So nutzen Sie die letzten Monate im alten Job

 

Wer seinen Job gekündigt hat oder gehen muss, hat je nach Kündigungsfrist noch immer drei bis sechs Monate im bisherigen Unternehmen. Arbeiten Sie in dieser Phase nicht mehr einfach wie bisher weiter, sondern beginnen Sie, praktisch und emotional abzuschliessen, sagt Mediencoach Attila Albert.

In jeder beruflichen Biografie gibt es diese Phasen: Der bisherige Job ist (oder wurde) gekündigt. Wegen Ihrer Kündigungsfrist bleiben Ihnen aber noch drei bis sechs Monate im Unternehmen. In solch einer Situation sollten Sie nicht mehr normal weiterarbeiten, sondern die Zeit nutzen, um sich auf Ihre nächste Station vorzubereiten. Gemeint ist dabei nicht, nebenbei bereits für den nächsten Arbeitgeber zu arbeiten, obwohl das oft gewünscht ist - reduzieren Sie solche Wünsche möglichst auf abgesprochene Zeitfenster (z. B. zwei Stunden pro Woche für einen Call und etwas Konzeptarbeit). Sondern: Beenden Sie Ihre aktuelle Tätigkeit phasenweise - praktisch und emotional. Dazu einige Empfehlungen.

Stellen Sie zuerst fest, wie viel Resturlaub und Zeitguthaben (freie Tage) Sie noch haben und wann damit Ihr letzter Arbeitstag sein wird. Planen Sie einen Ausstand, verkünden Sie ihn frühzeitig, insbesondere, wenn Sie auch Kollegen aus anderen Abteilungen dazu einladen wollen, und bestellen Sie die Verpflegung. Dann sollten Sie langsam herunter schalten. Mehr Pausen, weniger Überstunden. Sie wollen Ihre nächsten Job oder die kommende Bewerbungsphase ja nicht völlig erschöpft beginnen, sondern ausgeruht und motiviert.

Schließen Sie Ihre Aufgaben und Abrechnungen ab

Beginnen Sie, bestehende Aufgaben abzuschließen und neue Anfragen, die Sie sowieso nicht mehr fertigstellen könnten, zunehmend an die Kollegen abzugeben. Nutzen Sie die Zeit, die dadurch frei wird, um eine geordnete Übergabe vorzubereiten. Je nach Aufgabe kann dazu gehören, dass Sie Ihre Arbeitsabläufe dokumentieren, Unterlagen und Dateien ordnen und für andere nachvollziehbar ablegen, letzte Rechnungen stellen oder freigeben.

Achten Sie bei der Durchsicht Ihrer Unterlagen darauf, ob Sie noch Belege finden, die Sie als Spesen abrechnen sollten. Gerade wer wegen Überlastung wechselt, hat vielfach noch mehrere Dienstreisen, Kilometer- oder Telefonabrechnungen offen. Nehmen Sie sich jetzt die Zeit, alles einzureichen. Dadurch sind Sie für Nachfragen noch leicht erreichbar, und in vielen Fällen kommen Beträge zusammen, die Sie gut gebrauchen können.

Sichern und löschen Sie Ihre private Daten

Ihr Rechner wird nach Ihrem Ausscheiden zwar sowieso gelöscht. Trotzdem sollten Sie vorher Dateien und Browser-Lesezeichen löschen, die nicht auf den Rechner gehören, ebenso den Suchverlauf im Browser. Private Daten speichern Sie auf einem USB-Stick, in Ihrem privaten Cloud-Konto (z. B. Google Drive), oder Sie mailen sie sich. Nicht vergessen: Kontakte und pdf-Varianten Ihrer Artikel sichern, so lange Sie das noch können. Falls Sie Ihr Diensthandy übernehmen wollen, kann Ihnen das HR oft ein gutes Angebot machen.

Nutzen Sie, so lange Sie Ihren Job noch haben, die Chance, um Kontakte zu knüpfen oder aufzufrischen - insbesondere, wenn Sie sie im neuen Job benötigen werden oder Sie noch gar keinen neuen haben. Schreiben Sie E-Mails, verabreden Sie sich zum Kaffee oder Mittagessen, gehen Sie noch einmal verstärkt auf interne und externe Veranstaltungen. Sie können das in dieser Phase ganz entspannt tun und geniessen - es ist Ihre Ehrenrunde.

Vermelden Sie Ihren Wechsel, wenn es Ihnen nützt

Wenn Sie in einer breiteren Öffentlichkeit stehen, besprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber und eventuell einem externen Ratgeber, ob, wie und wann Sie das öffentlich mitteilen wollen. Einerseits wollen Sie natürlich nicht Ihren Arbeitgeber verärgern, wenn Sie beispielsweise zur direkten Konkurrenz gehen. Andererseits ist ein Wechsel die seltene Gelegenheit, einmal in einem Branchendienst erwähnt zu werden und damit eine gute Werbung für Sie.

Wenn Sie nicht freiwillig gehen, ist die Versuchung groß, in einer Abschiedsmail sich selbst und die Umstände noch einmal erklären zu wollen, um bei den (oft wenig informierten) Kollegen keine schlechten Erinnerung zu hinterlassen. Widerstehen Sie der Versuchung, blicken Sie nach vorn. Eine kurze versöhnliche Nachricht mit Dank an die Kollegen und das Unternehmen sowie Ihre Kontaktdaten reicht - alles andere gehört ins persönliche Gespräch.

Manche Unternehmen setzen noch einmal ein Austrittsgespräch mit dem Vorgesetzten und dem HR an. Allzu große Ehrlichkeit wird hier nicht honoriert. Da Sie von den Beteiligten noch eine Beurteilung, später eventuell Referenzen brauchen oder sie gar woanders einmal wiedersehen: Verzichten Sie auf eine Generalabrechnung, auch wenn Sie vielleicht allen Grund dazu hätten. Bedanken Sie sich und belassen Sie es höchstens bei ein, zwei dezenten Empfehlungen, was man zukünftig vielleicht "noch besser" machen könnte.

Für Führungskräfte gelten all diese Punkte ebenso, nur haben sie oft kaum Zeit dazu, sie noch im bestehenden Arbeitsverhältnis umzusetzen. Insbesondere bei einer Entlassung oder Trennung wegen "unterschiedlicher Auffassungen" ist es üblich, dass der Arbeitgeber darum bittet, das Büro innerhalb einer Stunde zu verlassen. Das E-Mail-Konto und der dienstliche Laptop sind in diesen Fällen oft maximal noch eine Woche zugänglich. Handeln Sie hier also schnell oder, besser noch, seien Sie auf das Unerwartete vorbereitet.

 

Zum Autor: Attila Albert (46) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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Ihre Kommentare
Kopf

Wilfried Platten

12.07.2019
!

Sorry, aber das ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Selbstverständlichkeiten, um nicht zu sagen Plattitüden. Wer braucht solche "Tipps"?


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