Angst in der roten Gruppe: Wie hart werden die Einschnitte bei Bild?

 

Wegen sinkender Erlöse und des Einstiegs von KKR bei Springer befürchten Mitarbeiter bei "Bild" Einschnitte. Eine Analyse von Chefredakteur Markus Wiegand in "kress pro".

Die Stimmung bei "Bild" war auch schon besser. Quartal für Quartal können die Mitarbeiter sehen, wie der Print-Absatz nach unten rauscht. Im zweiten Quartal sank der Einzelverkauf (Mo.-Sa., inkl. "B.Z.") im Vergleich zum Vorjahr laut IVW wieder einmal um deutliche 10,6 Prozent auf 1,27 Mio. Exemplare. Die Schwäche am Kiosk ist mehr als eine Momentaufnahme: Vor drei Jahren setzte Bild (Q2/2016) im Einzelverkauf noch 1,77 Mio. Zeitungen ab. Das entspricht einem Rückgang von 28,3 Prozent oder 500.000 verkauften Zeitungen täglich und sorgt für empfindliche Millionen-Einbußen bei den Vertriebserlösen. Das Minus kann mit der steigenden Zahl der Digital-Abos nicht gestopft werden. Zwischen Juli 2016 und Juli 2019 verzeichnete Bild Digital nur einen Zuwachs um 115.000 auf rund 440.000 tägliche Nutzungsrechte.

Auch aus dem Werbegeschäft kommt kein Rückenwind. Der Springer-Halbjahresbericht notiert für den Bereich News Media National (in dem das journalistische Geschäft inkl. "Welt" gebündelt wird) ein Minus von 16,3 Prozent bei den Werbeerlösen im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Vertriebserlösen beträgt das Minus 4,6 Prozent. Insgesamt fehlen Springer im nationalen Mediengeschäft 45,7 Millionen Euro (bei einem Umsatz von 480,1 Mio. Euro). Ein beträchtlicher Teil dürfte auf das Konto der roten Bild-Gruppe gehen. Die sinkenden Erlöse im Traditionsgeschäft befeuern im Haus die Befürchtungen, dass Bild vor einer deutlichen Sparrunde steht. Ein Drittel der Jobs bei Bild oder bis zu 200 Stellen könnten gefährdet sein, heißt es in Mitarbeiterkreisen. Und der Einstieg von Finanzinvestor KKR trägt nicht zur Beruhigung der Lage bei.

Auf die Frage, ob es Pläne gibt, das Personal in den Redaktionen zu reduzieren, teilt Bild-Sprecher Christian Senft mit: "Was unsere Pläne betrifft, werden wir auch weiterhin in Wachstum investieren und gleichzeitig auf ein professionelles Kostenmanagement achten."

Spielraum für Kostensenkungen sehen selbst Mitarbeiter, die von Einschnitten betroffen wären. Denn teils gibt es immer noch feudale Strukturen bei Deutschlands größter Zeitung. So listet das Impressum für die Chefredaktion inzwischen 14 Mitglieder auf. In diesem Jahr erweiterte Bild-Chef Julian Reichelt seine Führungscrew um drei weitere Stellen.

Gespart werden soll offenbar woanders. In der Vergangenheit, so berichtet eine Führungskraft, seien Einschnitte an den regionalen Standorten geplant, aber wieder verworfen worden. Auch eine Zentralisierung der Produktion der Regionalteile war offenbar im Gespräch. Potenzial für Kostensenkungen würde auch eine Zusammenlegung oder stärkere Verzahnung der Redaktionen von "Bild" und "Bild am Sonntag" bieten. Bisher werden beide weitgehend autonom geführt. Dabei sind "Bild"-Chef Julian Reichelt und "Bild am Sonntag"-Chefin Marion Horn nicht durch innige Zweisamkeit oder den Hang zu übertriebener Kooperation aufgefallen. Nur die Sportredaktion arbeitet schon für beide Titel.

Gegen allzu drastische Schritte bei der roten Gruppe spricht, dass die Rendite im ersten Halbjahr noch in Ordnung war, jedenfalls verglichen mit anderen in der Branche. Springer wies im Halbjahresbericht für das Segment News Media National eine Ebitda-Marge (vor Steuern und Abschreibungen) von 13,1 Prozent aus. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 15,4 Prozent. Gespart werden müsse angesichts der Erlösschwäche ohnehin, sagt eine Führungskraft im Haus, auch ohne den KKR-Einstieg. Durch den Einstieg des Investors kämen die Schritte aber womöglich schneller.

Update: In einem in dieser Woche veröffentlichten SZ-Interview hat Springer-Chef Mathias Döpfner von einem "großen Schnitt" gesprochen und den angekündigten Stellenabbau bei Axel Springer präzisiert (kress.de berichtete).

Die Analyse von Chefredakteur Markus Wiegand stammt aus der kress pro-Ausgabe 7/2019, die Anfang September erschienen ist. Sie können das aktuelle kress pro in unserem Shop kaufen. Dort gibt es auch große Interviews mit Gabor Steingart und Klaus Brinkbäumer, das Ranking "Die besten TV-Manager Deutschlands", ein Bericht über die neue Google-Stellensuche und das Dossier: "Wie die Badische Zeitung erfolgreich Digital-Abos verkauft".  

Ein kress pro-Abo können Sie in unserem Shop ebenfalls abschließen. Sie sind bereits Abonnent? Dann loggen Sie sich bitte unter Mein kress ein und lesen das aktuelle E-Paper.

kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.