Warum Zeit-Chef Rainer Esser vor Google und Facebook den Hut zieht

04.10.2019
 

Rainer Esser will sich nicht einreihen in die Angriffsformation vieler Verleger und Medienmacher gegen Google und Facebook. Sie bringen eine Menge Onlinezugriffe, erinnert der Zeit-Geschäftsführer.

"Was wir sehen ist, dass uns Google und Facebook auf unseren Portalen Zeit Online, academics und ze:tt nicht unerheblichen Traffic bringen", sagt Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser in einem Interview mit dem österreichischen Standard.

Die Zugriffe via Google liegen laut Esser in der Spitze bei 30 Prozent und via Facebook bei sechs, sieben Prozent. Das sei jetzt etwas weniger geworden - aber trotzdem noch beträchtlich. Und das sei bei allen Medien so, betont Esser im Standard-Gespräch. "Alle schauen, dass sie möglichst gut von Google gefunden werden. Im Gegenzug von Google Geld dafür zu verlangen, dass die einen auffindbar machen, halte ich für eine komische Idee."

Auch zum Thema Leistungsschutzrecht hat der Zeit-Chef eine klare Meinung: Es sei wichtig, wenn jemand längere Zeit-Texte abgreife und die selber kommerziell verwende. "Dann müssen wir, selbstverständlich nicht nur über das Urheberrecht des Autors, ein Leistungsschutzrecht haben. Aber wenn jemand Snippets von uns nimmt und uns damit hilft, im Netz gefunden zu werden, dann kann ich von dem doch kein Geld dafür verlangen", hebt Esser hervor.

Dass Google und Facebook einen so hohen Anteil an der Onlinewerbung haben, ficht Esser nicht an. Nein, der "Fakt" fordert ihn heraus: "Die haben halt ein besonders gutes Geschäftsmodell. Da kann ich nur mit Bewunderung sagen, das hätte uns einfallen sollen, machen aber halt die". Und Esser sagt weiter: "Wenn Google und Facebook ein gutes Geschäftsmodell haben, müssen wir schauen, auch gute und neue Geschäfte zu entwickeln. Ich kann nicht neidisch an der Seitenlinie stehen und sagen: Die nehmen mir Geschäft weg. Welches Geschäft nehmen die weg? Wir sind in einem freien Wettbewerb. Wenn Google und Facebook gute Geschäfte machen, dann: Hut ab!" Kooperation und Innovation statt Neid ist für Esser der richtige Weg.

Esser erklärt im Interview mit dem Standard auch, warum er von Seiten Googles keinen Missbrauch der Marktmacht sieht. Sie könnten besonders gut im Targeting Angebote machen. "Marktmissbrauch wäre es, wenn uns nicht auf ihre Plattform lassen würden, weil wir Konkurrenten wären."

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