Wie hart Ex-Kurier-Herausgeber Helmut Brandstätter mit der österreichischen Presse ins Gericht geht

 

"Wir überwachen alles, wir merken alles": Helmut Brandstätter, eben noch Herausgeber der österreichischen Tageszeit "Kurier", kritisiert in seinem neuen Buch "Kurz & Kickl - Im Spiel mit Macht und Angst" die politischen Einschüchterungsversuche auf Journalisten in der Alpenrepublik.

Das sogenannte Ibiza-Video hatte die Regierungskoalition aus ÖVP mit dem Bundeskanzler Sebastian Kurz und der FPÖ, darunter auch den stark umstrittenen ehemaligen FPÖ-Innenminister Herbert Kickl, unlängst zu Fall gebracht.

Der ehemalige "Kurier"-Herausgeber, der bei dem Blatt auch lange Chefredakteur war, hatte seine Heimat Österreich und die dortige Medienlandschaft schon fast in der Nähe einer staatlich gelenkten Presse gesehen. "Das wäre ein ungarischer Weg gewesen", sagt Brandstätter nun in einem Interview mit Oliver Das Gupta. "Wir müssen uns hier in Wien nur zwei Studnen in den Zug setzen Richtung Budapest, um zu sehen, was möglich ist."

In dem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) skizziert Helmut Brandstätter auch eigene Erfahrungen aus dem angespannten Zeitungsalltag nach. "Es stimmt, schon früh hat die Politik-Seite versucht, Einfluss auf die Medien zu nehmen", sagt er über die Lage in Österreich unter der ÖVP-FPÖ-Regierung. "Die Methode Kurz lautet: Wir machen die Schlagzeilen selbst. Sein Team hält eigenständigen Journalismus eher für überflüssig", sagt er über den ehemaligen Kanzler, der eine gezielte Medien- und PR-Strategie verfolgt. "Stattdessen erzeugen Kurz' Presseleute Geschichten und Fotos, damit die Botschaften so dargestellt werden, dass es der Volkspartei nützt."

Dabei soll der bisherige Regierungschef Sebastian Kurz auch nicht davor zurückgeschreckt haben, selbst Einfluss zu nehmen. "Kurz ruft auch persönlich in den Redaktionen an", erzählt Brandstätter in dem "SZ"-Interview. Die Botschaft laute demnach, so der bisherige "Kurier"-Journalist: "Wir überwachen alles, wir merken alles; ihr müsst schon vorsichtig sein."

Die Rolle, die Journalisten einnehmen sollten, muss so Helmut Brandstätter, dagegen unumstößlich klar sein. "Es unsere Aufgabe zu sagen, was Fakt ist", sagt er. "In dem Moment, in dem man vor seinem Computer sitzt und sich fragt: 'Darf ich das schreiben oder schadet es mir?', ist der unabhängige Journalismus am Ende.

Hintergrund: Helmut Brandstätter hat aktuell seine Herausgeberschaft beim "Kurier" aufgegeben. Er war zuvor unter anderem Geschäftsführer von n-tv und Puls-TV. Mit einer eigenen Medienberatung half er unter anderem auch Prominenten bei ihrem Umgang mit der Presse.

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