Was die WAZ in ihrem Zukunftslabor herausfand

16.07.2019
 

Die "WAZ" hat den Lokalteil in Bochum für zwei Jahre in ein Zukunftslabor verwandelt, um herauszufinden, wie die Zeitung besser werden kann. Wie sind die Führungskräfte vorgegangen und was haben sie gelernt? Zum "kress pro"-Case.

Kostenkappung und Digitalausbau. So lässt sich in sparsamen Worten das im Februar verkündete Zukunftsprogramm "Funke 2022" beschreiben. Verlässlicher Regional- und Lokaljournalismus werde mehr denn je gebraucht. Seine Zukunft jedoch, befand Ove Saffe, der fürs Zeitungsgeschäft verantwortliche Geschäftsführer der Funke Mediengruppe, "ist extrem gefährdet". Deshalb müsse man den Schalter umlegen und "ein Umfeld schaffen, in dem unabhängiger und professioneller Regional- und Lokaljournalismus gedeihen kann". Die "WAZ" beschäftigt sich damit schon länger und ganz konkret. 2016 wurde ein Kreativteam aus jüngeren Redaktionsmitgliedern eingerichtet sowie eine Projektgruppe Lokalsport, um den journalistischen Instrumentenkasten zu erweitern. Die ambitionierteste Initiative startete im Sommer 2017: das Projekt Bochum (ProBO). Für rund zwei Jahre bildete der Bochumer Lokalteil der "WAZ" ein Zukunftslabor, um den Lokaljournalismus von morgen zu entwickeln. "kress pro" beschreibt das Konzept und die Maßnahmen, Erfahrungen und Ergebnisse.

1. Ziele festlegen

Quer- und neu denken, Experimente wagen - das ist nicht nur gewünscht, sondern Kern des journalistischen Pilotprojekts. Zentrale Fragen: Was wünschen sich Leser? Wie kann man Menschen für die Zeitung begeistern? Probo - lateinisch für "ich prüfe" - ist ein großes Tun und Testen. Das Team steht über alle möglichen Kanäle im ständigen Austausch mit dem Publikum, um Resonanz und Reaktionen einzufangen. Teil des Plans: Was die Bochumer Lokalredaktion, die zweitgrößte im "WAZ"-Land, lernt und welche Erkenntnisse sie gewinnt, davon sollen am Ende auch alle anderen Funke-Zeitungen profitieren.

2. Vorbereitungen treffen

ProBO lässt sich nicht nebenher im Redaktionsalltag bewältigen. Also werden für die Projektdauer zwei junge Redakteure eingestellt. Prinzipiell ist alles erlaubt, die Redaktion soll kreativ sein, Neues ausprobieren: in der Befragung und Mitwirkung von Lesern, in der Themenfindung und -aufbereitung, in journalistischen Formaten, in der Abstimmung mit dem Vertrieb. Ganz wichtig dabei: "Wir haben von Beginn an darauf geachtet, eine Versuchs- und Fehlerkultur zu schaffen, die es zulässt, zu machen, zu verwerfen und neu zu probieren", sagt Projektkoordinator Philipp Wahl.

3. Aufmerksamkeit wecken

Am 1. Juli 2017 wird das Projekt Bochum in der Zeitung vorgestellt - auf Seite 1 als Aufmacher und mit großem Projekt-Logo. Chefredakteur Andreas Tyrock spricht die Leserschaft direkt an ("Liebe Leserin, lieber Leser") und umreißt das Konzept. Auf Seite 3 wird das Thema vertieft. Unter dem Titel "Projekt Bochum - eine Offensive für unsere Leser" beschreiben Philipp Wahl und Lokalchef Thomas Schmitt, worum es geht und was während der Projektzeit geplant ist, wann und warum das Logo künftig öfter auftauchen wird, dass und welche neuen Formate geplant sind, wie die Macher mit den Lesern ins Gespräch kommen wollen.

4. Leser befragen

Die Leser werden also sofort mit einbezogen. Die Redaktion entwickelt einen Fragebogen, um herauszufinden, was und wie häufig gelesen wird, wie beliebt verschiedene Themen und Rubriken sind, welche weiteren Interessen es gibt. Eine Woche nach dem ProBO-Auftakt wird der Bogen mit acht Fragen erstmals auf einer ganzen Zeitungsseite abgedruckt, kleines Gewinnspiel inklusive. Der Fragebogen kann auch online ausgefüllt werden, wie ein Hinweis mit Webadresse verrät. Im Internet wird der Fragebogen nicht beworben oder verlinkt, um waz.de-Nutzer und Facebook-Fans von @WAZBochum außen vor zu lassen. Im Fokus der Erhebung steht, wie die Print-Abonnenten ihre Zeitung bewerten. Frankierte Rückumschläge liegen der Zeitung nicht bei, dennoch ist die Beteiligung erfreulich hoch: 1.157 Leser antworten bei einer Abonnentenzahl von gut 31.000.

5. Transparenz schaffen, 6. Kritik veröffentlichen, 7. Leserwünsche umsetzen, 8. Neue Formate einführen, 9. Themen datenbasiert steuern, 10. Fazit: Der Auflagen-Effekt

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"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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