Köpfe-Gespräch: Wie Christian Muche mit seiner dmexco-Vergangenheit bricht

 

Wie man die richtigen Netzwerke knüpft: Im Köpfe-Gespräch verrät Christian Muche, der zusammen mit Frank Schneider die dmexco zu einem Welt-Event der Digitalbranche entwickelte, was beide nun bei ihrer neuen Konferenzreihe D:PULSE komplett anders machen wollen.

kress.de: Herr Muche, dass Sie und Frank Schneider spannende Veranstaltung, deren Themen und Kontakte die ganze Branche in Atem halten, organisieren können, traut man Ihnen selbstverständlich zu. Trotzdem: Wie viel emotionale Energie mussten Sie extra organisieren, um mit dem neuen D:Pulse-Event neu durchzustarten?

Christian Muche: Um ehrlich zu sein, mussten wir erst einmal Energie wegnehmen, da wir bei der Vorgängerveranstaltung noch im Vollgasmodus waren. Frank und ich haben uns anschließend Zeit gelassen und sind erst mal um die Welt gereist, um uns andere Konzepte anzuschauen, mit Leuten und Unternehmen zu sprechen und unser Netzwerk auszubauen. Wir haben uns schlichtweg ein Update der verschiedenen Märkte geholt und wir wurden mit offenen Armen empfangen. Denn es war schnell klar, dass die Unternehmen und Besucher von Events ein anderes Konzept wünschen, als was sie derzeit in den meisten Fällen vorfinden: und dieses haben wir entwickelt und setzen es ja immer noch um. Das Auftaktevent unserer Business Conference Show findet am 21. August in Zürich statt. Wir sind sehr gespannt und die Vorfreude ist groß, so dass der extra Push an Energie automatisch wieder da ist.

kress.de: Die Gästeliste der neuen Veranstaltungen – allen vor an mit WPP-Gründer Sir Martin Sorrell – liest sich beachtlich. Wie dick ist eigentlich Ihr Telefonbuch, aus dem Sie solche Kontakte klopfen können?

Christian Muche: Sehr dick, da Frank und ich seit dem ersten Tag der dmexco vor über zehn Jahren es gelebt haben, jeden unserer Kontakte persönlich zu kennen und eine Beziehung zu haben. Die Wertschätzung unseres Netzwerkes drückt sich neben dem beruflichen Erfolg auch dadurch aus, dass man uns die Authentizität und unser nachhaltiges Interesse an den Kontakten abnimmt. Die Menschen merken sehr schnell, wenn es nur um vordergründige Vorteile geht oder sich nur um Trittbrettfahrer handelt.

"Der Trend geht weg von anonymen Investitionen in große Ausstellerflächen hin zu kleineren, exklusiveren Kreisen, die persönlicher und intensiver sind."

kress.de: Die neue Veranstaltungsreihe ist bewusst auf einen überschaubaren Teilnehmerkreis angelegt und etwa ohne Aussteller angelegt. Warum diese Akzentverschiebung?

Christian Muche: Unsere Boutique-style Conference bedeutet, sich im exklusiven Kreis austauschen, zu vernetzen und Geschäfte zu machen und sich vor allem endlich die Zeit zu nehmen, echte Gespräche zu führen – sei es mit unseren Top-Speakern, Influencern der GenZ oder unseren ausgewählten Partnern. Denn das bessere Verständnis der heutigen Zielgruppen und die komplexeren Zusammenhänge tatsächlich zu verstehen, sind relevant für die Zukunft von Marken. Der Trend geht weg von anonymen Investitionen in große Ausstellerflächen hin zu kleineren, exklusiveren Kreisen, die persönlicher und intensiver sind.

kress.de: Welche Lehren haben Sie aus den vielen dmexco-Jahren und dem rasanten Anwachsen zur kaum mehr bändigbaren Großveranstaltung gezogen?

Christian Muche: Sicherlich die Erkenntnis, dass man bestimmte Eventkonzepte nicht von einem gleichzeitigen Wachstum trennen kann. Grund für das unvergleichliche Wachstum bei der dmexco war neben den allgemeinen Marktentwicklungen und dem richtigen Zeitpunkt hier am Start zu sein, unter anderem der internationale Aspekt. Die Media- und Marketing-Welt hat zunehmend globaler gedacht, unabhängig davon, dass sich die dmexco über die Jahre als europäische Leitmesse etabliert hatte. Es ist aber eine veranstaltungsbezogene Faustregel, dass speziell so große Events gewissen Zyklen unterliegen, von denen man sich kaum frei machen kann. Irgendwann findet eine gewisse Müdigkeit statt, zunächst unabhängig von der Qualität einer Veranstaltung. Und hier glauben wir, dass je überschaubarer ein Event konzipiert ist, desto besser sind die Möglichkeiten auf Trends, Entwicklungen und Marktanforderungen zu reagieren und umso länger besteht die Relevanz einer Event-Plattform.

kress.de: Der Veranstaltungskalender der Top-Manager der Medien- und Digitalbranche dürfte gut gefüllt sein. Wie schwer ist es, um noch ein weiteres Zeit- und Aufmerksamkeitsfenster zu buhlen?

