Wie können Medien ins KI-Zeitalter einsteigen?

19.08.2019
 

Wie sich die Branche auf die Zukunft vorbereiten sollte, sagen zwei führende KI-Experten. Ein Bericht von kress pro.

Bei allem Fokus auf Effizienz empfiehlt Meredith Broussard Medienhäusern, die Verbindung zu den Nutzern und dem eigenen Geschäftsmodell zu halten: Zu wissen, wer die Nutzer sind, was sie interessiert, worüber sie nachdenken und was sie wissen müssen. Das lässt sich nicht nur mit künstlicher Intelligenz machen: "Lange Zeit ist man der Vorstellung erlegen, dass alle Menschen gleich sind und sich gleich verhalten. Dann kam die Segmentierung von Usern auf. Wer aber soziale Intelligenz auf die Datenwelt anwendet, hat ein wirklich machtvolles Instrument an der Hand", sagt die Professorin an der New York University, die Expertin für KI-Anwendungen ist. "Um mit Nutzern effektiv zu kommunizieren, müssen wir sie uns als Menschen vorstellen. Nicht als anonyme User in einem System. Wir brauchen Empathie!" Außerdem gilt es, auch die bestehenden Technologien von Google und Facebook besser zu nutzen: "Die magische Formel ist für mich: Mach alles, was du kannst, und mach es gut. Wenn du eine Sache richtig gut kannst, beginn dort. Und dann mach die nächste Sache", so Broussard. Das klingt nach Hausaufgaben und einer Absage an KI als Allheilmittel. Meredith Broussard ist eine Verfechterin der Cross-Disziplinarität. Sie empfiehlt, sich auch außerhalb der eigenen Branche umzusehen, wenn es um Strategien darum geht, seine Audience besser kennenzulernen.

Auf die Frage, ob es sinnvoll sei, je nach Größe des Verlags einen KI-Beauftragten oder gleich eine hausinterne KI-Entwicklungsabteilung aufzubauen, meint die Programmiererin und Autorin: "Isoliert funktioniert das nicht. Wenn das nicht als Management- und Transformationsaufgabe auf allen Ebenen gesehen wird, gehen IT-Profis einfach wieder." Eine weitere Herausforderung aus der Sicht von Broussard: Technische Ressourcen und Projekte seien anders zu managen als eine Redaktion.

Die gute Nachricht ist, dass auch weniger komplexe und teure Neuerungen die redaktionelle Produktion effizienter machen können. Als Beispiele nennt Broussard Story-Budgeting-, Editorial-Calendaring- und Content-Management-Systeme. In Bezug auf das digitale Anzeigengeschäft empfiehlt sie einen einfachen Test: Versuchen Sie, eine Anzeige im eigenen Haus zu buchen. "Das ist wie mit dem Kanarienvogel in der Kohlemine: Wenn es auf der Homepage nicht klar und einfach ist, eine Anzeige zu kaufen, funktioniert die Programmatic-Strategie vermutlich auch nicht gut."

Meredith Broussard und KI-Pionier Sepp Hochreiter fänden es sinnvoll, wenn Medienhäuser für die fachspezifische Datenverarbeitung strategische Allianzen eingehen. Echte Kollaboration auf Augenhöhe, statt Daten wie bisher an dominante IT-Plattformen zu verschenken. Das könnte auch die Kosten im Zaum halten. In Hochreiters Labor ist es mit viel Überzeugungsarbeit letztlich gelungen, dass zehn verschiedene Pharmafirmen zum Nutzen aller Beteiligten ihre Daten teilen: "Wenn sich mehrere zusammentun, kann KI in den Daten Muster erkennen, die sich bei einem kleineren Datensatz gar nicht zeigen oder als Ausreißer qualifiziert würden", sagt der Forscher.

Lesen Sie auch: Wo künstliche Intelligenz in den Medien eingesetzt wird und Personalisierte Inhalte: Wohin die Entwicklung künftig geht.

Der Text ist ein Auszug aus der 3-seitigen kress pro-Story von Astrid Kufner über KI in Ausgabe 4/2019. Diese und das aktuelle kress pro-Magazin können Sie in unserem Shop kaufen.

kress pro" - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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Ihre Kommentare
Kopf

Michael Masson

21.08.2019
!

Mich erschreckt, dass die Fach-Autorin, offensichtlich längst normalen Menschen entrückt ist, die sich einer verständlichen Sprache bedienen. Es geht um neue Kommunikationsformen. Und die kann Meredith Broussard oder der Geister- Autor nur noch mit Anglizismen und Abkürzungenj würzen? Schade.


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