Berliner Verleger Silke und Holger Friedrich: Wir sind branchenfremd, aber sehen das als Chance

19.09.2019
 

Ein Berliner Ehepaar aus der Bildungs- und Technologie-Branche ist neuer Eigentümer des Berliner Verlags. In einem Interview sprechen Silke und Holger Friedrich über Jeff Bezos, über die Kompetenz der Zukunft und ihr Engagement für Print.

Die neuen Eigentümer des Berliner Verlags sehen sich nicht auf den Spuren von Jeff Bezos, der die Washington Post gekauft hat. "Wir machen das nicht aus einem Mäzenatentum, sondern aus einem bürgerlichen Engagement heraus und weil unser Ehrgeiz angestachelt ist", sagt Holger Friedrich im Interview mit der Berliner Zeitung, die wie der Berliner Kurier und Berliner Abendblatt zum Berliner Verlag gehören. Geld verdienen wolle man mit dem Engagement aber auch. "Wir wollen erfolgreich sein", betont Silke Friedrich. "Wir sind branchenfremd, aber wir sehen das als absolutes Potenzial, als Chance für den Verlag, für uns und für die Branche, in der wir uns bewegen. Wir wollen eintauchen und uns vertiefen, lernen, uns austauschen mit anderen. Das ist die Kompetenz der Zukunft. Wir glauben nicht, dass wir die besten Verleger sind, aber dafür haben wir ja ein tolles Team." Die Friedrichs sehen es als ihre Aufgabe, Leute zusammenzubringen und "kraftschlüssig aufzustellen": "Wir wollen das System befruchten. Wenn die Branche in einer Selbstfindungskrise ist, möchten wir zur Selbstfindung beitragen. Wir glauben nicht an den Abgesang des Journalismus. Ganz im Gegenteil, wir brauchen gute Medien und zwar meinungsstark, reflektiert, faktenorientiert als Navigation in dieser unfassbar komplexen Welt."

In dem Interview mit der Berliner Zeitung spricht Holger Friedrich auch über sein Technik- und Medienverständnis: "In 5000 Jahren Kulturgeschichte haben wir gelernt, wer das bessere Werkzeug hat, hat einen Effizienzvorteil. Wir haben aber zurzeit keine Diskussion über den Einsatz der effizientesten Technologie für die beste Idee. Es wird nicht gefragt, wie wir Technologie im positiven Sinne für unser Leben einsetzen können, auch im Verlagswesen. Wenn Sie sich selber fragen, was Sie lesen, wird das mal Print sein, meistens aber Digital. Also müssen wir uns fragen, wie können wir das versöhnen." Für Holger Friedrich muss der Inhalt jederzeit aktuell an jedem Ort mit niedrigschwelligem Zugang zur Verfügung stehen. Sodass man jederzeit in jedem Kanal publiziere: "Ein Kanal ist print, und dort bitte richtig gut, der andere ist digital."

Silke und Holger Friedrich haben bereits das Druckhaus des Verlags in Lichtenberg besucht: "Wir wollten ein Zeichen setzen. Das gedruckte Wort jetzt einfach in die Ecke zu schieben, halte ich für falsch. Es muss eine Rückkopplung geben. Wir werden dafür sorgen, dass dieses Druckhaus ausgelastet wird, vielleicht nicht nur mit Produkten des Berliner Verlages", kündigen sie an.

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