Christian Muche: Schwer, und es erfordert erneut viel Zeit und Überzeugung. Dies wird sich aber verbessern, sobald wir in Zürich den ersten Event organisiert haben und die Teilnehmer den Vorteil einer D:PULSE erleben werden. Wir haben großes Verständnis dafür, dass Führungskräfte ihre Zeit in einem komplexer und intensiver werdenden Umfeld noch bewusster und gezielter planen. Daher muss der Vorteil und Nutzen einer Veranstaltung umso höher sein.

kress.de: Wenn Sie auf eigene Erfahrungen zurückblicken: Natürlich tritt fast jeder Teilnehmer die Reise zu einem Branchen-Pflichttermin auch mit Blick auf Referenten und etwaige Pitches an. Aber spielt sich das Geschehen, das man danach im Gedächtnis behält, nicht doch eher an der Bar ab?

Christian Muche: Kann sein – muss aber nicht. Und um eines klar zu stellen: Bei uns gibt es keine Pitches! Aber ja, die Wünsche und Erwartungen sind gerade bei einer kleineren Audience vielfältig und eher höher angesiedelt und das versuchen wir mit den Formaten, den ausgewählten Partner und Themen, den teilnehmenden Speakern und nicht zuletzt durch unsere persönliche Ansprache und Betreuung zu erfüllen. Sei es auf den Bühnen, in einer der BIZ:LOUNGE, unserem PLAY:GROUND, bei der Abendveranstaltung oder dem Matchmaking Angebot.

"Verlässlichkeit ist heute das A und O."

kress.de: Mit welcher besonderen Expertise klappern Sie gegenüber Ihren Kunden eigentlich am lautesten?

Christian Muche: Zuverlässigkeit, Vertrauen und Kreativität! Neben den natürlichen Benefits wie Idee, Konzept und Wirtschaftlichkeit und Attraktivität ist heute Verlässlichkeit das A und O. Was man verspricht, sollte man halten, gerade in der heutigen Zeit. Durch meine Erfahrung und die zahlreichen Gespräche denke ich zudem, dass ich ein gutes Gespür dafür habe, was die Business Leader und Teilnehmer heute erwarten.

kress.de: Wenn Sie auf die Stationen Ihrer Berufslaufbahn zurückblicken: Wo haben Sie am meisten gelernt und welche Persönlichkeiten haben Sie im Rückblick entscheidend geprägt?

Christian Muche: Das ist unmöglich zu sagen, da man teils erst nach vielen Jahren der Wert einer gemachten Erfahrung einschätzen oder anwenden kann. Sicherlich war es bereits ein einschneidendes Erlebnis, als ich mit Mitte 20 zunächst als CEO-Assistent und schließlich als Generalbevollmächtigter einer Medien-Unternehmensgruppe große Teile der Unternehmen durch die Insolvenz bringen musste und teils 30 Jahre älteren Mitarbeitern erklären musste, wie ihre berufliche Zukunft aussieht. Die Wertschätzung für ein Team und jeden Mitarbeiter – unabhängig seiner Größe und Anzahl – muss immer an oberster Stelle stehen. Nach dem Zusammenbruch der Mediengruppe habe ich meine eigene Firma gegründet und ein paar Jahre später die allerersten Online-Banner in Deutschland verkauft. Nach einem längerem Intermezzo bei den großen Digital Brands wie AOL und Yahoo war es sicher der beste Schritt für mich zurück auf die Unternehmerseite zu wechseln und mit vollem Risiko zusammen mit Frank Schneider die dmexco ins Leben zu rufen.

kress.de: Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Christian Muche: Manchmal sind es die vielen Momente auf den Langstreckenflügen, wo man trotz vermehrten WiFi eher mal zur Ruhe kommt, aber in der Regel sind es die Gespräche im und mit dem Team.

kress.de: Wie und wo tanken Sie Ihre Kraftreserven auf?

Christian Muche: Zuhause in Neuseeland.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Christian Muche: Unser Erfolg hängt natürlich auch am Netzwerk, und es gilt die vielfältigen Netzwerk-Plattformen zu pflegen und gleichzeitig den persönlichen Kontakt nicht zu vernachlässigen. Dies erfordert extrem viel Zeit, der persönliche Austausch liefert mir aber auch sehr viel Energie.

"Silohaftes Denken wird uns nicht weiterbringen, wenn wir nachhaltige, zukunftssichere Strategien entwickeln."

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Christian Muche: Bei kress gefällt mir, dass Menschen und Köpfe im Vordergrund stehen und diese anders als sonst vorgestellt werden. Dadurch bekommt man nicht nur einen schnellen, sondern auch sehr werthaltigen Überblick. Wenn man zudem die redaktionellen Beiträge bei kress verfolgt, wird schnell klar, dass alles komplexer wird und wir mehr Kontext brauchen, also Zusammenhänge. Silohaftes Denken wird uns nicht weiterbringen, wenn wir nachhaltige, zukunftssichere Strategien entwickeln und hier hilft kress sicherlich dabei, den Überblick zu behalten.

kress.de-Tipp: Alle Infos zur neuen DE:PULSE-Reihe, die am 21. August in Zürich startet, erfahren Sie hier.

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