Die FAZ und der Milliardär

 

Mit Stefan Quandt sitzt neu einer der reichsten Deutschen im Aufsichtsrat der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Warum engagiert er sich für das Blatt? Zur kress-pro-Story.

Ende Juni bestach die "FAZ" in eigener Sache wieder einmal durch formvollendetes Understatement. In einem kurzen Beitrag über die wirtschaftliche Entwicklung des vergangenen Jahres versteckte das Blatt im vorletzten Absatz eine überraschende Personalie. Die Gesellschafterversammlung habe Stefan Quandt in den Aufsichtsrat gewählt, hieß es knapp. Kein Wort darüber, dass Quandt einer der reichsten Deutschen ist. Das "Manager Magazin" schätzt das Vermögen des Großaktionärs von BMW auf rund 16 Milliarden Euro.

Warum hat Stefan Quandt die Aufgabe übernommen? "Die 'FAZ' ist ein wichtiges und meinungsbildendes Medienunternehmen, das sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellt und dabei spannende neue Wege geht", teilte Quandt-Sprecher Jörg Appelhans auf "kress pro"-Anfrage mit. "Herr Quandt möchte im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag dazu leisten, dass die 'FAZ' sich als traditionsreiche Medienmarke auch in der digitalen Welt als maßgebliche Quelle von Informationen und Meinungen behauptet."

Bisher hatte Quandt mit dem Mediengeschäft kaum Berührungspunkte. Einzige Ausnahme: Er ist Vorsitzender des Kuratoriums der Johanna-Quandt-Stiftung, die den Herbert Quandt Medien-Preis vergibt. Bei Quandts Engagement für die "FAZ" spielt zudem wohl eine wichtige Rolle, dass ihm das Blatt wirtschaftspolitisch nahesteht. Erst im Juni schrieb Quandt einen Gastbeitrag für die "FAZ" mit dem Titel: "Schützt das Privateigentum!" Darin monierte er etwa, dass "überlebenskritische 30 Prozent als Erbschaftsteuersatz bereits besorgniserregende Realität" seien.

Der Hinweis, dass Quandt als Aufsichtsrat des Blattes vorgesehen war, fehlte allerdings unter dem Artikel. In eigener Sache kommuniziert Quandt nur diskret. Im Juni allerdings erschien im "Manager Magazin" ein großes Interview, das er gemeinsam mit seiner Schwester Susanne Klatten gab. Die Motivation der beiden, sich den Fragen des Magazins zu stellen: Sie fühlen sich in der Öffentlichkeit falsch wahrgenommen. "Ich muss etwas loswerden", sagt Susanne Klatten in dem Gespräch. "Der Blick der Öffentlichkeit auf unsere Rollen als Unternehmer ist fast immer auf die zweifellos erhebliche BMW-Dividende gerichtet."

Auf den Einwand des "Manager Magazins", dass die Dividende für beide Geschwister zusammen rund 1 Milliarde Euro betragen habe, entgegnete Klatten: "Viele Menschen denken, das fliegt einem irgendwie zu. Und manche glauben, dass wir ständig auf einer Jacht im Mittelmeer herumsitzen. Aber keiner denkt darüber nach, was passieren würde, wenn sich einer von uns aus diesem Unternehmen verabschieden würde." Tatsächlich sind Quandt und Klatten in der Vergangenheit dadurch aufgefallen, dass sie ihre BMW-Anteile langfristig halten und nicht etwa ihr Vermögen durch eine Portfolio-Strategie maximieren.

Ein Kenner der Familie Quandt beschreibt Stefan Quandt als seriösen, ernsthaften Unternehmer und sieht ihn als Verstärkung für den "FAZ"-Aufsichtsrat, da Quandt auch Erfahrung in der Sanierung mittelständischer Unternehmen besitzt: "Er wird sich reinhängen."

Neben Quandt wurde auch der Unternehmensberater Joachim Rosengarten in den "FAZ"-Aufsichtsrat gewählt. Wie "kress pro" bereits im April exklusiv vermeldet hatte, steht neu der ehemalige Pharma-Manager Andreas Barner (Boehringer Ingelheim) an der Spitze des Gremiums. Vorgänger Karl Dietrich Seikel bleibt als stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat. Weitere Mitglieder sind: der ehemalige "Rheinische Post"-Chef Karl Hans Arnold (seit Dez. 2018), die "Emotion"-Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf.

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Die Personalie "Stefan Quandt und die FAZ" ist in der aktuellen Ausgabe 6/2019 von kress pro erschienen. Sie möchten das komplette 108-seitige Heft lesen - es ist in unserem Shop erhältlich.

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