Warum ARD-Moderator Constantin Schreiber eine Toleranzstiftung gegründet hat

04.10.2019
 

Der Tagesschau-Moderator Constantin Schreiber will Hass im Netz, Fake News und "Lügenpresse"-Vorwürfen etwas entgegensetzen. In einem Interview spricht er über seine Toleranzstiftung und mediale Jauchegruben.

Kürzlich hat Constatin Schreiber in Leipzig die Deutsche Tolerenzstiftung gegründet. Mit der Stiftung will er das Miteinander stärken: Er habe lange nach einem Namen gesucht. "Aber wenn man ein Zeichen setzen und Aufmerksamkeit will, sollte man sich auch nicht kleinmachen", sagt der ARD-Moderator in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen.

Auf Toleranz gründe unsere Gesellschaft, ohne Toleranz gehe es nicht. "Ich habe im Kollegen- oder Bekanntenkreis aber auch schon gehört: Toleranz werde überstrapaziert, was würden wir nicht alles hinnehmen im Namen der Toleranz! Da habe ich gemerkt, wie stark selbst dieses Wort polarisiert", erklärt Schreiber.

Die Stiftung sieht Schreiber als seinen Beitrag an, sich gesellschaftlich zu engagieren. "Eben in dem Bereich, in dem ich mich auskenne. Und auf Sachsen liegt nun mal der öffentliche Fokus. Wenn es etwa um Rassismus geht, um eine Spaltung in Rechts und Links, Ost und West, dann geht es leider auch immer um Sachsen", so Schreiber gegenüber der Augsburger Allgemeinen.

Der Tagesschau-Sprecher will auch "Lügenpresse"-Vorwürfe entkräften: Etwa mit dem Projekt "Triff mich!", bei dem er und andere Journalisten in Schulen gehen. "Ich glaube, dass in einer immer digitaleren, virtuelleren Welt der persönliche Kontakt stark an Bedeutung gewinnt. Hinzu kommt, dass Schüler unter Anleitung von Journalisten für eine Mediathek Videobeiträge erstellen über Meinungs- oder Religionsfreiheit. Ende des Jahres wollen wir die Videos freischalten", kündigt Schreiber an.

Die Tiraden, die ihm als eines der Gesichter des in rechtspopulistischen und rechtsextremen Kreisen so verhassten öffentlich-rechtlichen "Staatsfunks" entgegenschlagen, versuche er, so gut es geht zu ignorieren. "Ich will mich nicht die ganze Zeit mit Hassbotschaften aufhalten, darauf habe ich einfach keine Lust", sagt Schreiber zur Augsburger Allgemeinen.

Er sieht eine erschreckende Entwicklung: "Ich bin deswegen bei Facebook oder Twitter so gut wie gar nicht mehr aktiv. Vor ein, zwei Jahren war ich das noch sehr intensiv. Bei Facebook oder Twitter verkämpfen sich Menschen mit verschiedenen weltanschaulichen Positionen, ein Meinungsaustausch findet nicht mehr statt. Es geht nur noch darum, sich gegenseitig niederzubrüllen. Das Niveau ist unterirdisch. Soziale Medien sind zu medialen Jauchegruben geworden. Ich empfinde es nicht als Verlust, dort nur noch wenig Zeit zu verbringen."

Zur Person: Constantin Schreiber, Jahrgang 1979, absolvierte nach seinem Jura-Studium ein Volontariat bei der Deutschen Welle. 2006 arbeitete er als Reporter des Daily Star Lebanon in Beirut. In den beiden darauffolgenden Jahren war er Dubai-Korrespondent der Deutschen Welle. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Medienreferent im Auswärtigen Amt in Berlin wechselte Schreiber als Moderator und Chef vom Dienst zu ntv nach Köln. Von 2015 an berichtete er für RTL und ntv aus der deutschen Hauptstadt. 2016 wurde Constantin Schreiber für seine Sendereihe "Marhaba - Ankommen in Deutschland" mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet. Im Januar 2017 folgte der Wechsel zu ARD-aktuell.

 

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