Wie sich Medienprofis von Schulden, Drogen und Lebenskrisen befreien

 

Langjährige Geldsorgen, Beziehungskrise, Sucht: Manche Probleme mag man sich nicht einmal selbst eingestehen, geschweige denn, mit anderen darüber reden. Doch es lohnt sich, tiefer liegende Schwierigkeiten anzugehen, sagt Mediencoach Attila Albert. Die ersten Schritte dazu.

Eine Journalistin saß seit mehreren Jahren in einer Redaktion fest, die sie schon lange verlassen wollte, zumal sie dort nicht einmal gut verdiente. Nach zwei Coaching-Sitzungen, bei denen es anfangs nur um ihre beruflichen Optionen gehen sollte, stellte sich heraus: Ihr Mann verdiente seit mehr als zehn Jahren kein Geld, weil er sich - bisher erfolglos - als Romanautor versuchte. Die finanzielle Verantwortung, auch für die Kinder, lag allein bei ihr und hielt sie davon ab, das Risiko eines Wechsels einzugehen. Gleichzeitig machte sie sich selbst Vorwürfe: Hatte sie versagt, weil sie nicht energischer darauf gedrängt hatte, dass er sich eine reguläre Arbeit suchte? Hätte sie sich trennen sollen, wie sollte das gehen?

Ein Produktmanager wollte eigentlich im Coaching planen, wie er seine nebenberufliche Selbständigkeit ausbauen könnte. Doch in den Gesprächen über den Businessplan zeigte sich, dass er bei Verwandten bereits hoch verschuldet war - für gescheiterte frühere Projekte, den Kauf von Drogen sowie Kurse bei einem spirituellen Guru, von dem er sich Hilfe erhofft hatte. Die geschäftliche Planung und die erhoffte Aufgabe der Festanstellung, die ihn und seine Familie trug, rückte nach hinten. Stattdessen wurden plötzlich andere Themen vordringlicher: Sucht- und Schuldnerberatung, eventuell eine Therapie, klärende Gespräche mit Ehefrau und Angehörigen, die er nun endlich führen wollte.

Für die meisten meiner Klienten - Medienprofis, die sich beruflich oder persönlich verändern wollen - geht es darum, berufliche Ziele zu erreichen. Einen neuen, interessanteren oder besser bezahlten Job finden, in der aktuellen Position besser werden, etwa nach einer Beförderung oder einem Verlagswechsel. Doch es kommt eben auch vor, dass andere, tiefer liegende Sorgen aufscheinen. Oft vorgebracht als nebensächliche Anmerkung, "übrigens…", sind sie in Wahrheit eine schwere Last. Nicht selten mit Scham besetzt, weil sie ein Tabu berühren, sich als persönliches Versagen anfühlen und kaum mehr lösbar erscheinen.

Sprechen Sie mit jemanden über Ihr Problem

Zuerst: Für mich als Coach sind solche Dinge nicht schockierend, ich sehe darin auch kein Versagen. Das Leben verläuft nicht immer glatt und wie erhofft. Manche Entscheidung war im Rückblick falsch, damals schien sie aber richtig. Machen Sie sich also nicht allzu viele Gedanken darüber, was man über Sie denken könnte. Versuchen Sie auch nicht, alles mit sich selbst abzumachen oder das Problem erst zu lösen, ehe Sie anderen davon erzählen.

Es ist unheimlich befreiend, endlich offen zu reden, und gibt Ihnen mehr Kraft, sich um die Lösung zu kümmern. Selbstverständlich sollten Sie überlegt herangehen. Mitarbeiter und Kollegen sind nicht die richtigen Gesprächspartner, Vorgesetzte nur bei besonderem Vertrauensverhältnis. Aber es gibt Partner, gute Freunde, professionelle Begleiter (je nach Situation z. B. Sucht-, Schuldenberater, Seelsorger, Selbsthilfegruppe, Therapeut, Coach).

Machen Sie sich klar, dass es vielen so geht

Viel Energie geht verloren, wenn Sie Ihr Problem vor allen verschweigen und sogar sich selbst belügen. Typisch sind Redewendungen wie "im Moment ist es ein bisschen schwierig", obwohl es schon Jahre so geht, oder "das kriege ich schon wieder hin", obwohl ein enormer Kraftakt erforderlich wäre, für den Sie jede Unterstützung brauchen können. Machen Sie sich klar, dass es vielen so geht wie Ihnen, und dass das keine Schande ist.

Fast alle derartigen Probleme betreffen Geldsorgen (z.B. verschuldet trotz gutem Einkommen oder dauerhafte Belastung durch Partner oder Verwandte), Beziehungskrisen (z.B. psychische oder körperliche Gewalt, ungesunde emotionale Abhängigkeiten) oder Suchtprobleme aller Art. Hier dürfen Sie sich, bei allem Ernst der Lage, sagen: Alles schon einmal dagewesen - andere haben es geschafft, ich muss da jetzt auch hinkommen.

Verbessern Sie Ihre Lage in kleinen Schritten

Oft ist es nicht möglich, das tiefer liegende Problem sofort zu lösen. Beispiel: Eine schwierige Ehe ist nicht innerhalb weniger Wochen verbessert oder aufgelöst. Beginnen Sie daher, Ihre Lage in kleinen Schritten zu verbessern. Was könnten Sie jetzt tun, damit es Ihnen besser geht? Nicht selten findet dieser erste Schritt in einem anderen Gebiet statt. Beispiel bei einem schwerwiegenden Beziehungsproblem: Erst einmal auf einen besseren Job woanders konzentrieren, bei Erfolg löst der Umzug bereits vieles automatisch mit.

Kleine Erfolge geben Ihnen auch das Vertrauen in sich selbst zurück: Wenn Sie das geschafft haben, können Sie auch Größeres angehen. Ein gestärktes Selbstbewusstsein ist entscheidend, denn oft sind unangenehme Gespräche zu führen: Etwas eingestehen, von anderen etwas einfordern, etwas aushandeln. Achten Sie dabei auch immer darauf, sich ausreichend zu erholen: Seelische Arbeit kostet Kraft. Vielleicht haben Sie viel Zeit verloren und bedauern das - umso wertvoller und wichtiger ist deshalb, was jetzt vor Ihnen liegt.

Zum Autor: Attila Albert (46) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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