Wie erfolgreiche Wirtschaftsberichterstattung in Regionalzeitungen geht

 

Georg-Dietrich Nixdorf, Lesewert-Coach bei "Die Mehrwertmacher", hat die Leserresonanz von Dutzenden Zeitungen ausgewertet. Mit dem aktuellen Wirtschaftsjournalist spricht er über die Ergebnisse.

Wirtschaftsjournalist: Wird der Wirtschaftsteil in Regionalzeitungen gelesen?

Georg-Dietrich Nixdorf: Da gibt es je nach Zeitung deutliche Unterschiede. Über alle untersuchten Titel hinweg ergeben sich für die Wirtschaft Lesewerte zwischen 8 und 18 Prozent. Das ist im Vergleich aller Ressorts ein unterdurchschnittliches Ergebnis, was aber nicht überrascht. Denn die Wirtschaft spricht als Zielgruppenressort, ähnlich wie Kultur und Sport, kleinere Lesergruppen an als der Lokalteil oder die Regionalseiten.

Wirtschaftsjournalist: Wie wird der Lesewert ermittelt?

Nixdorf: Aus der Kombination von zwei Größen: Dem Blickwert, der aussagt, wie viele Leser einen Artikel überhaupt wahrgenommen haben, zum Beispiel durch Überschrift und Vorspann. Hinzu kommt der Durchlesewert, der die Leseintensität widerspiegelt. Ein Lesewert ab 30, 40 Prozent gilt als sehr gut.

Wirtschaftsjournalist: Wie können Wirtschaftsthemen attraktiver werden?

Nixdorf: Durch verständliche Sprache, Alltagsrelevanz, Nutzwert. Wir haben eindeutig festgestellt, dass Wirtschaft umso besser funktioniert, je mehr die Themen mit dem normalen Leben des Lesers zu tun haben. Die Bilanz-Pressekonferenz von Unternehmen interessiert kaum, hingegen kommen Verbrauchertipps und Geldthemen mit konkreten Hinweisen gut an

Wirtschaftsjournalist: Ist die Aufbereitung wichtig?

Nixdorf: Viele Leser mögen es, wenn Texte strukturiert und erkennbar gegliedert sind, zum Beispiel durch Listicles oder in Frage-AntwortFormaten. Zudem dürfen auch Wirtschaftsthemen gerne emotional und spannend erzählt sein, von Menschen handeln.

Wirtschaftsjournalist: Und der regionale Bezug?

Nixdorf: Steigert erwiesenermaßen den Lesewert. Aber Wirtschaft aus der Region ist kein Selbstläufer, die Geschichten müssen die zuvor genannten Kriterien erfüllen.

Wirtschaftsjournalist: Haben sich die Wirtschaftsteile von Regionalzeitungen gewandelt?

Nixdorf: Ich stelle einen Trend zu mehr verbraucherorientiert aufbereiteten Themen fest. Da verändert sich tatsächlich etwas.

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Das Interview mit Georg-Dietrich Nixdorf ist in der aktuellen Wirtschaftsjournalist-Ausgabe erschienen. Die 12-seitige Titelgeschichte des Magazins dreht sich um "die große Umarmung": Facebook und Google fördern den Journalismus - doch was bedeutet das? Außerdem: Wie ist es, wenn man den Netzgiganten auf den Zahn fühlt? Sie können den aktuellen Wirtschaftsjournalist 4/2019 in unserem Shop kaufen.

Der Wirtschaftsjournalist erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Wolfgang Messner.

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