedruckten Zeitung. Zum Case von "kress pro".

Nur wenige Hundert Meter sind es vom ehemaligen Büro der offline gegangenen Newsplattform altona.info zum Standort der Lokalportal GmbH in HamburgOttensen. Während aber der altona.info-Gründer Christoph Zeuch 2015 die Segel streichen musste, suchen die Geschäftsführer von Lokalportal nach zusätzlichem Personal. Und während altona.info ein hyperlokales Tageszeitungsangebot war, ist Lokalportal ein Zwitter aus Online-Lokalzeitung und sozialem Netzwerk. Finanziell funktioniere weder das eine noch das andere Modell für sich allein, ist sich Lokalportal-Mitgründer Sebastian Penthin sicher. "Wir dagegen vereinen das Beste aus beiden Welten."

Das Konzept der Macher

Die Idee, die Modelle zu integrieren, entstand in der 700-Seelen-Gemeinde Wisch. Die nahe Kiel gelegene Ortschaft, in der Penthin aufgewachsen ist, startete 2013 ein durch den europäischen Landwirtschaftsfonds gefördertes Projekt unter dem Titel "Wisch aktiv erleben 2030". Es ging darum, ein Leitbild für die Entwicklung einer attraktiven, lebenswerten Gemeinde zu erstellen. Rund um die Frage, wie das Leben dort im Jahr 2030 aussehen solle, war auch die Vernetzung innerhalb der Gemeinde im Alltag ein Thema. Penthin (32) und sein Mitstreiter Justin J. Hallauer (31), damals beide noch Studenten, bewarben sich um dieses Teilprojekt. Sie gründeten dafür im Jahr 2014 eigens die Lokalportal GmbH und entwickelten ein digitales Nachbarschaftsnetzwerk. "Den ersten Prototypen hatten wir Ende 2014 fertig", berichtet Penthin. "Wir haben es geschafft, in der Region in und um Wisch mit ihren rund 20.000 Einwohnern innerhalb von vier Wochen 500 Leute zum Mitmachen in dem Netzwerk zu bewegen, und zwar ohne Marketingaktionen."

Jenseits dieser verhältnismäßig guten Akzeptanz des Angebots kamen die Entwickler jedoch zu der Erkenntnis, dass ihrer Plattform etwas Grundlegendes fehlte. Zwar findet Penthin zufolge eine Modernisierung der Nachbarschaftshilfe durch ein soziales Netzwerk durchaus Anklang, wenn es zum Beispiel darum geht, Unterstützung bei der Gartenarbeit oder eine Fahrgelegenheit ins Nachbardorf zu finden. Die Menschen könnten dadurch aber nicht ihr Informationsdefizit in Bezug auf das alltägliche Leben vor Ort beseitigen. "Wir stellten fest, dass Information als Grundbedürfnis der Menschen zentraler Ansatzpunkt ist, um den herum sich eine Community bildet", sagt Penthin. "Deshalb haben wir unser Konzept verändert und uns als Ziel gesetzt, den Menschen einen direkten Zugang zum lokalen Leben zu ermöglichen."

Mit ihrer Plattform hatten Penthin und Hallauer eine technische Grundlage für das Konzept entwickelt, doch für deren Weiterentwicklung und Erweiterung um Informationen aus einer Region brauchten sie Unterstützung. Nach Gesprächen mit verschiedenen Verlagen und Verlagsgruppen entschieden sie sich für eine Zusammenarbeit mit dem Zeitungsverlag Neue Westfälische. Der Verlag ist eine Tochter der Deutschen Druck und Verlagsgesellschaft (DDVG), die seit 2016 über ihre Hamburger Venture-Capital-Tochter 2 Welten Investment (2 Welten = analog-digital/lokal-national) mit 50,1 Prozent an Lokalportal beteiligt ist. Die Entwicklungskosten für die Plattform sollen im mittleren einstelligen Millionenbereich liegen.

Die praktische Zusammenarbeit mit der "Neuen Westfälischen" begann vor drei Jahren im westlich von Gütersloh gelegenen Verl.

Wie die Kooperation mit dem Neue Westfälische-Verlag aussieht, wie Print und Online verzahnt werden, welche Zwei-Plattform-Strategie die Neue Westfälische verfolgt.

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