Warum der Schwäbisch-Media-Chef Methoden aus der Autoindustrie einsetzt

 

Kurt Sabathil ist seit 2009 Geschäftsführer des "Stuttgarter Zeitung"-Hauses Schwäbisch Media. Im kress pro-Strategiegespräch sagt Sabathil, warum er nach 30 Jahren in der Branche plötzlich auf Methoden aus der Autoindustrie abfährt.

kress pro: Herr Sabathil, Sie haben im Frühjahr eine ungewöhnliche Pressemitteilung herausgegeben, darin heißt es: "Schwäbisch Media ist auf dem Weg, zum effizientesten Verlag Deutschlands und somit ein Leuchtturm in der Branche zu werden." Das klingt in der zurückhaltenden Regionalzeitungsszene ziemlich angeberisch. Warum haben Sie das gemacht?

Kurt Sabathil: In unserer Branche dominieren in eigener Sache oft die negativen Schlagzeilen. Ich will ein bisschen wegkommen von diesem Pessimismus und aufzeigen, dass wir hier in den letzten Jahren viel an Effizienz gewonnen haben. Und da geht noch viel mehr. Viele Prozesse in Verlagen können inzwischen völlig automatisch durch Computer erledigt werden. Das sind die Wege, die für die Zukunft der Branche wichtig sind.

kress pro: Man kann Ihre Aussage auch so verstehen: Wir können es, die anderen Verlage können es nicht richtig.

Sabathil: Wir hier konnten es auch nicht richtig, wir sind erst dabei, es richtig zu können. Sehen Sie: Die ganze Branche hat sich bisher vor allem mit anderen Medienhäusern verglichen. Das sind aber nicht die Maßstäbe, die in einer wettbewerbsintensiven Zeit die richtigen sind. Es gibt Branchen wie die Autoindustrie, die dem Wettbewerb schon sehr viel länger sehr viel härter ausgesetzt sind. Und die haben Methoden wie Lean Management und Kaizen entwickelt, was bei Verlagen bisher noch nicht üblich ist. Dabei ist das Potenzial enorm.

kress pro: Sie sind seit über 30 Jahren im Geschäft und gehen Ende des Jahres altershalber als Geschäftsführer von Schwäbisch Media. Ihre Erkenntnis, dass Verlage im Grunde ineffizient arbeiten, kommt reichlich spät.

Sabathil: Da haben Sie vollkommen recht. Wir hätten früher die Möglichkeiten gehabt, Effizienz stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Aber wir waren in der Branche lange in einer komfortablen Situation. Inzwischen spüren wir den Druck im Wettbewerb intensiv und müssen uns daher damit beschäftigen, unsere Arbeitsprozesse grundlegend zu verändern. Das ist eine späte Erkenntnis, aber lieber spät als nie.

kress pro: Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Sabathil: Wir haben vor rund zwei Jahren einen Amtsblatt-Verlag gekauft. Dort gab es mit Ralf Berti einen Geschäftsführer, der aus der In dustrie kommt und mit anderen Methoden arbeitet. Da haben wir gesehen, dass es im alten System ungefähr 60 Minuten dauerte, um eine Seite zu publizieren, die von den Gemeinden kam. Wir haben ein neues System eingeführt und kamen auf zwölf Minuten pro Seite runter. Heute sind es im Schnitt nur noch sechs Minuten. Das sind nicht nur leichte Verbesserungen, das sind Quantensprünge.

kress pro: Schön, aber lässt sich das auf das ganze Unternehmen übertragen?

Sabathil: Das haben wir in den vergangenen zwei Jahren gemacht. Ein anderes Beispiel: Wir haben mal gemessen, wie viele Schritte es braucht, um über eine E-Mail eines Kunden eine Anzeige bei uns zu schalten. Wir kamen auf 34. Jetzt schaffen wir das in zehn Schritten. Weiteres Ziel ist, dass Anzeigen zukünftig automatisch vom Kunden in den Druck-Prozess gehen und nur noch inhaltlich geprüft werden, ob sie gegen die guten Sitten oder das Wettbewerbsrecht verstoßen. Aber sonst wollen wir diese Anzeigen nicht mehr anfassen. Das ist dann ein Hocheffizienz-Prozess.

kress pro: Aber solche oder ähnliche Projekte gibt es doch in vielen Verlagen.

Sabathil: Ideen gibt es viele, aber es ist eine Frage der Umsetzung. Wenn man solche Prozessoptimierungen konsequent macht, benötigt das viele Schritte. In der alten System-Welt haben wir es nicht geschafft, die Prozesse zu automatisieren. Deshalb haben wir mit JJK ein neues System gekauft und alle Prozesse über das ganze Haus neu definiert. Wir haben uns überlegt: Wenn wir auf der grünen Wiese einen Verlag gründen würden: Wie würde der optimale Workflow aussehen? Wo beschäftigen wir uns mit Dingen, die nicht produktiv sind? Wir haben etwa unsere Preislisten völlig überarbeitet. Im alten System hatten wir über 900 Vermarktungspreise hinterlegt, heute sind es noch 180.

kress pro: Wie viel mussten Sie dazu investieren?

Sabathil: Wir werden insgesamt über 4  Millionen Euro für neue Systeme und die Dienstleistungen, die damit zusammenhängen, investieren.

kress pro: Und wie viel holen Sie auf der Kostenseite wieder rein?

Sabathil: Wenn alles installiert ist, werden wir ungefähr 2,5 Millionen Euro pro Jahr sparen. Die Amortisationszeit liegt also bei unter zwei Jahren.

Wie setzten Sie das Projekt um? Wie haben Sie interne Widerstände überwunden? Bringt die japanische Management-Lehre Kaizen wirklich was? Wie setzen Sie die Forderung nach dauernder Verbesserung konkret um - wenn viele Mitarbeiter an der Leistungsgrenze sind?

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