Kai Diekmann: Was SPD und CDU in ihrer Kommunikation falsch machen

31.07.2019
 

Kai Diekmann kritisiert in einem Interview, dass sich die deutschen Medien zu sehr von den Lesern entfernt hätten. Es gäbe eine "mediale Arroganz". Diekmann sagt auch, was klassische Parteien in ihrer Kommunikation falsch machen und welche Entscheidung er selbst bereut.

Die deutschen Medien würden aus ihren Fehlern nicht lernen, meint Kai Diekmann in einem Interview mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Es gäbe eine "mediale Arroganz". "Man muss ehrlich sagen: Wir haben insgesamt in vielen Redaktionen in einer Wahrnehmungs-Blase gelebt. Es gibt manchmal einen Meinungseinheitsbrei in den deutschen Medien, der ist nur schwer zu ertragen. Und immer, wenn wir uns dessen überführt fühlen, geißeln wir uns - um danach genauso weiterzumachen", so Diekmann. Als Beispiel führt er die Berichterstattung über US-Präsident Donald Trump an: "Ich bin kein Trump-Fan, aber dass es den deutschen Medien so schwer fällt, ihn einfach nüchtern zu betrachten, verstehe ich nicht. Weil sich die meisten Journalisten von Anfang an ihre ganz klare Meinung zu Trump gebildet haben, Trump-Bashing ja auch so wundervoll gut ankommt und einfach ist, kommen die meisten gar nicht mehr dazu, den Grund seines Wahlerfolges zu verstehen", sagt er gegenüber der MAZ. 

Diekmann stand 16 Jahre an der Spitze von Bild. Er war 2017 bei Axel Springer ausgeschieden und gründete die Social-Media-Beratungsagentur Storymachine mit. Dort sollen zu seinen Klienten auch hochkarätige Politiker zählen. "Es liegt mir auf der Seele, wie die klassischen Volksparteien dramatisch an Bedeutung verlieren, auch, weil es die Populisten auf Social Media besser machen. Die SPD hat sicher mehr Leute, die das Magazin 'Vorwärts' redigieren als sich um Social Media zu kümmern. Die AfD hat einen großen Newsroom für soziale Medien eingerichtet - und kein gedrucktes Magazin. Das Ergebnis ist bekannt - die AfD hat mehr Follower auf Facebook als SPD und CDU zusammen", betont Diekmann im Interview mit Madsacks Märkischer Allgemeine Zeitung. Das mache ihn wahnsinnig. Die klassischen Parteien hätten aus dem Paradigmenwechsel in der Kommunikation noch nicht ausreichend Konsequenzen gezogen.

Falsche Entscheidungen hat Diekmann auch in seiner Bild-Zeit getroffen. Als Beispiel führt der Ex-Chefredakteur im Gespräch mit der MAZ die Berichterstattung über die Agenda 2010 an: "Wir haben nicht gesehen, welchen Wert diese Reform für Deutschland hat. Da haben wir draufgehauen. Eine Schlagzeile war: 'Jetzt gehen Sie auch noch an die Sparbücher unserer Kinder'. Und das war unterste Schublade, eine brutale Kampagne, die in der Sache falsch war. Die Agenda 2010 hat uns am Ende durch die Wirtschaftskrise geführt und bis heute zum wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes beigetragen, weil wir rechtzeitig die Weichen gestellt haben."

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