SZ-Krach: Wer steht jetzt wie da?

 

Bei der Süddeutschen Zeitung ist der Richtungsstreit zwischen Print und Digital offen ausgebrochen. Digitalchefin Bönisch und die Print-Chefredakteure Krach und Kister ringen um die Macht. kress pro hat in seiner Titelgeschichte sechs Fragen gestellt und beantwortet.

Wer steht jetzt wie da?

Wolfgang Krach: Der 55-Jährige gilt als Kronprinz, wenn Kurt Kister (62) eines Tages als Chefredakteur aufhören sollte. Als er 2003 vom "Spiegel" kam, baute er die "Investigative Recherche" in der "SZ" weiter aus, die bereits unter Chefredakteur und Ex-"Spiegel"-Mann Hans Werner Kilz Einzug gehalten hatte. 2007 stieg der machtbewusste gebürtige Regensburger zum stellvertretenden Chefredakteur auf, ab 2011 bildete er zusammen mit Kurt Kister und Heribert Prantl die gemeinsame Chefredaktion der Zeitung. 2015 wurde Krach dann zum gleichberechtigten Chefredakteur neben Kurt Kister ernannt. Der Bönisch-Konflikt hat ihm bislang mehr geschadet als genutzt. Dadurch, dass er den Vertrauensbruch öffentlich beklagt hat, hat er sich eindeutig gegen Bönisch positioniert. Allerdings sind bislang weder der Herausgeberrat noch die Geschäftsleitung auf seine Haltung eingeschwenkt.

Kurt Kister: Der bisweilen melancholische bis byzantinisch-barocke Kurt Kister wirkt oft wie aus der Zeit gefallen. Er wäre zu früheren Zeiten, etwa in den goldenen 1980er-Jahren, der ideale "SZ"-Chefredakteur gewesen, sagen die, die ihn gut kennen. Wie kaum ein anderer Journalist verkörpert er die DNA und das historische Erbe der "Süddeutschen". Gelegentlich kokettiert er mit seinem vorzeitigen Abschied, vorstellen kann sich das aber kaum jemand im Haus. In der Bönisch-Affäre verhält er sich klüger als der machtbewusste Krach, bleibt mehr im Hintergrund und ist daher weniger angreifbar. Im Zweifel ist Kister der Hirte, der die SZ-Herde zusammenhält. Eine deutliche Mehrheit der rund 450 Redakteure steht hinter der "KuK"-Führung, versichern SZ-Redakteure.

Julia Bönisch: Sie ist bisher die Verliererin des Konflikts, ihre Zukunft in der SZ ist ungewiss. In weiten Teilen der Printredaktion ist sie seit Langem unbeliebt. Ihre konfrontative Diskussionsführung und ihr Führungsstil werden als schroff bis autoritär empfunden. Sie hat sich nach der Einschätzung von Quellen auf der Print- und Onlineseite auf eine Konfrontation eingelassen, die sie nicht gewinnen kann. "Die Julia", sagt ein Vertrauter Bönischs, "ist in diesem Machtkampf nur eine Schachfigur, das klassische Bauernopfer." Ohne die Zustimmung der gut 40 "Impressionisten" kann sie im Haus nicht weiter aufsteigen. Sie würden sich "niemals mehr für Frau Bönisch entscheiden", unterstreicht ein erfahrener "Impressionist" gegenüber "kress pro". Wenn Bönisch noch über eine Hausmacht verfügt, liegt diese in der Onlineredaktion. Diese sehen in ihr eine Sachwalterin ihrer Interessen. Bönisch, so verlautet aus dem Umfeld der Digitalredaktion, denke nicht daran hinzuwerfen. Sie hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag und wartet ab. Unmittelbar nach dem verheerenden Feedback im eigenen Haus wirkte sie kurzzeitig angefasst, inzwischen nehme sie die Auseinandersetzung sportlich und intern auch mit Galgenhumor. Die Botschaft: Da lässt sich eine nicht mürbe machen.

Wie positionieren sich Management und Herausgeberrat? Worum geht es bei dem Konflikt? Welche Rolle spielt Julia Bönisch? Warum ist der Konflikt eskaliert? Wie sieht es wirtschaftlich bei der Süddeutschen aus? Wie weit ist die SZ mit der Fusion von Print und Online?

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Ihre Kommentare
Kopf

Burkhard Bierschenck

30.07.2019
!

Alle drei Chefredakteure wirken nicht sehr überzeugend. Die Zeit der Publizistik-Fürsten ist doch nun schon länger vorbei. Ebenso wie in der Politik ist Verjüngung dringend angesagt. Leider ist Julia Bönisch dafür auch kein leuchtendes Beispiel. Dürfte für die Herausgeber notwendig aber schwierig sein, aber wann ist es schon leicht, energisch zu entscheiden?


Yesterday

31.07.2019
!

Die letzten Zuckungen der SZ-Printler. Schon heute schreiben sie rote und die Onliner schwarze Zahlen. Allerdings sind die schwarzen Zahlen der Onliner bisher zu gering, um die roten der Printler auszugleichen, um intern entsprechend aufzutrumpfen. Die Printler hoffen immer noch auf Besserung. Darauf hofften die Dinosaurier einst auch. Dann waren sie weg. So wie die gedruckte SZ und die meisten anderen Tageszeitungen in 20 Jahren, vielleicht auch früher.


Wilhelm Jorzik

01.08.2019
!

Zusammenarbeit in einer vernünftigen
Art,ist die Grundlage fuer wirtschaft=
lichen Erfolg.
Diesen Hinweis sollten alle beachten.
M.frdl.Gr.Ihr W.Jorzik,Wuerzburg
1.8.19


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