Staatsbürgerliche Pflicht: Bild-Chefredakteur Reichelt über Metzelder-Berichte

10.09.2019
 

Die Bild-Zeitung berichtete vergangene Woche exklusiv über eine Razzia bei Christoph Metzelder. Mit den Artikeln über den ehemaligen Fußballprofi habe sich seine Zeitung nicht schuldig gemacht, sagt Bild-Chefredakteur Julian Reichelt nun in einem Interview. Die Bild sei "staatsbürgerlichen Pflichten" nachgekommen.

"Es ist grundsätzlich so, dass wir Quellen, die möglicherweise von strafrechtlich relevanten Vorgängen wissen, dass wir diesen Quellen raten, sich an die Polizei zu wenden. Das ist unser grundsätzliches Vorgehen. Das hat auch nichts mit der Arbeit von Medien zu tun, sondern das ist aus meiner Sicht eine staatsbürgerliche Pflicht, dass wenn man von möglicherweise schweren Straftaten erfährt, dass man diese Verdachtsmomente der Polizei meldet", so Bild-Chefredakteur Julian Reichelt in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Das Vorgehen sei von den journalistischen Vorgängen völlig getrennt.

Reichelt bestreitet, dass es "einen Deal" zwischen der Bild-Zeitung und den Sicherheitsbehörden gegeben habe. Eine Vorverurteilung sieht Reichelt nicht. Er spricht vielmehr von Verdachtsberichterstattung.

Auf die Frage, warum er Christoph Metzelders Namen sofort veröffentlicht habe, antwortet Reichelt: "Weil die Durchsuchungsmaßnahmen in aller Öffentlichkeit stattgefunden haben, bei einem nicht nur deutschlandweit national bekannten, sondern weltbekannten Fußballstar, weil diese Durchsuchungsmaßnahmen in Anwesenheit von zum Beispiel anderen ehemaligen Bundesliga-Profis stattgefunden haben, weil davon absolut auszugehen ist, dass mediale Aufmerksamkeit dort innerhalb kürzester Zeit stattfindet, dass die Durchsuchungsmaßnahmen in seinem Haus, in einer Nachbarschaft stattgefunden haben, wo einfach jeder ihn kennt." Eine Verkürzung des Namens hätte aus Reichelts Sicht in diesem Fall keinerlei schützenden Effekt gehabt. "Im Gegenteil: Das hätte die Spekulationen darüber, um wen handelt es sich denn da, warum wird denn über den jetzt abgekürzt berichtet, wird da vielleicht etwas verborgen, massivst befeuert. Und dadurch das, was die große Sorge aller Kritiker ist, nämlich Vorverurteilung, vermutlich eher noch beschleunigt als gedämpft", betont der Bild-Chefredakteur. 

Hintergrund: Die Hamburger Polizei bestätigte am vergangenen Donnerstag, dass es die Bild-Zeitung war, die sie über den Verdacht gegen Christoph Metzelder informiert habe. Daraufhin habe die Polizei Ermittlungen eingeleitet und sei mit einer Zeugin in Kontakt getreten.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte mitgeteilt, dass gegen Metzelder wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wird. Bislang hat der Vize-Weltmeister zu den Vorwürfen geschwiegen. Die von ihm mitgegründete PR-Agentur Brinkert Metzelder verließ Metzelder nach Bekanntwerden der Vorwürfe.

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Ihre Kommentare
Kopf

Andreas Oetker-Kast

10.09.2019
!

Die einzige staatsbürgerliche Pflicht in Zusammenhang mit dieser Zeitung wäre, das Blatt konsequent zu ignorieren und zu boykottieren und damit dafür zu sorgen, dass es eingeht. Bild Zeitung und Glaubwürdigkeit sind ein Widerspruch in sich.


Setzfehler

11.09.2019
!

Seine Sprache ist ja so schlecht, wie die sonstige Qualität des Blatts.


Rudolf Kowalski

11.09.2019
!

Leider weiß die überwiegende Mehrheit der Leser*innen nicht, wie mit dem Begriff eines "Anfangsverdachts" umzugehen ist. Somit ist nach einer solchen sensatzionslüsternen Berichterstattung die Vorverurteilung in vollem Gange. Neben der Judikative, der Exikutive und der Legislative hat die freie Presse nicht nur die Pflicht zur Berichterstattung, sondern noch viel mehr die Pflicht, zur Hinterfragung von Fakten, BEVOR diese enfach stumpf veröffentlicht werden.


Rudolf Kowalski

11.09.2019
!

Nachtrag: Im Grundgesetz ist das Informationsrecht und die -pflicht verankert. Von sensationslüsterner Verbreitung von Halbwahrheiten steht dort nichts. Die Presse sollte mit ihrer Verantwortung als "vierte Kraft" verantwortungsvoller umgehen.


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