Wie man mit Facebook und Google umgeht: 8 Tipps für die Recherche

 

Der Investigativjournalist Peter Welchering recherchiert seit Jahren Beiträge über Facebook und Google, die aufhorchen lassen. Sein Fazit: Verglichen mit den Internet-Konzernen ist die amerikanische NSA ein transparenter Verein. In der Titelgeschichte des aktuellen Wirtschaftjournalist gibt Welchering Tipps für die Recherche.

1. Der Pressestelle in Deutschland eine klare Frist für die Beantwortung der Anfrage setzen und offen kommunizieren, dass die Anfrage nach Ablauf der Frist an das amerikanische Mutterhaus gerichtet wird.

2. Dem amerikanischen Mutterhaus alle Instrumente der heiligen Inquisition zeigen, sprich: den Justiziar mit seiner Rechtsauffassung erwähnen, deutlich machen, dass das Angebot einer Stellungnahme nur aus Gründen der Fairness erfolgt, die Ablehnung einer Stellungnahme den Bericht aber nicht verhindern wird etc.

3. Der Pressestelle das Gesprächsprotokoll mit den Ergebnissen, die für die Berichterstattung verwendet werden sollen, nach einem Telefonat zusenden.

4. Der Journalist muss extrem fit sein in Sachen suggestiver Gesprächsführung.

5. Wer über und bei Google & Co. recherchiert, muss eine enorme Dickfelligkeit in Sachen Drohungen entwickeln.

6. Die deutschen Pressestellen der Internet-Konzerne haben meist nicht viel Handlungsspielraum. Wer dafür Verständnis zeigt und dieses Verständnis deutlich adressiert, weicht auch der Machtfrage aus, die die deutschen Kommunikationsmitarbeiter dieser Konzerne Journalisten schon einmal gern stellen.

7. Direkt mit deutschen Managern der Internet-Konzerne vereinbarte Interviews sind meistens ausgesprochen unergiebig. Ich habe in solchen Interviews bisher nur Marketingfloskeln zu hören bekommen. Zeitsparender ist es daher, auch bei deutschen Themen direkt bei der amerikanischen Pressestelle um ein Interview mit einem Sprecher des Hauses zu bitten, der auch wirklich Stellung nehmen kann, und darauf hinzuweisen, dass die in Deutschland verfügbaren Manager in der Vergangenheit wenig Erhellendes zur Sachlage beitragen konnten. Entweder kommt dann ein Interviewangebot mit einem amerikanischen Sprecher oder aber es gibt einen etwas längeren Machtkampf um den Interviewpartner, der oft mit einem deutschen Sprecher endet. Der ist dann aber zumindest gut vorbereitet, steht im Thema und ist trainiert. Dann ist es Sache des Journalisten, das große Interviewbesteck auszupacken.

8. Es hat sich bewährt, den deutschen Pressestellen von Facebook und Google ganz offen zu kommunizieren, dass zwar inhaltliche Kritik an der eigenen Berichterstattung jederzeit willkommen ist, die rein taktische Kritik ihrer "journalistischen" Hilfstruppen aber wirkungslos bleiben wird. Hinweise, dass der Sender oder das Medienhaus durchaus shitstormgewohnt sei und auch die Diskussion in den Kommentarspalten oder sozialen Medien lediglich die Reichweite erhöhen, können hilfreich sein.

...

Die Tipps von Peter Welchering sind Teil der 12-seitigen Wirtschaftsjournalist-Titelgeschichte "Die große Umarmung": Facebook und Google fördern den Journalismus - doch was bedeutet das? Außerdem: Wie ist es, wenn man den Netzgiganten auf den Zahn fühlt? Sie können den aktuellen Wirtschaftsjournalist 4/2019 in unserem Shop kaufen.

Der Wirtschaftsjournalist erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Wolfgang Messner.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.