Sky-Programmchefin Walthelm: Lineare Nutzung liegt immer noch bei 80 Prozent

09.08.2019
 

In dieser Woche hat Elke Walthelm angekündigt, dass Sky Deutschland in die Produktion von Entertainment-Dokumentationen einsteigt. Die Programmchefin hat zuletzt viel Geld für Eigenproduktionen ausgegeben - von "Babylon Berlin" bis "Das Boot". Im Interview mit kress pro liefert Walthelm überraschende Nutzungszahlen.

kress pro: Werden Sie weiter auf Eigenproduktionen setzen?

Elke Walthelm: Wir werden die Sky Originals massiv ausbauen. Mittelfristig wollen wir auf acht solcher Serien-Projekte pro Jahr kommen. Dazu kommen die großartigen Eigenproduktionen unserer Kollegen aus den anderen Sky-Ländern, die wir weiterhin erfolgreich zum Einsatz bringen werden.

kress pro: Wie sehr hat die Konkurrenz durch Netflix bei Ihnen im Haus die Notwendigkeit erhöht, die besten Serien zu zeigen?

Walthelm: Für uns sind die Wünsche der Kunden ausschlaggebend und diese sind heiß auf Serien. Deshalb sorgen wir dafür, dass sie diese bei uns finden. Und da Sie den Konkurrenten ansprechen: Auch hier gehen wir neue, bisher unbeschrittene Wege - denken Sie etwa an unsere Kooperation mit Netflix, das wir auf unserer neuen Plattform Sky Q anbieten. Damit bieten wir unseren Kunden die besten Serien von Netflix und Sky aus einer Hand.

kress pro: Wenn man Sky heute neu gründen würde, würde man sich den Aufwand mit den vielen linearen Sendern parallel ganz sparen?

Walthelm: Bei unseren Entertainment-Sendern liegt die lineare Nutzung insgesamt noch immer bei rund 80 Prozent. Das ist ein Pfund, das man nicht unterschätzen darf. Trotzdem sehen wir natürlich klar den Trend hin vom linearen zum On-Demand-Fernsehen und richten unsere On-Demand-Services auf Sky Q, Sky Go und Sky Ticket konsequent auf die präferierten Sehgewohnheiten unserer Kunden aus. Allein, lineare Sender als Vergangenheit zu betrachten, wäre ein Fehler.

kress pro: Und wann kommen Sie ins Grübeln, ob es einen Sender noch braucht?

Walthelm: Abwägen wird man solche Entscheidungen, wenn wir sehen, dass die lineare Nutzung eines Senderangebots wirklich rapide nachlässt.

kress pro: Bei einer spannenden Serie wie "Der Pass" werden doch mittlerweile auch viele linear zuschauende Fans gern rasch wissen wollen, wie es nach einer Folge weitergeht - und nicht eine Woche warten wollen. Wie groß ist die Sorge, teures eigenes Material zu schnell zu versenden?

Walthelm: Wir sehen, dass es immer noch Nachfrage nach beiden Modellen gibt. Bei "Das Boot", "Der Pass" und "Acht Tage" haben wir gleich am Tag der linearen Ausstrahlung der ersten Folge die komplette Staffel, also alle Folgen, on demand verfügbar gemacht. Wer sofort herausfinden wollte, wie es weitergeht, konnte das also tun. Die Zahlen waren durchaus beeindruckend. Am ersten Wochenende haben oft schon Fangemeinden im hohen fünfstelligen Zuschauerbereich unsere neuen Serien "durchgebingt". Nichtsdestotrotz findet die lineare Ausstrahlung im Wochenrhythmus weiterhin ihre starke Nachfrage. Bestes Beispiel ist "Das Boot". Hier erreichten wir über die klassischen, linearen Ausstrahlungen 1,44 Millionen Zuschauer, hinzu kamen 2,8 Millionen Abrufe im nonlinearen Bereich. Sie sehen, beide Verbreitungswege finden ihr Publikum.

kress pro: Welcher Verbreitungsweg funktioniert bei welcher Zielgruppe?

Walthelm: Die Wochenausstrahlung kommt oft bei den Stoffen, die auf breitere Zielgruppen zielen, gut an - etwa bei "Das Boot". Bei jüngeren, spitzer positionierten Themen steigt die On-Demand-Nachfrage. Bei "8 Tage" konnten wir einen klareren Shift zu on demand hin erkennen. Was sich gut bewährt hat, sind Doppelfolgen in der linearen Ausstrahlung, wie wir sie freitags bei Sky 1 programmieren. Nur eine Stunde spannender Serien-Stoff ist dann doch zu wenig. Aber nach zwei Folgen hintereinander will man dann ja vielleicht irgendwann auch mal ins Bett gehen - oder man guckt on demand weiter. Eigenproduktionen gehören mittlerweile zum Standard. Auch Netflix und Amazon investieren ja stark in lokale Stoffe. Wie lange wird es denn mit dem Serien-Hype so weitergehen? Wir profitieren natürlich stark vom internationalen Serien-Hype, der das Publikum erfasst hat. Manche sprechen schon fast von einem Überangebot.

Ob der Serien-Hype weitergeht, ob die Eigenproduktions-Offensive wirklich neue Kunden gebracht hat und welche Erkenntnisse die Marktforschung beim Angebot Sky Ticket liefert?

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