Exklusiv: Das sind Condé Nasts neue Markenbosse

 

Die neue Deutschland-Chefin Jessica Peppel-Schulz macht drei langjährige Chefredakteure zu "Markenverantwortlichen" - mit weitreichenden Befugnissen. Nach kress.de-Infos müssen zwei Top-Posten noch besetzt werden.

Dem in München ansässige Luxustitel-Verlag, der nach Angaben von Deutschland-Chefin Jessica Peppel-Schulz tief in den roten Zahlen steckt, steht ein harter Change-Prozess bevor. Um das Haus mit den starken Print-Marken "Vogue", "Glamour", "GQ" und "AD" wieder profitabel zu machen, hat Peppel-Schulz jetzt ihren Fünf-Jahres-Plan vorgestellt, der die Abhängigkeit des Hauses von den Print-Titeln lösen und damit die Probleme mit stark rückläufigen Auflagen ("Glamour") kompensieren soll.

Im Zuge der Veränderungen, die in der ersten Hausaufgaben-Machen-Phase unter dem programmatischen Motto "Back in a Steady Position" steht, führt Peppel-Schulz vier neue zentrale Führungspositionen ein, die von den bisherigen Chefredakteuren Christiane Arp ("Vogue"), Andrea Ketterer ("Glamour") und Oliver Jahn ("AD") übernommen werden, die angeblich alle bewiesen haben, dass sie über die reinen Print-Tellerrand hinausblicken können.

Die drei bisherigen langjährigen Print-Chefredakteure erhalten deutlich erweiterte, "holistische" Aufgaben, wie Jessica Peppel-Schulz ankündigt. Sie werden künftig nicht nur die dann zusammengelegten Print- und Online-Redaktionen ihrer jeweiligen Marken führen, sondern sollen sich auch um Aktivitäten in den neuen Geschäftsfeldern etwa mit forcierten Marken-Veranstaltungen, Beratungsdienstleistungen, aber auch Education-Angeboten kümmern. Vorbild sind etwa Condé-Nast-Colleges in London und Spanien.

Um ihre neuen Aufgaben auch zeitlich besser ausfüllen zu können, soll die Frequenz einzelner Titel reduziert werden. Vom Männertitel "GQ" und von der Frauenzeitschrift "Glamour" sollen 2020 noch elf, ab dem Jahr 2021 nur noch zehn Ausgaben erscheinen.

Nach dem Abgang von "GQ"-Chefredakteur Tom Junkersdorf, exklusiv gemeldet von kress.de, der den neuen Kurs nicht mittragen wird, lässt Peppel-Schulz aktuell nach einem vierten Markenverantwortlichen suchen. Dabei könne auch eine weibliche Führungskraft zum Zuge kommen, hieß es in München.

Nach kress.de-Infos muss Jessica Peppel-Schulz eine weitere Top-Position in ihrem umstrukturierten Haus, für das derzeit unter anderem auch neue Sitzpläne und Arbeitsprozesse entworfen werden, noch besetzen: Neu gegründet hat die Geschäftsführerin die Einheit "CNX", die als zentrale Service-Dienstleistung nicht nur die Vermarktung der Titel sowohl in Print als auch digital übernehmen soll, sondern intern wie für externe Kunden Markeninszenierungen leisten wird. In CNX, einer Einheit, die sich als Marken-Agentur versteht und die bislang ohne personelle Spitze dasteht, geht dann unter anderem auch die bisherige Condé Nast-"Manufaktur" auf.

Laut dem Fünf-Jahres-Plan von Peppel-Schulz soll die Profitabilität des Hauses wieder im Jahr 2023 erreicht werden. Bislang mache das Print-Geschäft noch 80 Prozent des Umsatzes aus. In fünf Jahren soll der Anteil bei nur noch einem Drittel liegen. "Wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht", sagt Jessica Peppel-Schulz zur Ausgangslage in einem Unternehmen, das sie von Moritz von Laffert übernahm. "Condé Nast ist nicht profitabel, wir machen Verluste." Wie hoch die aktuell liegen, wollte sie in München nicht sagen.

Zu den Personen: Christiane Arp ist seit 2003 Chefredakteurin der deutschen Vogue. Zuvor war sie u.a. Leiterin des Moderessorts bei Für Sie, Modechefin bei Amica und Ressortleiterin Mode beim stern. 

Oliver Jahn arbeitete zunächst beim Suhrkamp Verlag in Frankfurt und für die Kunstzeitschrift Monopol, bevor er 2006 bei AD begann - zunächst als Ressortleiter für Architektur und Design, dann als stellvertretender Chefredakteur. Im Juli 2011 stieg Jahn zum Chefredakteur auf.

Andrea Ketterer wirkt seit 2008 als Chefredakteurin von Glamour. Schon 2004 trat sie in die Redaktion ein, erst als Textchefin, später als stellvertretende Chefredakteurin. Ketterer war vor ihrer Zeit bei Condé Nast über zehn Jahre für die MVG Medienverlagsgesellschaft tätig, unter anderem als Ressortleiterin und stellvertretende Chefredakteurin von Cosmopolitan, später als Chefredakteurin von Joy.

Jessica Peppel-Schulz, die bereits für Unternehmen wie HanseNet und Kabel BW gearbeitet hatte, bislang aber noch nie für einen Verlag, hatte zuletzt als UDG-Chefin die Digitalagenturgruppe durch einen Change-Prozess geführt. Sie trat ihren Posten als neue Deutschland-Geschäftsführerin von Condé Nast im April an.

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