Gabor Steingart: Mathias Döpfner ist wie ich im Herzen ein Contrarian

 

Media-Pioneer-Gründer Gabor Steingart spricht im Titelinterview in kress pro über den Einstieg von Axel Springer, über möglichen Druck durch den Finanzinvestor KKR und seine besondere Verbindung zu Mathias Döpfner. 

kress pro: Mussten Sie Springer überzeugen, die Vermarktung zu lassen?

Gabor Steingart: Nein. Ich wollte Springer ja nicht davon überzeugen, auf die eigene Vermarktung zu verzichten. Wir als Projekt Pioneer sind das, was man im Englischen als Contrarian bezeichnet. Wir entwickeln unser Projekt gegen den Markt und gegen den Mainstream. Sie sagen: Anzeigen. Wir machen es ohne. Die ARD sagt: Programmschema mit der Tagesschau um 20 Uhr. Wir machen es ohne diese Linearität. Ihr Chefredakteurs-Stuhl steht in einem Verlagshaus. Unsere bewegen sich auf dem Wasser. Mathias Döpfner ist wie ich im Herzen ein Contrarian.

kress pro: Ändert sich was durch den Springer-Einstieg?

Steingart: Ja, die Finanzkraft.

kress pro: Haben Sie mehr Druck?

Steingart: Nein, wieso?

kress pro: Durch den Einstieg des Finanzinvestors KKR möchte Springer womöglich schneller Erfolge sehen.

Steingart: Dafür sind wir zu klein. Springer ist ein Milliardenkonzern und wir eine Minderheitsbeteiligung unter vielen. Ich habe bisher nicht registriert, dass KKR sich für uns überhaupt interessiert hat. Aber vielleicht sollten die Damen und Herrn mal bei uns im Studio vorbeischauen. Das wäre mir Freude und Ehre zugleich. Nein, den Druck machen wir uns selbst. Wird es gelingen? Das weiß ich doch auch nicht, Herr Wiegand. Woher soll ich das wissen? Die Stunde der Wahrheit kommt, und zwar dann, wenn wir tatsächlich Geld verlangen für das, was wir tun.

kress pro: Wann wird das sein?

Steingart: Im nächsten Jahr, etwa zu Beginn des zweiten Quartals. Bis dahin wird das Schiff auf dem Wasser sein, die Mannschaft ist dann an Bord und die Technologie einsatzbereit.

kress pro: Stimmt es, dass Springer der einzige ernsthafte Interessent war?

Steingart: Mein Team hat mit verschiedenen Verlagen gesprochen und am Ende dieser Gespräche haben wir uns bewusst für Axel Springer entschieden, auch wenn unsere anderen Gesprächspartner ebenfalls mit sehr viel Leidenschaft dabei waren. Das war das beglückende Erlebnis dieser Gespräche: Es gibt nach wie vor ein großes Interesse für echten Journalismus in Deutschland.

kress pro: Warum dann Springer?

Steingart: Springer besitzt im harten Nachrichten- und Meinungsjournalismus die größte Erfahrung und die wichtigsten Truppen. Eine wehrhafte Rechtsabteilung, eine Standleitung in alle Hauptstädte, einen funktionierenden Fernsehsender und jede Menge profilierte Journalisten, von Stefan Aust über Dagmar Rosenfeld, Robin Alexander und Ulf Poschardt bis zu Julian Reichelt, Marion Horn und Paul Ronzheimer. Und auch der Konzern-Chef selbst ist ein leidenschaftlicher Publizist. Ein wichtiger Punkt war auch, dass wir das Unternehmen Media Pioneer in eine AG umwandeln und die Leser zu Aktionären machen wollen. Etwa 10 Prozent der Anteile werden wir an interessierte Bürger abgeben. So etwas müssen Profis organisieren und die hat Springer durch seine Investor-Relations-Abteilung und sein Listing an der Börse.

Wie Steingart den Journalismus neu erfinden und damit Geld verdienen will, was er zum Rauswurf bei Dieter von Holtzbrinck und über die großen Widersprüche in seiner Laufbahn sagt und wie er auf seine Karriere zurückblickt, in der es immer wieder scharfe Brüche gab ("Ich habe Erfahrung im Gefeuertwerden").

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