Wie Journalisten eine bessere Vorstellung von ihrem Publikum bekommen

26.08.2019
 

Journalisten haben trotz digitaler Messung der Klickraten nur eine vage Vorstellung von ihren Lesern. Dies belegt eine Studie. Was helfen kann.

Ein Forschungsteam am Tow Center für Digitaljournalismus in New York hat durch eine Fallstudie mit Lokalreportern in New York City belegt, dass Journalisten heute zwar offen sind für den Austausch mit ihrem Publikum. Aber sie haben trotz digitaler Messung der Klickraten ihrer Arbeiten eine nur vage Vorstellung von ihrem Publikum.

Journalisten orientierten sich der Studie zufolgen an denen, die man kenne: Funktionsträger, Kollegen, eigene Quellen, Familie, Bekannte; sie bildeten das Publikum im Kopf vieler Journalisten. Diese instinktive Hinwendung zum ihnen "bekannten" Publikum verknüpfe sich mit dem Hang, weniger Bekanntes zu übersehen, und erkläre auch Lücken bei Themenauswahl und Berichterstattung. Dieser Graben zwischen Vorstellung und Wirklichkeit lasse sich nur im persönlichen Gegenüber überwinden.

Die Medienwissenschaftlerin Marlis Prinzing empfiehlt in der taz: "Öffentliche Kommunikationswissenschaft kann hier helfen, in Gruppendiskussionen mit Bürgerinnen und Bürgern, Redaktionsmitgliedern und Forschern, herauszufinden, wie Nachrichten beschaffen sein müssten, um wirklich verstanden zu werden - sogenannte Citizen Science". Und es könne nützen, "wenn ein zunehmend diverses Publikum auch zunehmend divers zusammengesetzte Redaktionen als Gegenüber hat, wie eine Forschungsgruppe um Alexandra Borchert am Reuters-Institut in Oxford ausführt, weil durch gemischte Teams in einer Redaktion eher andere Sichtweisen und Zugänge dazukommen".

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