Wo Künstliche Intelligenz in den Medien eingesetzt wird

14.08.2019
 

Künstliche Intelligenz soll in der Arbeitswelt für eine Revolution sorgen. Wo KI heute überall im Journalismus schon im Einsatz ist. Ein Bericht von kress pro.

In Verlagen und Nachrichtenagenturen unterstützt künstliche Intelligenz (KI) die Mitarbeiter bereits heute bei der Moderation von Foren, beim raschen FactChecking, beim automatisierten Schreiben von Standardtexten, dem Testen von Präferenzen, der Personalisierung von Inhalten und im Anzeigengeschäft.

Wenn es um die Zukunft der gesamten Branche geht, blickt Europa trotz seiner Vielfalt gerne in die homogeneren USA. Meredith Broussard, Professorin an der New York University, ist Expertin für KI-Anwendungen. Die Datenjournalistin und Programmiererin trat Anfang April beim 4Gamechangers Festvial in Wien auf. Sie rückt übertriebene Erwartungen zurecht. "Es wird viel mehr über KI geredet als wirklich implementiert." Richtig etabliert sei automatisiertes Schreiben bisher nur, wenn es darum gehe, "schnell Berichte aus fertigen Vorlagen auf Basis strukturierter Daten zu produzieren". Als bereits bekannte Einsatzgebiete nennt sie Börse-Berichterstattung und Sportergebnisse.

Für entsprechende Beispiele muss man nicht in die USA schauen. Der unermüdliche Sportreporter aus dem Medialab der Austria Presse Agentur heißt "Egon" und fasst Fußballergebnisse in vorgefertigten Textmodulen zusammen. Bei der Washington Post heißt er "Heliograf" und liefert Spielberichte für Football bis hinunter in die High-School-Liga. Bei Bloomberg verfasst "Cyborg" Zusammenfassungen von Quartalsberichten. Auch bei Associated Press verwandelt die Wordsmith-Plattform Quartalsberichte in Sekundenbruchteilen in Artikel.

In den Bereich der automatisierten Texterstellung aus strukturierten Daten gehört auch der "Quakebot" der "Los Angeles Times". Rasche Erdbebenwarnungen sind in der geologisch hochaktiven Region nützlich. 2017 stolperte der Bot allerdings über ein Web-Update beim US Geological Survey und zeigte so, dass auch unermüdlich präzise Maschinen irren können, wenn sie mit den falschen Daten gefüttert werden. Die Erdbebenwarnung hätte nämlich 90 Jahre früher rausgehen müssen und die Redaktion musste den automatisierten Tweet wieder einfangen.

KI-Systeme unterstützen aber auch investigative Projekte. Meredith Broussard hat selbst Systeme entwickelt, die Reportern helfen, immer neue Storys in öffentlich verfügbaren Daten zu finden. Die KI-Expertin nennt hochkarätige Investigativgeschichten, an denen spezialisierte Machine-Learning-Anwendungen beteiligt waren. Das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) hat die Implant Files über Fehlfunktionen medizinischer Geräte veröffentlicht. Dafür wurden acht Millionen Meldungen über mögliche Fehlfunktionen weltweit ausgewertet. Die Recherchen blieben dennoch teuer und langwierig: "Die meisten Menschen denken: Wenn man einen Computer für eine Aufgabe benutzt, bekommt man das Ergebnis immer besser, schneller und billiger", so Broussard. Das stimmt so aber nicht, weil KI-Entwicklung teuer ist und weiterhin viele Menschen mitdenken müssen.

Die Personalisierung von Inhalten durch KI wirkt aktuell sowohl in die Redaktionen hinein als auch in Richtung Publikum. Als eine Art Coach fungiert bei "Forbes" die KI "Bertie". Sie macht den Redakteurinnen und Redakteuren Vorschläge, wie sie ihre Texte verbessern können über simples A/B-Testing von Überschriften hinaus. Der KI-Butler "James" lernt bei "The Times" und "Sunday Times" mehr über Lesemuster und empfiehlt basierend darauf Inhalte, die in Zeit und Frequenz zu den Gewohnheiten der User passen.

Die "Neue Zürcher Zeitung" hat den NZZ News Companion (für iOS und Android) entwickelt. Der Empfehlungsalgorithmus soll journalistische Standards hochhalten, indem er "personalisierte" und "kuratierte" News mischt. Finanziert werden diese technischen Entwicklungen manchmal aus eigener Kraft, oft aber aus Mitteln der Google Digital News Initiative.

Der Text ist ein Auszug aus der 3-seitigen kress pro-Story von Astrid Kufner über KI in Ausgabe 4/2019. Diese und das aktuelle kress pro-Magazin können Sie in unserem Shop kaufen.

kress pro" - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.