Leonine-Chef Fred Kogel: Springer wäre ein interessanter Kunde

07.10.2019
 

Seit September ist klar, dass das deutsche Medienunternehmen, das aus dem Zusammenschluss der früheren Tele München Gruppe, der Universum Film, der i&u TV und der Wiedemann & Berg Film entstanden ist, Leonine heißt. Im Interview spricht CEO Fred Kogel über eine mögliche Partnerschaft mit Axel Springer.

Seit Anfang des Jahres hat Fred Kogel gemeinsam mit dem amerikanischen Finanzinvestor KKR ein großes Medien-Start-up aufgebaut: "Wir sehen klar die Chancen, die die disruptiven Umbrüche im Markt bieten, und wollen sie konsequent nutzen", kündigt Kogel im Interview mit dem Handelsblatt an. "Wir haben zum ersten Mal die Chance, aus Deutschland heraus nachhaltig für den Weltmarkt produzieren zu können."

Aktuell ändere sich "die Art und Weise, wie die Konsumenten den Content nutzen, radikal und irreversibel. Alle Veränderungen bergen nicht nur Risiken, sondern eben auch große Chancen", so Kogel. Insofern sei "die heutige Situation noch viel faszinierender als die Anfangszeit des privaten Rundfunks in den achtziger Jahren. Jeder kann überall zu jeder Zeit Medieninhalte auf jeder Art von Gerät anschauen. Und genau für diesen Markt haben wir uns aufgestellt."

Kogel verrät auch, wie das Multi-Millionen-Projekt entstand: "Seit vielen Jahren kenne ich Johannes Huth und Philipp Freise von KKR sehr gut. Damals stiegen sie bei ProSiebenSat .1 ein. Wir blieben in Kontakt. Es war immer klar, dass KKR eine wohlüberlegte Investition im Medienmarkt tätigen wollte. Für die digitale Zeit braucht man mehrere Zutaten: alle Inhalte für alle Kanäle, die besten Talente, neue Formate, Angebote für nationale Player sowie internationale Plattformen. Hinzu kommt der Lizenzhandel. Es geht uns um einen 'One-Stop-Shop" für Premiuminhalte aller Art."

Die Tele-München-Gruppe, die Produktionsfirma I & U von Günther Jauch, das Kinogeschäft des Duos Wiedemann & Berg sowie Universum Film aus der RTL Group - keine der Firmen sei auf dem Markt gewesen, betont Kogel: Es sei ein systematischer Plan gewesen, genau diese Firmen zu erwerben.

Kogel bestätigt im Handelsblatt, dass er persönlich einen sehr hohen Beitrag investiert habe: "Es muss ja auch wehtun können". Er sei in seinem Leben immer Unternehmer gewesen, nicht nur in der gemeinsamen Firma mit Harald Schmidt.

In den nächsten zwei Jahren will Kogel mit Leonine, das seinen Sitz in München hat, in Deutschland, Österreich und der Schweiz organisch wachsen: "Zunächst mal müssen wir liefern. Dann kann man sich eine Ausweitung in Europa vorstellen." Er wolle "grundsätzlich nicht ausschließen", dass es auch dieses Jahr noch zu weiteren Zukäufen komme. "In diesem Bereich ist immer alles möglich."

Schon jetzt arbeite man nicht nur für die klassischen TV-Sender, sondern auch für Netflix und Amazon, Deutsche Telekom, Joyn oder Youtube. Auch eine Kooperation mit dem Medienhaus Axel Springer sei möglich, bei dem KKR in diesem Jahr ebenfalls eingestiegen ist. Kogel: "Bei KKR ist es zwar dasselbe Team, das uns und Springer betreut, trotzdem handelt es sich um getrennte Investments. Aber natürlich wäre Springer ein interessanter Kunde."

Im Handelsblatt-Interview räumt Fred Kogel zudem mit dem Verdacht auf, der Name "Leonine" gehe auf seinen einstigen Chef zurück, den 2002 pleite gegangenen Medien-Tycoon Leo Kirch: "Leo ist Geschichte, lange her. Leonine ist die Gegenwart - und die Zukunft", so Kogel. Der Unternehmensname sei vielmehr das englische Wort für "löwenartig". Man sitze nun mal in der Münchner Leopoldstraße. Und der Löwe finde sich auch im Wappen des Freistaats Bayern, dem man sich als Standort durchaus verpflichtet fühle.

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