Exklusiv: Süddeutsche muss sparen und sagt ihr Sommerfest ab

 

Auch ein Fest für die Verlagssenioren sowie der halbe freie Tag am Faschingsdienstag soll der Redaktion wegen der "angespannten wirtschaftliche Lage" gestrichen werden. Der Betriebsrat spricht nach Informationen von kress pro von einem "schlechten Scherz" und feiert ein "selbstgemachtes Sommerfest".

Die "Süddeutschen Zeitung" geht offenbar wirtschaftlich härteren Zeiten entgegen. Wie "kress pro" exklusiv erfuhr, hat die Geschäftsleitung beschlossen, in diesem Jahr aus Spargründen auf das für Donnerstag, 25. Juli, geplante Sommerfest wie auch auf das in zweijährigen Rhythmus stattfindende Fest für die Verlagssenioren zu verzichten. Das solle im nächsten Jahr nachgeholt werden, wenn die "Süddeutsche" ihr 75-jähriges Bestehen feiern will.

Außerdem gebe es ernsthafte Überlegungen, den bisherigen halben freien Tag am Faschingsdienstag zu streichen, teilte SZ-Geschäftsführer Stefan Hilscher mit in einem im Intranet verbreiteten Rundbrief mit. Wie viel die "SZ" durch diese Maßnahmen einspart, wollte Hilscher auf Anfrage von kress.de nicht mitteilen. Das Mutterhaus SWMH ließ mitteilen, dass man sich zu internen Vorgängen nicht äußert.

Der Entscheidung vorausgegangen war eine Information der Belegschaft im hausinternen "SZ-Talk" am 14. Mai. Daraufhin folgte laut Hilscher eine kontroverse Diskussion in der SZ-Leitungsrunde über mögliche Konsequenzen, die sich aus den Sparankündigungen ergeben. Das Gremium habe "kontrovers diskutiert, welchen Beitrag wir über diese operativen (Spar-)Maßnahmen in den einzelnen Bereich hinaus leisten können. Ein Ergebnis dieser Debatte ist, dass wir in diesem Jahr kein Sommerfest veranstalten werden", schrieb Geschäftsführer Hilscher an weit über 1000 Verlagsmitarbeiter.

"In Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung denken wir intensiv darüber nach, künftig am Faschingsdienstag keinen halben freien Tag mehr wie bisher anzubieten", lässt sich der Leiter des Unternehmensbereichs "Süddeutsche Zeitung" weiter zitieren. Er sei sich im Klaren, "dass ich Ihnen hier keine guten Nachrichten überbringe", so Hilscher weiter. Es sei ihm aber wichtig zu betonen, "dass Sie alle großartige Arbeit für dieses Haus leisten." Und weiter: "Und auch wenn die Situation gerade angespannt ist, bin ich fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam gestärkt aus dieser Phase kommen werden."

Beim Betriebsrat kamen die Worte Hilschers nicht gut an. Besonders negativ stieß dem Gremium auf, dass am Konzernstandort Stuttgart das Sommerfest am 3. Juli nicht von der Sparwelle erfasst worden war und wie angekündigt stattfinden konnte. Die Arbeitnehmervertretung in München konterte die Absage spontan mit der Ankündigung, stattdessen ein "selbstgemachtes Sommerfestes" für die "SZ"-Belegschaft zu veranstalten. Der Betriebsrat organisierte dafür eine "öffentliche Sprechstunde", damit sich die Belegschaft wie immer ab 16:30 Uhr auf dem Vorplatz versammeln kann. "Deshalb bringt einfach selbst Essen und Trinken und eine Picknickdecke mit. Dann wird es so schön wie immer!", heißt es im Einladungsschreiben. An dem Fest des Betriebsrats nahmen dann 150 bis 200 Mitarbeiter teil.

Auch die anderen Sparankündigungen des Verlages findet die Arbeitnehmervertretung im aktuellen "Betriebsrats-Info" unverständlich. Etwa den seit 1972 gewährten halben freien Tag am Faschingsdienstag zu "killen", sei ein "schlechten Scherz". Ob dieses Vorhaben umgesetzt werden kann, ist sehr fraglich und wird vermutlich gerichtlich geklärt werden müssen. "Der Betriebsrat vertritt dabei die Rechtsauffassung, dass eine einseitige Aufkündigung dieser sozialen Leistung nicht möglich ist", heißt es in dem Rundschreiben. 

Währenddessen schwelt die Krise um einen Debattenbeitrag der SZ-Digitalchefin Julia Bönisch weiter (kress.de vom 27. Juni). In einem Beitrag für das Branchenmagazin "Journalist" hatte die 40-Jährige mit einigen Thesen zum Redaktionsmanagement und Führungskultur das seit 1971 gültige Redakteursstatut in Frage gestellt, das die Trennung von Verlag und Redaktion festlegt. Zudem hatte sie einige provokante Aussagen getätigt, die als Spitzen gegen die beiden SZ-Chefredakteurskollegen Wolfgang Krach und Kurt Kister verstanden wurden. Krach und Kister hatten ihr daraufhin in der alljährlichen Redaktionsvollversammlung am 24. Juni einen "Vertrauensbruch" vorgeworfen.

Die Affäre droht sich allmählich zu einer Krise auszuwachsen, da sich dahinter ein Machtkampf um die bereits eingeleitete Fusion der Print- und Onlineredaktion verbirgt, der manchen in der Zeitung und im Verlag zu schnell, anderen zu langsam geht. Zu dem Konflikt wollten sich weder Krach und Kister noch Bönisch äußern. Sie reagierten mit einer gemeinsamen Stellungnahme, dass man diese Debatte nur "intern führen" wolle.

Die zahlreichen Kritiker der Onlinechefin melden derweil immer mehr erhebliche Zweifel an ihrer journalistischen Befähigung an und machen das an den Abonnenten-Newslettern fest, bei denen sich die drei Chefredakteure abwechseln. Bönischs vom 12. Juli datierendes Werk rief in weiten Teilen insbesondere der Printredaktion Kopfschütteln hervor, weil sie darin schildert, wie sie bei einem Flug nach Athen eine ehemalige Teilnehmerin von "Germanys Next Topmodell" und des RTL-Dschungelcamps entdeckt und sich ihre Gedanken zu der "Dame in Reihe 23" machte.

"Abgesehen davon, dass niemand versteht, was dies mit der 'SZ' und ihrer redaktionellen Leistung zu tun hat, hat Julia Bönisch auch die Persönlichkeitsrechte der Frau verletzt", sagt ein altgedienter, hochrangiger SZ-Redakteur. Es sei sehr zweifelhaft, dass die Frau durch Frau Bönisch dargestellt werden wollte und ihre Einwilligung dazu gegeben habe. "Es ist bedenklich, dass einer Chefredakteurin so ein Fehler passiert", sagt der SZ-ler.

In einer redaktionsinternen Konferenz kritisierten mehrere SZ-Kolleginnen auch den Ton, den Bönisch in dem Artikel anschlägt, den sie gerade in Bezug auf eine junge Frau für unangemessen halten. In einer weiteren Konferenz wollten sie mit ihr darüber diskutieren. Auch ihre Antworten in einem auf kress.de erschienenen Interview am 12. Juli unter der Überschrift "Was Julia Bönisch von Frauen in Führungspositionen hält", hatten in einer redaktionsinternen Konferenz für Anstoß gesorgt. Dezidiert widersprach dort eine junge Kollegin ihren Einschätzungen, dass eine weibliche Führungskraft vor allem ein dickes Fell haben müsse. 

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