Was Ex-ARD-Chefredakteur Kai Gniffke als SWR-Intendant plant

 

Kai Gniffke, neuer SWR-Intendant und damit Nachfolger von Peter Boudgoust, möchte sein Haus zu einem "Motor der Digitalisierung und Innovation der ARD" machen. Einschnitte bei den Produktionskosten und auch bei den Team-Stärken schließt er nicht aus.

Baden-Baden, neben Stuttgart und Mainz, einer der drei Standorte der noch immer etwas unübersichtlichen ARD-Anstalt im Südwesten, möchte der ehemalige Chefredakteur von "ARD-aktuell" zu einem Innovationszentrum machen. "Es gibt beim SWR in Baden-Baden bereits eine kleine Einheit, die sich um Radio von morgen kümmert, also beispielsweise um neue Anwendungen für Sprachassistenten oder Audio in selbstfahrenden Autos", sagte Gniffke in einem aktuellen dpa-Interview, das man als eine Art Regierungserklärung verstehen kann. "Darauf möchte ich aufsetzen."

"Zudem gibt es in Baden-Baden eine relativ gut ausgebaute Produktionsinfrastruktur. Ich wünschte mir, dass wir sie nutzen, um kreativen Menschen die Möglichkeit zu geben, Formate auszuprobieren", so der neue SWR-Intendant. "So ähnlich wie die Youtube-Spaces, die es weltweit gibt. Dazu wollen wir Menschen aus dem eigenen Haus einladen, aber auch von außen."

Dabei schweben Kai Gniffke unter anderem Kooperationen mit der Hochschulszene in den SWR-Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor. Für einen Austausch könnte die ARD-Anstalt den Studenten High-End-Produktionskapazitäten zu Verfügung stellen. "Wer 10.000 Follower hat, kriegt es einen Tag. Wer 100.000 Follower hat, kriegt es eine Woche", spielte Gniffke im dpa-Gespräch einen ersten Gedanken durch. "Wir müssen uns auch mit der Start-up-Szene enger vernetzen."

Nicht weiter verwunderlich, wenn man auf seinen journalistischen Hintergrund und der Arbeit für "Tagesschau" und "Tagesthemen" blickt: Gniffke möchte die Relevanz im SWR-Programm stärken. "Information ist unser Kern, regionale Information ist es noch mehr", so der neue Intendant. "Deshalb ist es eines meiner Ziele, im Fernsehen früher Nachrichten anzubieten, als wir es jetzt haben." Aktuell starten die SWR-Nachrichten um 16.00 Uhr. "Im Interesse des Publikums wünsche ich mir frühere Nachrichten", so Gniffke zu dpa.

Klar ist dem neuen SWR-Strippenzieher allerdings auch, dass er Akzente setzen - und gleichzeitig haushalten - muss. "Wir möchten in Journalismus investieren. Und wenn unsere Ressourcen gleich bleiben - und das werden sie bestenfalls tun, mehr werden es bestimmt nicht -, dann müssen wir umschichten", sagte Kai Gniffke.

"Wir sollten nicht ins Programm schneiden, sondern wir müssen deutlich günstiger produzieren." Wie das geschehen soll? Gniffke schlägt eine Absenkung der Produktionsstandards vor, wo sie möglich ist. "Was machen wir noch mit einem großen Ü-Wagen und wo reicht ein Smartphone zur Übertragung", fragt er im Interview.

Einschnitte könnte es auch bei laufenden SWR-Formaten geben. "Bei der Produktion von täglichen Sendungen und Magazinen brauchen Sie nicht immer zehn Menschen", so Gniffke zu dpa. "Das können Sie manchmal auch mit deutlich weniger machen. Die Differenz will ich in Journalismus investieren."

Hintergrund: Kai Gniffke, geboren am 20. November 1960 in Frankfurt am Main, wurde im Mai im zweiten Wahlgang zum neuen SWR-Intendanten gewählt. Sein Amt tritt er zum 1. September an. Den Sender kennt er bereits gut - aus früheren Karrierestationen: Nach seinem Studium der Politikwissenschaft ging Gniffke einst als Reporter zum SWR. Von 2003 bis 2019 war das SPD-Mitglied Chefredakteur von "ARD-aktuell" in Hamburg.

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Karl-Erich Weber

Karl-Erich Weber

PCpress
Freier Journalist, Kolumnist, Autor, Redakteur

30.08.2019
!

Wie man sieht, kann der Aufstieg aus der Redaktion auch deren Ende bedeuten. Wer in Digitalisierung investiert statt in Menschen, hat das mit der Zielgruppe nicht so recht verstanden. Aber das hat die SPD ja auch nicht.


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