Für wen lohnt sich der Springer-KKR-Deal?

 

Aus "Wiegands Notizen", der Kolumne von Chefredakteur Markus Wiegand in kress pro.

Für wen lohnt sich der Springer-KKR-Deal? Das ist noch nicht klar. Ein Blick in die Angebotsunterlagen zeigt aber, dass der Vorstand wohl auf jeden Fall zu den Nutznießern zählen würde. Darin hält Investor KKR fest: "Die Bieterin würde es begrüßen, wenn nach Vollzug des Angebots ein neues Management-Beteiligungsprogramm auf Ebene von Axel Springer eingerichtet würde." Der Vorstand um Mathias Döpfner kann also mit einem neuen millionenschweren Aktienoptionsprogramm rechnen.

Bereits 2017 hatte der Vorstand von einem Deal mit einem Finanzinvestor profitiert: General Atlantic zahlte den Mitgliedern des Vorstands eine Prämie von 12  Millionen Euro, in Anerkennung "des gemeinsamen Investments in das Online-Rubrikengeschäft", wie es damals hieß.

Unklar ist, was mit den schon bestehenden Aktienoptionsplänen von Döpfner und Co. passiert, wenn die Aktie von der Börse genommen wird, es also zum angestrebten Delisting kommt. Im letzten Geschäftsbericht wird der Wert des wichtigsten Optionsplans mit immerhin 29,1 Millionen Euro beziffert. Eine Springer-Sprecherin ließ die Frage unbeantwortet. Ebenso wenig sagte sie, welche Auswirkungen das Delisting auf das Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm hat.

Für wen sich der Springer-KKRDeal langfristig lohnt, hängt vor allem davon ab, wie Springer sich wirtschaftlich entwickelt. In der Branche wird vermutet, dass Springer im digitalen Geschäft und insbesondere bei den Rubrikenmärkten aggressiv expandieren wird. Vergleichsweise wenig beachtet worden ist bisher, dass die angestrebte Riesenrendite von Investor KKR auch ein großes Risiko des Scheiterns in sich trägt.

Für alle Springer-Aktionäre, die das KKR-Angebot ausschlagen wollen, hat der Investor in den Verkaufsunterlagen gute Ratschläge parat. So müsse man künftig mit "wesentlich stärkeren Kursschwankungen" rechnen, heißt es etwa. Im Grunde ist das der Witz des Angebots: Ein europaweit führendes Medienunternehmen und ein weltweit führendes Private-Equity-Unternehmen wollen zusammenarbeiten, um den Unternehmenswert deutlich zu steigern. Die Aktionäre aber fordern sie auf, die Anteile zu verkaufen.

Wirklich fest stehen derzeit nur wenige Profiteure des Deals: an erster Stelle die Dealmaker selbst. KKR rechnet allein mit 160 Mio. Euro an Transaktionskosten.

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Ihre Kommentare
Kopf

Kurt Breme

01.08.2019
!

Es gab mal eine Zeit, da waren echte Verleger der Ansicht, dass Verlage nicht einmal börsennotiert sein sollten. Dass der BDVZ-Präsident jetzt sog. Heuschrecken als Kapitalgeber einlädt beweist, dass die Zeit der Verleger im großen Stil vorbei ist.


Wolfgang Zehrt

01.08.2019
!

Nutznießer wäre vor allem der Vorstand? Sorry, das ist a bissl Stammtischweisheit. Es geht darum sich in der final zu Ende gehenden Medienepoche so aufzustellen, dass mit gewaltigen Summen Plattform-Ökosysteme geschaffen werden können, die zukunftsfähig sind. Um Gestaltungsmöglichkeiten. Verarmungsgefahr besteht bei den Springer-Vorständen auch ohne den Deal nicht.


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