Warum Julia Jäkel Renommier-Titel abgibt

 

Die "National Geographic"-Magazine gehören mit opulenten Fotostrecken und erstklassigen Reportagen zu Vitrinenstücken, die man gerne ins Schauffenster legt. Nun lässt Gruner + Jahr unter Führung von CEO Julia Jäkel die Titel doch zu einem neuen Verlag wechseln - nach München. Wieso das?

Wie aktuell in München bekannt wurde, haben National Geographic und das Verlagshaus GeraNova Bruckmann (GNB) einen mehrjährigen Lizenzvertrag abgeschlossen. Er greift zum 1. Januar 2020. GNB wird damit - vorbehaltlich einer behördlichen Genehmigung - neuer Lizenznehmer und Herausgeber der deutschsprachigen Ausgaben von "National Geographic Magazin", von "National Geographic Traveler Magazin" und der "National Geographic Special Editions". Außerdem soll der Münchner Verlag - wie bereits bisher - deutschsprachige Bücher unter der renommierten Marke verbreiten dürfen.

Bislang erschienen die "National Geographic"-Magazine in Hamburg bei Gruner + Jahr. Schon zu Jahresbeginn war bekannt geworden, dass G+J den Antrag auf Verlängerung des Lizenzverlags auslaufen lassen wird. Bei Gruner + Jahr soll auch in Zukunft die Anzeigenvermarktung bleiben. Allerdings wird GeraNova Bruckmann eine neue Redaktion aufbauen müssen.

Für die Abonennten der Titel soll sich nichts ändern. Sie werden - sobald das Bundeskartellamt dem Deal offiziell zugestimmt hat - ihre Magazine auch nach dem 1. Januar 2020 wie gewohnt erhalten.

Ab Oktober 2018 war G+J mit dem Kartellamt zu einer Verlängerung der Lizenz im Gespräch, zog im Januar 2019 jedoch seinen Antrag zurück, nachdem das Kartellamt Bedenken wegen der vermeintlich überragenden Marktposition von G+J bei den Wissensmagazinen angemeldet hatte, heißt es bei dem Hambuzrger Verlag. "G+J wird sich nun ganz auf den weiteren Ausbau der GEO- und P.M.-Markenfamilie konzentrieren."

Alexander Schwerin, Geschäftsführer National Geographic Deutschland, sagt aktuell bei Gruner und Jahr. "'Inspiring people to care about the planet' hat sich National Geographic über Jahre als weltweite Mission auf die Fahne geschrieben. Und gilt damit als Vorreiter für eine Bewegung, die heute auch in der Breite angekommen und aktueller denn je ist. Diese Einstellung hat G+J immer geteilt und unterstützt, auch deshalb haben wir National Geographic in Deutschland viele Jahre mit großer Freude und Leidenschaft verlegt. Wir waren Teil einer weltweiten Gemeinschaft, haben die Marke gelebt und hätten natürlich gern noch weitergemacht. Wir haben hart um die Lizenz gekämpft, letztlich hat uns das Kartellamt aber keinen Raum gelassen. Wir bedauern sehr, dass damit eine 20-jährige erfolgreiche Zusammenarbeit enden wird. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, mich an dieser Stelle bei allen Kolleginnen zu bedanken, die seit 1999 an dieser großartigen Marke und ihren Produkten in Deutschland mitgearbeitet haben", so Schwerin.

Und wie geht es bei G+J mit der Redaktion weiter? "Seit Jahresbeginn bemühen sich die Chefredaktion und die Personalabteilung zusammen mit den zwölf Redaktionsmitarbeiter*innen um andere Einsatzmöglichkeiten innerhalb des Verlags. In einigen Fällen ist dies bereits gelungen", heißt es nun in Hamburg.

Hintergrund: Im Kartellrecht liegt auch der Anlass für den Lizenzwechsel von G+J zu GeraNova Bruckmann unter Führung von GNB-Verleger Clemens Schüssler. Weil bei dem Hamburger Großverlag bekanntlich auch schon seit langem die Marken "Geo" und "PM" erscheinen, war kartellrechtlich eine Marktdominanz durch G+J auf dem Markt der Wissensmagazine zu befürchten. Nun landen die Titel bei GNB bei einem Verlag, der sich sonst stärker unter anderem mit Tourismus-, Kochen- und Sport-Themen befasst.

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