Springer-Chef Döpfner: Wir werden eher bei den Häuptlingen als den Indianern sparen

16.09.2019
 

"Das ist ein großer Schnitt": Vorstandschef Mathias Döpfner präzisiert in einem Interview den angekündigten Umbau bei Axel Springer. Friede Springer erklärt, dass sie die "Welt" mehr liebe als die "Bild".

Springer-Chef Mathias Döpfner hat zuletzt in einem Schreiben an die Mitarbeiter Umbau- und Kostenmaßnahmen angekündigt "in den Bereichen, die nicht wachsen". Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt er, was das genau heißt: "Auch in den vergangenen 15 Jahren haben wir immer wieder restrukturiert und Kosten angepasst. [...] In der Vergangenheit hatten wir aber immer eine Limitierung: Die Kosten für Veränderung durften nicht zu hoch sein, um nicht das nächste Quartalsergebnis zu verderben. Also mussten wir die Maßnahmen scheibchenweise durchführen und auf einen längeren Zeitraum verteilen, das war für die Mitarbeiter schlecht, denn die wollen sofort Klarheit. Jetzt können wir alles, was sinnvoll ist, schneller machen", so Döpfner. Das Vorgehen sei dann nicht nur unternehmerischer, sondern auch ehrlicher. Denn Fairness und soziale Verantwortung blieben weiter Springers Maßstab.

"Das klingt nicht nur nach einem großen Schnitt, das ist einer", macht Döpfner deutlich. Umbau und Wandel seien die Voraussetzung für Wachstum und Erfolg. "Wir haben in Summe - anders als fast alle Medienunternehmen - pro Jahr die Anzahl der Arbeitsplätze erhöht. 2004 arbeiteten für Axel Springer etwa 10 000 Mitarbeiter. Heute 16 000".

Welche Bereiche die Veränderungen treffen, "kann" Döpfner noch nicht sagen. Nur so viel: "Wo digitales Wachstum gelingt, werden wir investieren und Mitarbeiter einstellen oder umlernen, wo möglich. Wo strukturell Umsatzrückgang herrscht, müssen wir restrukturieren und Arbeitsplätze abbauen. Es wird eine Umschichtung geben." An die Mitarbeiter gerichtet: "Wer leidenschaftlich und kompetent ist, hat hier eine spannende Zukunft. Exzellente Mitarbeiter sind unser Kapital. In Summe werden wir Arbeitsplätze aufbauen."

Von dem großen Schnitt sind die Zeitungen Welt und Bild, die Druckereien, die Zeitschriften betroffen - "alles", betont Döpfner im "SZ"-Interview. Zu möglichen Auswirkungen auf die Chefredaktion der "Bild"-Zeitung sagt er: "Ich bin mit der Chefredaktion von Bild und Welt extrem zufrieden, da wird es vielleicht Verkleinerungen, aber keine spektakulären Änderungen geben. Grundsätzlich aber gilt: Wir werden eher bei den Häuptlingen als bei den Indianern sparen. Wir verschlanken die Hierarchien."

Das Unternehmen wolle auf allen Feldern finanziell erfolgreich sein. "Zur "Welt" wollten wir uns aber besonders ausdrücklich bekennen", hebt Döpfner erneut hervor. "Auch wenn sie nicht zur Steigerung der Durchschnittsrendite des Hauses beiträgt, ist sie ein essenzieller Teil von Axel Springer." Die Sicherheit der Welt-Gruppe sei heute größer, als sie je in den vergangenen Jahrzehnten gewesen sei.

Sie liebe die "Welt", mehr noch als die "Bild"-Zeitung, sagt Friede Springer in dem gemeinsamen Interview mit der "Süddeutschen", an dem auch Johannes Huth von der Investmentfirma KKR teilgenommen hat. Nach Überzeugung von Friede Springer wird das Medienunternehmen die gedruckten Ausgaben nicht irgendwann einstellen: "Das wird nicht passieren. Allein das Rascheln des Papiers - wunderbar! Ich lese jeden Tag gedruckte Zeitungen, es geht gar nicht ohne, ich habe die alle morgens um fünf im Briefkasten", sagte die Witwe von Verlagsgründer Axel Springer.

Hauptaktionärin Friede Springer wird nach dem Einstieg von KKR mit dem Finanzinvestor auf "Augenhöhe" agieren, wie ihr Vorstandschef Döpfner gegenüber der "SZ" noch mal deutlich macht. KKR könne nicht ohne Frau Springer entscheiden und andersherum. "Es wird gemeinsam entschieden", sagt Friede Springer.

Hintergrund: KKR hat mehr als 40% der Springer-Anteile erworben (kress.de berichtete). Der Vollzug des Angebots steht weiterhin unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher, außenwirtschaftsrechtlicher und medienkonzentrationsrechtlicher Freigaben. Der Abschluss der Transaktion wird in den nächsten Monaten erwartet.

Mit dem Engagement von KKR sinkt der Streubesitz der Springer-Aktien deutlich. Die Witwe des Verlagsgründers, Friede Springer, und Vorstandschef Döpfner haben mit KKR vereinbart, dass sie ihre Beteiligungen behalten. Die Witwe kontrolliert 42,6 Prozent der Anteile, Döpfner hält 2,8 Prozent. Die Springer-Enkel Ariane und Axel Sven Springer hielten bisher knapp 10 Prozent und haben davon jetzt 3,7 Prozent an KKR verkauft (kress.de berichtete).

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.