Warum Anja Delastik ihr Alter verschweigt

 

Anja Delastik war bis Ende 2018 Chefredakteurin bei Cosmopolitan und Maxi. Warum sie bei Bauer gegangen ist, was sie jetzt macht und was sie über Altersangaben bei Frauen denkt. Zum kress pro-Interview.

kress pro: Anja Delastik, was machen Sie im Moment?

Anja Delastik: Ich habe mich selbstständig gemacht und arbeite als Journalistin und Beraterin, schreibe unter anderem für "Donna", "Cosmopolitan" und "Metal Hammer" und entwickle Corporate Content. Nebenbei gründe ich mein eigenes Onlinemagazin - das ist mehr Arbeit, als ich gedacht hatte. Und ich kuratiere eine Ausstellung für eine Münchner Galerie für zeitgenössische Kunst.

kress pro: Was für ein Onlinemagazin ist das?

Anja Delastik: Es heißt "As long as it's black", eine Plattform für Menschen, die sich für die dunkleren Facetten von Kunst, Mode, Musik, aber auch Psychologie und Philosophie interessieren - mit vielen Interviews.

kress pro: Warum sind Sie bei "Cosmopolitan" gegangen?

Anja Delastik: Es klingt vielleicht schräg, aber ich wollte selbst entscheiden, für was ich in Zukunft meine Zeit und Energie aufwende. Das ging mit der inhaltlichen Verantwortung für zwei Hefte und der Personalverantwortung für zwei Teams einfach nicht, auch wenn mir die Nebentätigkeiten sicherlich formal gestattet gewesen wären.

kress pro: Die verkaufte Auflage von "Cosmopolitan" ist unter Ihrer Führung um rund 25 Prozent gesunken. Bei "Maxi" sieht es nicht besser aus. Wer braucht heute noch Frauenzeitschriften?

Anja Delastik: Was mich stört, ist das biblische Denken in Altersgruppen. Ich habe Kolleginnen, die sind so alt wie ich, haben den gleichen Beruf und ähnliche Lebensumstände, verdienen ähnlich viel - und doch sind wir komplett unterschiedlich, lesen komplett unterschiedliche Zeitschriften und interessieren uns für komplett unterschiedliche Dinge. Ich glaube, die Herausforderung wird in Zukunft sein, weniger in Altersgruppen zu denken, sondern mehr in Interessen, Bedürfnissen und Lebenswelten.

kress pro: Sie bezeichnen sich auf Ihrer Website als "Trendschnüfflerin". Geben Sie uns eine Kostprobe!

Anja Delastik: (lacht) Die Nische hat Zukunft, der Mainstream wird immer schwieriger zu bedienen, weil er immer mehr zerfällt. Ich meine das mit der "Trendschnüfflerin" aber vor allem in Bezug auf Lifestyle-Themen  - wenn ich zum Beispiel darüber nachdenke, was der nächste Gegentrend sein könnte. Gerade ist zum Beispiel die Farbe Beige angesagt. Da ist es nur logisch, dass als Nächstes Braun kommen muss, oder? Naturfarben, Nachhaltigkeit, Wärme, alles so ein bisschen 70er-Jahre, alles etwas heimeliger, nostalgischer, handgemachter. Ich spüre in meinem Umfeld, dass viele Menschen gerade keine Lust auf diese schnell vergänglichen und reproduzierbaren Designertrends haben und auch eine gewisse Konsum-Unlust herrscht. Man lässt sich lieber auf Flohmärkten, in Antikläden, Vintage Stores oder auch vom Kunsthandwerk inspirieren. Kreativität und Individualität sind wieder gefragt.

kress pro: Was heißt das für Modemagazine?

Anja Delastik: Sie schauen nicht genug, was um sie herum passiert. Modemagazine blicken nur auf die Laufstege. Im Prinzip schafft sich Mode langsam selbst ab, weil sie nur noch wiederkaut und Trends immer kurzlebiger werden. Auch die Leser von Modemagazinen wollen nicht mehr hören: "Du musst heute das machen und morgen das." Es langweilt sie, sie suchen Nachhaltigkeit. Im Endeffekt kommt es heute nur noch darauf an, wie man etwas trägt, nicht, was man trägt. Es geht mehr darum, einen eigenen Stil zu entwickeln. In diesem Rahmen ist alles erlaubt, und das wird sich auch nicht mehr ändern.

kress pro: Bei dieser Rubrik geben wir normalerweise das Alter der Interviewpartner an. Sie haben uns gebeten, Ihr Alter wegzulassen. Warum?

Anja Delastik: Witzigerweise habe ich über das Thema neulich erst eine Kolumne geschrieben. Ich finde, Altersangaben beinhalten immer ein Urteil, vor allem bei Frauen.

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Das Interview mit Anja Delastik ist in "kress pro" 5/2019 erschienen. Sie können die Ausgabe in unserem Shop kaufen.

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