Bild am Sonntag-Chefredakteurin Marion Horn über Führung und Macht

13.08.2019
 

Sie löste einst Mathias Döpfner als Hamburger Morgenpost-Chefredakteur ab. Kai Diekmann holte sie in die Bild-Chefredaktion und schließlich wurde sie erste Chefredakteurin der Bild am Sonntag. Im Podcast-Interview spricht Marion Horn über Führung und Macht.

Marion Horn hat zahlreiche journalistische Stationen absolviert, bevor sie 2013 die erste Chefredakteurin der Bild am Sonntag wurde. Mit 23 Jahren Ressortleiterin bei Bild der Frau, dann mit 26 Jahren Deutschlands damals jüngste Chefredakteurin beim Erotikmagazin Das neue Wochenend. Danach war sie Chefredakteurin von TV Hören und Sehen und der Tageszeitung Hamburger Morgenpost - als Nachfolgerin von Mathias Döpfner. 2001 holt Kai Diekmann Marion Horn in die Bild-Chefredaktion, bevor ihr Weg sie als Chefin zur Bild am Sonntag führte.

"Ich finde, dass Chefredakteur oder Chefredakteurin zu sein wirklich der allergeilste Job der Welt ist. Da hat man tatsächlich einen großen Gestaltungsspielraum", sagt sie in "inside.pod - wie wollen wir arbeiten", dem Podcast-Angebot von Axel Springer. Die erste Zeit in der Bild-Chefredaktion sei allerdings alles andere als leicht gewesen. Marion Horn beschreibt sie als "Mad-Man"-Welt, in der Frauen in Führungspositionen rar gesät waren und sie sich nicht zuletzt mit ihrer "Trotzdem-Macke" behauptete. "Ich hatte das Gefühl, es muss sich etwas ändern. Dann muss man sich auch dort hintrauen, wo die großen Buchstaben gemacht werden."

"Ich bin echt nicht gut darin, um Erlaubnis zu fragen", sagt Horn. Man müsse ein bisschen Lust darauf haben, auf Nummer 1 zu spielen. Man könne nicht in die Kneipe gehen und sagen, mein Chef ist an allem schuld: "Man hat die Mitarbeiter, die man verdient, man hat den Erfolg, den man verdient. Wenn es gut läuft, dann war es das Team, wenn es schlecht läuft, dann bist du schuld." Sie habe noch nie gehört, eine Redaktion sei schlecht. Nein, der Chefredakteur oder - im Fußball - der Trainer werde ausgetauscht. Man müsse es mögen. Sie könne das ganz gut aushalten. Ihr habe dabei immer ihr Motto geholfen: "Ob du denkst, du kannst es oder du kannst es nicht, in beiden Fällen hast du recht". Eine Devise, nach der Horn lebt und arbeitet. 

"Als ich ganz jung war, war für mich an Macht ganz wichtig: Ich will bestimmen, wie Menschen miteinander umgehen. Dass es kein 'von oben herab' ist, dass Entscheidungen begründet werden." Dieser Anspruch ist bis heute geblieben. Und gleichzeitig eine unabdingbare Prämisse einer erfolgreichen Führungskraft, ist Marion Horn überzeugt. Ihr wichtigster Ratschlag: "Ich glaube, dass Menschen nicht nur für Geld arbeiten, sondern dass man es eben schaffen muss, dass die Mannschaft, das Team, das man hat, für dich persönlich bereit ist zu arbeiten." 

Die bekennende "schlimme Feministin" achtet in der Themengestaltung darauf, dass die Geschichten für Frauen und für Männer interessant sind. "Ich glaube, dass so ein großes Medium wie BamS und auch wie Bild die Aufgabe hat, aufzupassen, dass man Frauen nicht nur darstellt als Spielerfrauen oder als Kindsmörderinnen", so Horn. Sie mag Klischees und stereotype Rollenbilder nicht. Zur Besetzung von Führungspositionen sagt sie: "Es wird keine Stelle besetzt, wo wir nicht zum Schluss auf der Shortlist einen Mann und eine Frau haben."

Um erfolgreich im Job zu sein und zu bleiben, braucht es laut Horn zwei Dinge: Einmal Disziplin, diese gehe ihr bei jungen Leute manchmal ein wenig ab. Disziplin komme eben auch von "anstrengen". Und das zweite: "Suche dir etwas aus, was dir Spaß macht. Sonst kann man die Disziplin und die Energie, die das frisst auch nicht bringen." Diese beiden Sachen müsse man in ein vernünftiges Gleichgewicht bringen.

Im "inside.pod" spricht Marion Horn auch darüber, wie die Produktion einer Sonntagszeitung ihr Privatleben als Mutter von zwei Töchtern verändert hat. Wenn der Samstag der Hauptproduktionstag ist, der nicht selten erst um Mitternacht endet, werden Sonntag und Montag zum neuen Wochenende. Der Alltag gelinge mit viel Organisation und Leidenschaft für das, was sie tut. 

Hintergrund: Die rund 30-minütige "inside.pod"-Folge ist auf SoundCloudiTunesSpotify und Google Podcast zu hören. Moderiert wird das Format von Freya Schulte-Wintrop und Holger Thurm.

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