August: Führungsstreit bei der Süddeutschen: Zu viele Vorurteile und zu viel Gift

 

Chefredakteur Markus Wiegand hat in seinem Editorial in kress pro den Führungsstreit bei der Süddeutschen Zeitung kommentiert.

Mit der Erfahrung eines halben Berufslebens würde ich sagen, dass es im Job nur drei Arten von Streit gibt.

1. Persönliche Meinungsunterschiede, die persönlich bleiben.

2. Berufliche Meinungsunterschiede, die beruflich bleiben.

3. Berufliche Meinungsunterschiede, die persönlich werden.

Im Fall der Süddeutschen Zeitung haben wir es klar mit Kategorie 3 zu tun, können wir nach den Recherchen zur Titelgeschichte festhalten. Digitalchefin Julia Bönisch war schon länger mit den Print-Chefredakteuren Kurt Kister und Wolfgang Krach über Kreuz. Dann erschien im Mai ein Debattenbeitrag, den viele als Angriff auf die Printkollegen im Allgemeinen und das Chefredakteursduo Krach/Kister im Speziellen werteten. Seither gilt das Verhältnis auch persönlich als zerrüttet.

Was uns bei den vielen Gesprächen mit Quellen in München wirklich überrascht hat: wie viel Gift derzeit bei der "Süddeutschen Zeitung" im Spiel ist, welche Vorurteile herrschen und wie schnell die Emotionen hochkochen. Sowohl in der Print- als auch in der Onlineredaktion ist die Unart verbreitet, die Arbeit der jeweils anderen deutlich abzuwerten. So lästern Printkollegen über Julia Bönisch, sie könne kaum einen Satz geradeaus schreiben. Und die Digitalprofis ziehen über Wolfgang Krach und Kurt Kister und deren mangelnde Social-Media-Kompetenzen her. Wir dürfen also festhalten, dass es alle drei bisher nicht geschafft haben, aus den Online- und Printteams eine Mannschaft zu formen. Der Konflikt zerfällt dabei in zwei Teile.

Die persönliche Ebene: Alle Schlichtungsversuche sind bisher gescheitert. Dabei haben beide Seiten Fehler gemacht. Bönisch hätte den Beitrag vorher abstimmen müssen. Krach und Kister hätten die Episode nicht Wochen später noch mal hochkochen dürfen. Das Ganze hat auch viel damit zu tun, dass da drei sehr große Egos aufeinanderprallen. Und alle drei müssen sich vorwerfen lassen, dass sie bisher ihre Interessen und ihren Stolz über die Interessen des Unternehmens stellen.

Die berufliche Ebene: Eines ist klar, ohne ein Vertrauensverhältnis in der Führung können Marken wie die SZ den Wandel nicht gestalten. Der Druck des Wettbewerbs ist so groß, dass die Süddeutsche die Stärken von Print und Online vereinen muss. Die oftmals hochwertigen Inhalte müssen digital verkauft werden. Dazu braucht es beide Seiten, sonst können die Umsatzverluste im klassischen Geschäft nicht aufgefangen werden.

Eine Rolle als Schiedsrichter in der Auseinandersetzung lehnen wir übrigens konsequent ab. Bönisch, Krach und Kister haben hervorragende Qualitäten. Aber alle drei haben zur Eskalation des Streits beigetragen. Daher belassen wir es an dieser Stelle bei einem knappen Ratschlag, der schon in der Kindererziehung in und außerhalb Bayerns erfolgreich erprobt wurde: "Gebts euch die Hand."

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