Heimat to Go: Warum mobiles Streaming für die Öffentlich-Rechtlichen eine große Chance ist

09.10.2019
 

Immer häufiger werden Streamingdienste auf mobilen Endgeräten konsumiert. "Dieses Nutzungsverhalten kann die große Chance für traditionelle Fernsehsender sein. Gerade jungen Zielgruppen fehlt offensichtlich noch der Zugang zu den etablierten Mediatheken", sagt Anna Schneider, die den sich ändernden Medienkonsum beleuchtet hat.

In der Studie "TV or not TV? Streamingdienste in Deutschland" haben Anna Schneider und René Arnold im Auftrag der Hochschule Fresenius und des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH (WIK) den Medienkonsum deutscher Nutzer untersucht. Für die Studie wurden insgesamt 3.184 Konsumenten online befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse: Musik und Videos werden immer seltener über die traditionellen Medien abgerufen. Online-Streamingdienste erfreuen sich weiterhin wachsender Beliebtheit. So hat sich seit der ersten Erhebung im Jahr 2015 der Anteil der deutschen Konsumenten, die ausschließlich Dienste aus dem Internet zur Videowiedergabe nutzen, von rund zwölf Prozent auf 24 Prozent in 2018 verdoppelt.

Immer häufiger werden laut der Studie Streamingdienste auf mobilen Endgeräten konsumiert. Gerade für Videoinhalte stecke hier enormes strategisches Potenzial. Wie der Erfolg von TikTok und IGTV belege, funktionierten insbesondere kurze Inhalte, die von Anfang an im Hochformat produziert worden sein. "Dieses Nutzungsverhalten kann die große Chance für traditionelle Fernsehsender sein", deutet Anna Schneider diesen Trend. "Gerade jungen Zielgruppen fehlt offensichtlich noch der Zugang zu den etablierten Mediatheken, wie unsere Ergebnisse belegen. Die öffentlich-rechtlichen Sender können über das Smartphone ihre lokale Stärke und das Vertrauen in ihre journalistische Arbeit ausspielen."

Konkret könnten Sender lokale Kurznachrichten und exklusive Produktionen für das Smartphone anbieten. "In erster Linie sollten die Fernsehsender jetzt aktiv gestalten und die Nutzer durch innovative Produktionen und regionale Bezüge im Hosentaschenformat begeistern. Das ist quasi "Heimat to Go", so Schneider

Dass Streaming weiterhin ein zukunftsträchtiger Markt ist, unterstreichen laut Schneider nicht zuletzt die zahlreichen neuen Dienste, die auf den Markt kommen. So haben Apple, Disney oder HBO entweder schon neue Dienste gelauncht oder aber angekündigt. "Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass europäische und gerade deutsche Sender langfristig konkurrenzfähige Angebote machen", empfiehlt Schneider.

Zu den Autoren : Anna Schneider ist Professorin für Wirtschaftsychologie an der Hochschule Fresenius. René Arnold ist Abteilungsleiter Märkte & Perspektiven beim Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH (WIK). 

Die Studie können Sie hier herunterladen.

Hintergrund: Die Hochschule Fresenius mit ihren Standorten in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Idstein, Köln, München und Wiesbaden sowie dem Studienzentrum in New York gehört mit über 13.000 Studierenden zu den größten und renommiertesten privaten Hochschulen in Deutschland.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.