Warum sich Zeit-Chefredakteur di Lorenzo mehr Antikonformisten wünscht

27.09.2019
 

Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenz hat auf den Medientagen in Wien die Keynote gehalten und dabei auch für Diversität in den Redaktionen und ein Verhältnis zum Leser "auf Augenhöhe" plädiert.

Di Lorenzo sprach in Wien laut einem Bericht des österreichischen Standard vom neuen Streitressort bei der Zeit: "Wir müssen wahnsinnig aufpassen, dass wir die richtigen Perspektiven einnehmen", wird der Zeit-Chefredakteur zitiert. Di Lorenzo habe ein Beispiel zur Frage "Darf man SUV als moralisch integerer Mensch noch fahren?" genannt: "Wir haben einen Feuerwehrmann gesucht, der selber SUV-Fahrer ist und schon reichlich Unfallopfer aus Autos rausgezogen hat, meistens aus Kleinwägen. Das sind die Perspektiven, die wir einnehmen müssen."

Zu den Lesern habe man ein neues Verhältnis "auf Augenhöhe" gefunden. Stärkere Leserbindung finde etwa durch Lesertreffen statt, einmal jährlich hält die Zeit ein "Leserparlament" hab. "Die Redakteurinnen und Redakteure sind überrascht und begeistert, was für tolle Leserinnen sie haben", so di Lorenzo dem Standard zufolge.

Diversifizierung in der Redaktion sei ein weiteres Geheimnis des Erfolges, habe di Lorenzo referiert. Man habe gezielt Redakteure mit Migrationshintergrund gesucht, der Frauenanteil betrage im gesamten Verlag 47 Prozent, in der obersten Führungsebene 50 Prozent.

Ein Trend gefalle di Lorenzo weniger, "eine gewisse Homogenität der politischen Sozialisation der Kolleginnen und Kollegen, gerade unter den jungen Kolleginnen und Kollegen". Da wolle er mehr "atypische Leute finden". "Niemand möchte bei uns einen Rechtspopulisten einstellen, aber ein paar Antikonformisten würden uns guttun", so di Lorenzo. Er vermisse "Menschen mit holprigen Biografien, deren Lebenslauf auch Brüche aufweist".

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