Warum es unwahrscheinlich ist, dass Jan Hofer mit Hoodie und Sneakers die Tagesschau moderiert

16.07.2019
 

Marcus Bornheim, bald Erster Chefredakteur der Tagesschau, erklärt in einem Interview, warum die Nachrichtensendung heute mehr Wert auf das Erklären legen muss und warum man die Tagesschau nicht künstlich jünger machen kann.

"Es sind einerseits die extrem hohen journalistischen Ansprüche, und andererseits ist es die Tradition der Informationsquelle Nummer eins in Deutschland, die die Tagesschau so besonders machen. Die Zuschauer und Zuschauerinnen wissen, was sie bekommen und damit haben wir im linearen Fernsehen mit rund 10 Millionen ZuschauerInnen pro Abend Erfolg", sagt Marcus Bornheim im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Bornheim (45) steuert vom 1. Oktober an die Redaktion ARD-aktuell als Erster Chefredakteur, damit ist er für die Nachrichtensendungen Tagesschau und Tagesthemen verantwortlich (kress.de berichtete). Derzeit ist Bornheim, der vom BR kommt, Zweiter Chefredakteur ARD-aktuell und damit Stellvertreter des Ersten Chefredakteurs Kai Gniffke, der als Intendant zum SWR wechselt.

Die seit 1952 bestehende Tagesschau habe sich sehr verändert, sagt Bornheim im Interview mit dem RND. Allein im Vergleich zu vor 15 Jahren seien die Beiträge heute lebensnäher. Bei sozialen Themen werde beispielsweise gern personalisiert an einem Beispiel einer Person oder einer Familie in den Beitrag gegangen, und dann auf die politische Ebene gewechselt. Und seit letztem Jahr lege man noch größeren Wert auf das Erklären. "Wir haben eine eigene Erklärunit gegründet, die crossmedial Erklärstücke zu komplexen Themen erstellt", betont Bornheim.

Obwohl der durchschnittliche Tagesschau-Zuschauer über 60 Jahre alt ist, erreicht die Nachrichtensendung auch beim jungen Publikum die meisten Gucker. "Unser Anspruch ist es, dass die jungen Menschen unsere Inhalte wahrnehmen. Gerne um 20 Uhr im Fernsehen, aber eben auch in der Mediathek, auf YouTube oder auf Instagram" so Bornheim. Auf Instagram sei man die derzeit erfolgreichste Nachrichtenmarke.

Künstlich jünger machen könne man die Tagesschau nicht, auch nicht mit Berichten über Miley Cyrus oder Justin Bieber oder wenn Jan Hofer mit Hoodie und Sneakers moderiere. Das lineare TV werde einfach eher durch ältere Menschen genutzt.

In dem Gespräch mit dem RND sagt Bornheim auch, dass er im Fall Rebecca die Entscheidung getroffen habe, nicht darüber zu berichten. Der Fall sei tragisch, aber er sei auch einer von vielen solcher Fälle. "Da sind wir ein Stück weit konservativ, aber dadurch haben wir auch eine große Glaubwürdigkeit."

 

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Ihre Kommentare
Kopf
Manfred Effertz

Manfred Effertz

Freier Journalist

16.07.2019
!

Wer entscheidet z.B. im Falle Rebecca, ob gesendet wird oder nicht? Gibt es eine Mehrheit bei den Redakteuren, oder wird dem Vorschlag des Chefs gefolgt (mehr oder weniger)? Wie sieht es in einem politischen/parteipolitischenlichen Fall aus? Wo ist die Grenze zur Manipulation?


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