Warum nur unterstützen die Medien Facebook, Google & Co.?

 

Facebook, Google & Co. greifen nach dem Journalismus und seinen wertvollen Inhalten. Journalisten und Medienhäuser sind bereit, für eine Handvoll Dollar ihre Unabhängigkeit zu gefährden. Aber warum machen da so viele mit, fragt Chefredakteur Wolfgang Messner im neuen Wirtschaftsjournalist.

1. In Media res: Datenkraken

Noch nie gab es mächtigere Unernehmen in der Geschichte der Menschheit als heute. Sie strotzen nicht nur vor wirtschaftlicher Kraft, sie sind auch die neuen Herren über die Information. Doch wer kontrolliert die TechGiganten? Die Regierungen tun sich schwer. Eigentlich sollten wir Journalisten genau hinsehen. Aber tun wir das? Werden wir unserer Aufgabe gerecht?

Im ersten Teil unserer großen Titelstrecke über Facebook, Google & Co. geht es um deren fragwürdige Methoden, mit denen sie den Journalismus in Deutschland und weltwelt zu vereinnahmen versuchen. Thomas Schuler zeigt, wie die Datenkonzerne die verunsicherten Journalisten und die wirtschaftlich kriselnden Medienhäuser bezirzen und umgarnen. Wie sich Medien für ein paar Millionen für eine "Digital News Initavive" (Google) da und eine spendierte Schulung dort (oder sollte man sagen: "Beeinflussung"?) von Lokaljournalisten (Facebook) verführen lassen. Die paar Brotkrumen der Multimilliardenkonzerne reichen offenbar schon, um sich die Medien weitgehend gefügig zu machen und sich weiter an deren wertvollen Inhalten zu bedienen. Die Medien unterstützen willfährig die Megadatenkonzerne. Die aber sind verschlossene Austern, wenn es um sie selbst geht. Sie verschweigen und verschleiern ihre wahren Absichten. Ihnen geht es um Macht und Technologievorsprung, nicht um unser Wohlergehen. Vor allem aber: ums Geschäft. Anders als die oft zu recht gescholtenen Zeitungsverleger, die privaten und öffentlichen Rundfunkanbieter übernehmen sie kaum gesellschaftliche Verantwortung, zahlen keine Steuern, lassen Hass und Hetze von Rechten und Demokratiefeinden zu und tragen fast nichts zur Stabilisierung unserer freiheitlichen Ordnung bei.

2. Media, quo vadis?

Wie beschwerlich und gefährlich es für Journalisten sein kann, bei Facebook, Google & Co. zu recherchieren, zeigt der Erfahrungsbericht von Peter Welchering. Bei der Lektüre bekommt man eine Ahnung davon, wie diese Datenkraken mutmaßlich die weltweit größten Ausspionierungswerkzeuge und privaten Geheimdienste werden konnten - größer, mächtiger und gefährlicher als sich das selbst ein George Orwell hätte vorstellen können. Wohl auch kein Zufall: Beim Ranking der besten Pressesprecher des Wirtschaftsjournalist rangiert Facebook regelmäßig am Warum nur? Ende der Liste. Gewiss: Medien berichten. Etwa über die demokratiefeindlichen Einflussnahmen auf den US-Wahlkampf und den Brexit von Facebook und seinen Helfershelfern bei Cambridge Analytica. Darauf bezogen mag das stimmen. Aber wer außer Blogs wie netzpolitik.org hat den Schneid, Facebook, Google & Co. insgesamt die Stirn zu bieten?

3. Und jetzt: was tun?

Daher unsere sechs Forderungen an die Tech-Giganten:

1. Sehen Sie Ihre Kunden vor allem als Mitglieder der demokratischen Gesellschaft!

2. Achten Sie die Kundendaten so als wären es ihre eigenen!

3. Nehmen Sie Journalisten ernst und sehen sie diese nicht als Erfüllungsgehilfen des Marketings!

4. Weisen Sie Ihre Geschäftszahlen auch in Deutschland aus!

5. Achten Sie das Wettbewerbsrecht!

6. Zahlen Sie für die Nutzung von Daten und Inhalten!

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Der Text von Chefredakteur Wolfgang Messner bildet das Editorial zum neuen Wirtschaftsjournalist. Sie können das Magazin in unserem Shop kaufen.

Der Wirtschaftsjournalist erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Herausgeber ist Johann Oberauer, Chefredakteur Wolfgang Messner.

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